1074 Versuͤumnihverfahren.
letztere der § 39 der CPO. denn auch ausdrücklich erfordert, und zwar mit um so
größerem Rechte, als durch die Präklusion zwar ein Mittel der Abwehr verloren ist,
der Beklagte aber von der Absicht, die Jurisdiktion zu vereinbaren, noch weit ent-
fernt sein kann. Der § 39 folgert die Vereinbarung aus dem Verhandeln des
gegenwärtigen Beklagten zur Hauptsache, wenn dabei die Unzuständigkeit nicht
gerügt worden ist. Bleibt der Beklagte aus, so entzieht er sich dem Gerichte und
daraus scheint ein stärkerer Schluß für die Absicht, die Gerichtsbarkeit nicht proro-
giren zu wollen, als für die Absicht der Prorogation sich zu ergeben. Daraus, daß
die Zuständigkeit des Gerichts Prozeßvoraussetzung ist, folgt nicht, daß man aus der
Präsumtion des Zugeständnisses der Anspruchsthatsachen auch die Prorogation prä-
sumiren müsse, sondern daß die Zuständigkeit festzustellen sei, ehe das Präjudiz jenes
Zugeständnisses verwirklicht werden könne. Die Ansicht, daß im V. die Zuständig-
keit des Gerichts nicht zu präsumiren, sondern von Amtswegen zu prüfen und fest-
zustellen sei, hat denn auch die Anerkennung des Reichsgerichts gefunden. — Gegen
ein Versäumnißurtheil stehen der erschienenen Partei dieselben Rechtsmittel zu Gebote,
wie gegen andere Urtheile, der säumigen Partei dagegen innerhalb einer Nothfrist
von zwei Wochen seit der Zustellung der Einspruch, welcher im Fall seiner Zulässigkeit
den Prozeß in die Lage vor dem Versäumniß zurückversetzt. Versäumt der Opponent
den Termin zur mündlichen Verhandlung, so wird sein Einspruch verworfen und steht
ihm ein weiterer Einspruch gegen das neue Versäumnißurtheil nicht zu, während
derselbe ihm wie sonst offensteht, wenn er nach begonnener Verhandlung einen jerneren
Termin versäumt; jedoch ist jedes zweite oder fernere gegen dieselbe Partei zur
Hauptsache in derselben Instanz erlassene Bersäumnißurtheil ohne Antrag für vor-
läufig vollstreckbar zu erklären. Gegen V. der Einspruchsfrist steht der säumigen
Partei, namentlich wenn sie ohne ihr Verschulden von der Zustellung des Versäumniß-
urtheils keine Kenntniß erlangte, binnen Jahresfrist noch Wiedereinsetzung in den
vorigen Stand zu, die innerhalb zwei Wochen vor der Hebung des Hindernisses
beantragt werden muß. Versäumt der Implorant die mündliche Verhandlung auch
hier, so ist ihm gegen das Versäumnißurtheil der Einspruch versagt. Ein Ver-
säumnißurtheil aber, gegen welches der Einspruch an sich nicht gestattet ist, kann
noch mit Berufung bzw. Revision angefochten werden, weil Versäumung nicht vor-
gelegen, die Partei z. B. noch vor Schluß der Verhandlung sich eingefunden oder
totale Unthätigkeit nicht vorgekommen.
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