1124 1869. Art. 4 Ziff. 13.
persönlichen Bemerkung. Der Herr Abgeordnete Ackermann hat die Güte
gehabt, einen Theil meiner Rede zu citiren, die ich im konstituirenden
Rcichstage über denselben Gegenstand gehalten habe. Wenn er meint, ich
würde im Drange der Geschäfte vergessen haben, was ich über dieselbe An-
gelegenheit im konstituirenden Reichstage gesagt habe, so kann es kaum im
Ernst gemeint sein. Der Herr Abgeordnete wird vielleicht wissen, daß ein
auch ihm befreundeter Kollege aus Sachsen über denselben Gegenstand mit
mir Rücksprache genommen hat und ich ihm meine Stellung persönlich schon
auseinandergesetzt habe, daß ich also auf das vorbereitet gewesen bin, was
er gesagt hat. Aber wenn der Herr Abgeordnete nur die Güte gehabt hätte,
auch den letzten Satz mit vorzulesen, so würde der Reichstag gleichzeitig er-
fahren haben, daß ich mich materiell für den Inhalt des damaligen Miquel“=
schen Antrages ausgesprochen habe, welcher ganz identisch mit dem Antrage,
wie er heute von mir als Mitantragsteller unterschrieben ist; nur hat es die
Politik im konstituirenden Reichstag nöthig gemacht, daß wir bei den Aen-
derungen, welche uns am Herzen lagen, immer einen Antrag in Reserve
hatten, damit wir, indem der weitergehende Antrag abgelehnt würde, auch
das Geringere erreichten; und bei den Aufgaben, die wir unter uns vertheilt
haben, fiel es dem Herrn Abgeordneten Miquel zu, den ganzen und vollen
Antrag einzubringen, und mir, den beschränkteren Antrag zu vertreten. In
der Abstimmung aber habe ich selbst für den Antrag Miquel gestimmt. Da-
mit wird also der angebliche Widerspruch weggeräumt sein und kein Kom-
pensationsgegenstand ist vorhanden für diejenigen Herren, welche bei der heu-
tigen Debatte in offenbarem Widerspruch gegen damals sich befunden haben.
Ich frage aber, meine Herren, haben Sie denn wirklich Veranlassung, aus dem
heutigen Antrag so viel politisches Kapital zu münzen? Wird Einer von
Ihnen behaupten können, daß, wenn im konftituirenden Reichstage vier
Stimmen mehr für den Antrag Migquel sich entschieden hätten, Sie die Bundes-
verfassung nicht angenommen haben würden? Will Einer von Ihnen be-
hanpten, daß Sie damals gemeint haben würden mediatisirt zu sein? Die-
ser Einwand wird gewiß nicht erhoben werden! Gestatten Sie mir diese
Gelegenheit nur noch zu einer allgemeinen Bemerkung zu benutzen. Der
Herr Abgeordnete Graf Bassewitz hat von Motiven gesprochen, welche den
Antragstellern untergelegen haben mögen, die sie nicht aussprechen, mit denen
sie aber geheime Zwecke verfolgen. Der Zufall hat es gewollt, daß der
Graf Bassewitz diesen Ausspruch that, als Jemand bei mir aufrug, ob ich
denn der Meinung sei, daß der Herr Graf Bassewitz das, was er sage, auch
im Ernst meine oder nur vorgebe, worauf ich erwidert habe, daß nach
meinem Urtheil der Graf Bassewitz alles Emstes spreche, denn ich weiß, daß
in verschiedenen Theilen des Hauses der Ideengang ein ganz verschiedener ist;
und wenn wir nicht alle mit der Voraussetzung uns gegenüber stehen, daß
Jeder das, was er offen vertritt, wirklich meint, wenn jeder nur den Maß-
stab anlegt, in welchem die Gedanken in seinem Kopfe sich abspiegeln, dann