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manchmal einen Tag, an dem es wie mit Kannen goß, so daß an
ein Ausgehen nicht zu denken war. Und doch sollte der hohe Herr
sich Bewegung machen. Da benutzte er denn die ganze Flucht von
Zimmern zum Aufundabgehen. Als ihn einmal der Kammer—
diener nicht mehr wandeln hörte, ging er hinein, etwas zu bringen.
Doch wie fand er seinen Herrn! Einen Bodenteppich auf den
andern legend, im Schweiße seines Angesichts. „Aber, Majestät,
was tun Sie da? Warum lassen Sie mich das nicht machen?“
Lächelnd erwiderte der Kaiser: „Ja, das hab' ich mal selber ge—
macht. Da unten liegt ein schwerkranker Badegast, der wenig
schlafen kann. Wenn ich nun hier oben, über seinem Kopfe, herumwandle,
da hat ja der arme Mann gar keine Ruhe. Damit er's
also nicht hört, habe ich die Teppiche alle zusammengesucht und
aneinandergelegt; so geht sich's doch leiser. Man macht so was
immer am besten selbst!“ Das war der große Kaiser Wilhelm J.!
4.
Der Kaiser litt einst an einer starken Erkältung. Sein Leibarzt
hatte ihm außer einer andern Arznei noch einen Tee verschrieben,
den er in der Nacht zur Linderung des Hustenreizes
trinken sollte. Der Kammerdiener war genau angewiesen worden,
wieviel von dem Tee bei jedem Hustenanfall gewärmt und dem
Kaiser gereicht werden sollte.
Als nun am andern Morgen der Leibarzt seinen Besuch
machte, berichtete ihm im Vorzimmer der treue alte Kammerdiener
voll Freude: „Seine Majestät haben eine ruhige Nacht gehabt.“
Befriedigt trat der Arzt in das Schlafzimmer des Kaisers; aber ein
Blick auf dessen müde Züge und ein zweiter auf die nicht geleerte
Teekanne erregten in ihm den Zweifel, ob der Bericht des Kammerdieners
wahr sei. Der Kaiser ließ ihm keine Zeit zu fragen. „Ich
habe viel gehustet und wenig geschlafen“, sagte er, und als er den
Blick bemerkte, den der Arzt auf die Teekanne warf, fügte er hinzu:
„Ich habe mehrmals von dem Tee getrunken, aber ich habe nicht
klingeln mögen; der alte Mann draußen muß doch auch seine Ruhe
haben, und so habe ich mir selbst den Tee auf der Spirituslampe
gewärmt.“
295. Kaiserin Augusta und das kranke Kind.
Die Kaiserin Augusta war überaus milde und wohltätig. Sie
war am glücklichsten, wenn sie Werke der christlichen
Barmhekzigkeit ausüben konnte. Einst begegneten ihr auf