6
zu lösen. In Constanz selbst stand Burggraf Friedrich ihm zur
Seite, als sein erster Berather, und hier war es auch, wo der
Kaiser in voller und dankbarer Anerkennung der Dienste, welche
der Burggraf ihm und dem deutschen Reiche geleistet hatte, den-
selben feierlich mit der Markgrafschaft und dem Kurhut von
Brandenburg belehnte, im Jahr 1416. Es lag etwas Omi-
nöses darin, daß die Erhebung des Hauses Zollern vor dem
Concil stattfand, welches damals über die Zukunft Europas zu
entscheiden hatte. Kleinmeisterliche Geschichtsschreiber haben sich
darin gefallen, in jener verhängnißvollen Belehnung, von welcher
an sich die Größe des Hauses Zollern datirt, nur einen Kauf-
handel sehen zu wollen, in welchem der schlaue Burggraf den
schwachen und leichtsinnigen Kaiser überlistet habe. Den Vor-
wand zu dieser irrthümlichen Anschauung boten die Geldsummen,
welche der Burggraf dem Kaiser vorgestreckt hatte und wofür
ihm die Mark Brandenburg vorläufig verpfändet worden war.
Allein der Burggraf handelte uneigennützig und großherzig im
Interesse des deutschen Reichs gegenüber den romanischen und
slavischen Umtrieben. Daß ihm reiche Geldmittel zu Gebote
standen, hatte seinen Grund lediglich in der weisen und spar-
samen Verwaltung der schon durch seine Vorfahren unter dem
Burggrafenamt vereinigten fränkischen Markgrafschaften und zahl-
reicher Privatgüter, welche die Zollern nach und nach erworben
hatten. Die Geldunterstützungen, die der Burggraf dem Kaiser
gewährte, dienten dem letztern hauptsächlich in der Sache des
großen europäischen Concils in Constanz, auf welchem der deutsche
Kaiser endlich einmal wieder als Haupt der abendländischen
Christenheit in seiner Machtfülle auftreten sollte und auch wirk-
lich auftrat, indem er durch Abstimmung nach Nationen das
Concil frei machte, um alle drei Päpste abzusetzen und eine Re-
formation der Kirche an Haupt und Gliedern zu ermöglichen.
Das war der große Plan des Kaisers, den niemand nachdrück-