Full text: Materialien der Deutschen Reichs-Verfassung. Band III (3)

Art. 2. Grundrechte. Blanckenburg. 941 
achtens einer großen Gefahr entgegen — nun beantragen Sie, über diese 
preußische Verfassung, die Ihnen garantirt ist im § 15, die Reichs- 
verfassung zu setzen, die Reichsgesetzgebung, zu der Sie doch bis 
jetzt wenigstens nicht allzuviel Vertrauen gehabt haben, von der das geehrte 
Mitglied für Mexpen gestern noch gesagt hat, es sei sehr fraglich, — und 
so deutete er den Satz, der aus anderem Munde gesprochen war — ob dem 
neuen Reiche auch der Satz: justitia fundamentum regnorum 
zu Grunde liege. Das ist ihm zweifelhaft, das ist ihm fraglich, ob die 
Gerechtigkeit zumeist in dem Reiche gewahrt werden wird, und dennoch 
will er die heiligen Rechte seiner Kirche diesem Reiche und dieser Gesetz- 
gebung anvertrauen! Ich glaube aber auch noch auf einen anderen Wider- 
spruch aufmerksam machen zu sollen. Was Sie mit diesem Ihrem Antrage 
verfolgen, das hat in der Adreßdebatte auf das Allerdeutlichste wenigstens 
das verehrte Mitglied, welches soeben gesprochen hat, beansprucht, nämllich, 
daß das Reich in Italien für die weltliche Herrschaft des Papstes 
interveniren solle. Heute, meine Herren, stellen Sie den Grundsatz auf, 
den ich ja gar nicht bestreite, daß die Kirche vollständig frei sein 
solle in ihren inneren Angelegenheiten, daß dem Staat auch in 
anderen Bundesstaaten, als wie es schon in Preußen geschehen ist, keine 
Handhaben bleiben sollen, seine Rechte zu wahren, — daß die Kirche in 
inneren Angelegenheiten völlig frei sein soll. Nun frage ich Sie, meine 
Herren, ist der Papst keine innere Angelegenheit Ihrer Kirche? Ich 
denke, er ist es im eminentesten Sinne. Und wären Sie nicht der Mei- 
nung, hielten Sie ihn für eine auswärtige Macht, mun, wie kommt 
denn die katholische Fraktion dazu, bei uns den Antrag zu stellen, den 
wir befürworten sollten, daß die verbündeten Regierungen für diese auswär- 
tige Macht interveniren sollen? Meine Herren, das find Widersprüche der 
stärksten Art, und ich bin neugierig, wie Sie dieselben lösen werden. Ich 
sollte meinen, wir hätten alle Ursache, die Gegensätze, die jetzt zu Tage ge- 
treten sind, nicht unnöthigerweise durch gegenseitige Anschuldi- 
zungen zu verschärfen. Erkennen Sie an, daß hier Niemand im Hause 
der katholischen Kirche als solcher zu nahe treten will! (Sehr wahr linke.) 
Wir wenigsteus, meine Freunde und ich, sind sehr weit davon eutfernt. Wir, 
meine Herren, werden uns stets freuen, wenn die Herren aus dem Centium 
bereit sind, mit uns die Grundpfeiler des neuen Deutschen Reiches aus zu- 
bauen! — Sie haben ja ein so hervorragendes Mitglied unter sich, das den 
christlich-germanischen Styl aus dem Grunde kennt. (Bravo! Heiterkeit.) — 
-m, meine Herren, so lange Sie uns helfen wollen, in christlich-ger- 
manischem Style diese Pfeiler aufzu führen, soweit werden wir mit 
Ihnen geben, aber wir werden helle und klare Angen haben, meine 
Herren, wenn Sie aufangen, an diese Grundpfeiler, an diese christlich-ger- 
manischen Grundpfeiler uns antik-heidnische Blumen und Blätter anzu- 
setzen, (Heiterkeit) und wir werden auf das Entschiedenste aufhören, mit
	        
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