262 Drittes Buch. III: Eroberung Mailands.
bedeutende Geldsumme bei dem Kaiser abzukaufen. Allein diesem lag nur
daran, durch die Anwesenheit des Erzbischofs bei dem Zuge gegen Mai-
land und auf dem Konzile, das er den Synoden in England und Frankreich
gegenüber im Sinne der viktorschen Partei abzuhalten gesonnen wat, dieser
eine Verstärkung ihrer Autorität zu verschaffen; er wies also das Anerbieten
des Erzbischofs zurück“).
Schon traten übrigens auch weltliche Große Deutschlands gegen den Kaiser
auf. Welf VI., immer feurig und ungestüm, fand keinen Geschmack mehr an
der vertrauensseligen Politik der freien Hand, wie sie sein mächtigerer Neffe
Heinrich verfolgte. Er stellte sich, zwar nicht offen, aber doch insgeheim auf
die Seite des antistaufischen Papstes und ließ sich, unter der Vermittlung
seines Freundes, des Propstes von Raitenbuch, von Alexander beauftragen,
die Klerikalen in seinen Besitzungen zu schützen und etwaige Übertritte von
Viktor zu Alexander zu erleichtern"*). Gewiß wird er sich mit dem Führer
aller Alexandrier in Deutschland, mit Eberhard von Salzburg, in Verbin-
dung gesetzt haben. Und handelte er nicht in der Tat politisch korrekt, indem
er, der Welfe, sich mit seinem natürlichen Bundesgenossen gegen die kühnen
Bestrebungen der Staufer alliierte?
Die Lage des Kaisers war eine trübe. Außer in dem eigentlichen Deutsch-
land fand sein Papst kaum irgendwo Anerkennung, und jetzt begannen auch
in dem Stammlande selbst die gefährlichsten Umtriebe gegen Viktor und
damit mittelbar gegen ihn. Denn Viktor fallen zu lassen, wäre für Friedrich
das Eingeständnis der vollkommensten Niederlage gewesen, das er nur in
dem äußersten Notfalle, in der größten Bedrängnis, machen konnte und
1161 wollte. — Und wie die kirchlichen, so ließen sich im Beginne des Jahres, als
Ende Herzog Heinrich von Sachsen und Bayern nun im keaiserlichen Lager ein-
Januar trafe's'½), auch die kriegerischen Ereignisse nicht gerade glänzend an. Viel-
mehr begannen die Mailänder frühzeitig ihre Angriffe auf die kaiserlichen
Ende Städte wieder. Schon waren sie im Begriffe, sich in Castiglione, wenige
März Stunden von Lodi, eine wichtige Angriffsbasis gegen diesen Ort zu ver-
schaffen, als der Kaiser — höchstwahrscheinlich in Begleitung Heinrichs —
noch rechtzeitig herbeitam und Castiglione rettetef). — So viel war klar,
wenn Friedrich nicht seine ganze Stellung einbüßen, wenn er nicht seine
Freunde abfallen und gegen sich überall neue Gegner sich erheben sehen
wollte, mußte er einen entscheidenden Schlag gegen seine Feinde führen,
der sein Übergewicht wieder fest begründete.
*) Ep. imper. ad archiepisc. Salisbrg. M.G.Lg. II, p. 131.— Der Erzbischof scheint auch
wirklich Ostern 1161 in Italien eingetroffen zu sein, da von dieser Zeit an seine Korre-
spondenz mit dem Kaiser aufhört. — Reuter S. 174 setzt einige Briefe des Kaisers
an den Erzbischof um ein ganzes Jahr zu spät an; den Beweis für die chronologische
Unrichtigkeit zu führen, dürfte kaum hierher gehören.
“) Krit. Erört. IIIe.3
*##o) Heinrich ist Zeuge auf der vom Kaiser am 29. Januar 1151 bei Como ausgestellten
Urkunde;:; Hansiz, Germania sacra, 1I, p. 321; St. Nr. 01.
) Otto Mor., p. 630. — Gesta Frid. in Lomb., p. 47f.