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152. Die beiden Ziegen. Von Albert Ludwig Grimm.
Zwei Ziegen begegneten sich auf einem schmalen Stege, der über
einen tiefen, reißenden Waldstrom führte. Die eine wollte herüber,
die andere hinüäber.
„Geh mir aus dem Wege!“ sagte die eine. „Das wäre
schön!“ rief die andere. „Geh du zurück und laß mich hinüber, ich
war zuerst auf der Brücke!" „Was fällt dir ein? versetzte die
erste; „ich bin älter als du und sollte dir weichen? Nimmermehr!"
Beide bestanden immer hartnäckiger darauf, daß sie einander
nicht nachgeben wollten; jede wollte zuerst hinüber, und so kam es
vom Zanke zum Streit und zu Tätlichkeiten. Sie hielten ihre Hörner
vorwärts und rannten zornig gegeneinander.
Von dem heftigen Stoße verloren aber beide das Gleichgewicht;
sie stürzten miteinander über den schmalen Steg hinab in
den reißenden Waldstrom, aus dem sie sich nur mit großer Anstrengung
ans Ufer retteten.
So geht's den Eigensinnigen und Hartnäckigen!
153. Hund und Katze.
um Herrn kam Hund und Katze kerein,
verklagten einander mit Heulen und ochrein:
„Hund hat mich so sehr ins Gein gebissen!"
„Und mir hat Kätzchen die Tiase zerrissen!"“
5 „Hund hat in der Küche genascht den Braten!“
„Das Kätzchen ist über die Milch geraten!"
Was sagte der Herr zu ihrem Streit7
Er suchte den Stork, der war nicht weit.
-Ihr habt euch beide einander nicht lieb,
10 und eins wie das andere ist ein Dieb!
Orum mögt ihr beide euch nur bekehren,
sonst wird der Stock euch Besseres lehren!“
Wenn sich nun zwei nicht können vertragen,
so leißt es von ihnen bis zur jetzigen Stund“:
15 „Sie leben zusammen wie Katz'’' und Hund.“
154. Sprichwörter.
1. Wie du mir, so ich dir. 2. Hast du im Tal ein sicheres
Haus, so wolle nie zu hoch braus. 3. Bleibe im Lande und nähre
dich redlich! 4. Eintracht hat große Macht. 5. Einigkeit, ein festes