der Heimath, sodann der Mangel einer brauch-
baren eingeborenen Bevölkerung in Kaiser Wil-
helmsland. Beiden ist indessen zu begegnen;
dem ersteren dadurch, daß wir vorzugsweise
edle, hoch bezahlte Produkte bauen, und zwar
der Gütle unseres Bodens entsprechend, besser
und lohnender als irgendwo; — dem zweiten
dadurch, daß wir eine nenc einheimische
Bevölkerung schaffsen. In letzterer Beziehung
bin ich allerdings der Meinung, daß sich
die Erschließung von Kaiser Wilhelmsland
nicht ohne die massenhafte Ansiedelung cines
Bevölkerungselementes bewirken lassen wird,
welches, höher stehend als die dünne und
unentwickelte Eingeborenenbevölkerung, dem
Europäer das wird, was der Javane und
der Sudauese auf Java, der Malaie und
seßhaft gewordene Vandjurese, Javanc w.
auf Sumatra, der Singalese und der aus
Indien einströmende Tamil auf Ceylon ist. Die
aus dem Bismarck-Archipel und den Salomon=
Inseln eingeführten Arbeiter vermögen diese
Lücke nicht auszufüllen; denn einmal erliegen
sie, bisher wenigstens, dem Klima in einem
starken Maße, was unter Umständen dazu
führen lann, daß der Erfolg der Anwerbungen
ausbleiben wird; sodann ist ihre Arbeit, auch
abgesehen von den Verlusten durch Krankheiten
und Todesfälle, auf Neu-Guinea zu theuer.
Leider liegen hierüber noch keinerlei brauchbare
Berechnungen vor; aber ich bin persönlich über-
zeugt, daß die Akkordsätze, zu welchen auf
Java, Sumatra und Ceylon z. B. Busch gellärt
und Reis gebaut wird, weit um mehr als
das Doppelte überschritten werden. Indem
ich mir Details über diese Fragen, namentlich
auch darüber, welche Stämme für eme Ueber-
führung in Betracht kommen könnten, für eine
spätere Gelegenheit vorbehalten muß, möchte
ich nur noch darauf hinweisen, daß man den
ansässigen Farbigen nur für das bezahll, was
man von ihm gesordert und thatsächlich geleistet
erhalten hat, während der angeworbene Arbeiter
Tag ein, Tag aus zu beköstigen und zu löhnen
ist, ob er arbeite oder nicht.
II.
Im Gegensatze zu dem kontinentalen Neu-
Guinca tragen die Eilande des Bismarck-
Archipels durchweg einen insularen Charakter.
Ihre Erhebung ist, abgesehen von den
vulkanischen Piks des „Vater' und der Villaumez-=
Halbinsel an der Nordküste von Neu-Pommern,
sowie von den den südwestlichen Theil von
Neu-Mecklenburg erfüllenden schrossen Berg-
letten, gering, und wenn schon diese beiden In-
selm immerhin dreihundert bezw. zweihundert
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Seemeilen lang sind, so dringt die erfrischende
Seebrise doch über ihre ganze Breite hin. Wie
in Java die Kokosnußpalme dem von Nord
nach Süd ziehenden Reisenden folgt, oder
Schaaren weißer Kohlraupenschmetterlinge —
nach einer aumuthigen Sage Sendlinge einer
verlassenen Prinzessin an ihren Geliebten —
von dem Süd= nach dem Nordufer der Insel.
wandern, so sieht nichts im Wege, daß sich
jener Baum, welcher mit Salztheilen geschwän-
gerter Meeresluft zum Wachsthum bedarf, auch
auf den größten Inseln des Archipels über
deren ganze Breite hin ansiedelt.
Daß nach Maßgabe dieser Größenverhält-
nisse an bedeutende Flüsse nicht zu denken ist,
bedarf kaum der Erwähnung; indessen fehlt es
auf Neu Pommern, Neu-Mecklenburg und Neu-
Hannover nicht an Bächen, welche von den
Achserhebungen dem Merre zueilen. Fließen=
des Wasser mangelt aber überall da, wo der
Boden so porös ist, daß er selbst die At-
mosphärilien sofort aufsangl, wie auf sämmt-
lichen Korallen = Inseln und dem Binsttein-
Plateau an der Blanche-Bai. Die Niederschläge
sind, wenn schon eine regenlose Zeit von zehn
Tagen eine von den Ansiedlern als Kalamität
empfundene Seltenheit ist, mäßiger als auf
dem westlichen Festlande; eine eigentliche wochen-
lange Dürrc pflegt indeß für Neu-Lauenburg
und die Gazellenhalbinsel im Juni bei dem
Uebergange zum Südostpassate einzutreten, weil,
wie ein Blick auf die Karte lehrt, Neu-Meck-
lenburg diese Theile des Archipels mit seinen
Gebirgsmanern, an deren Außenseite der Passat
seine Feuchtigkeit lassen muß, umklammert. —
Neu-Hannover scheint dagegen bereits einen
mehr oceanischen Charakter zu besitzen und
reichliche Niederschläge das ganze Jahr hin-
durch zu empfangen, was selbstverständlich bei
isolirteren Gruppen wie Nissan, den Purdy-=
Inselu rc. in erhöhtem Maße der Fall ist.
Der Boden erreicht, abgesehen von engen
Thälern, nirgendwo eine schwere humöse Be-
schaffenheit, sondern ist im großen Ganzen, selbst
wo die Koralle nicht zu Tage tritt, leichl. In-
solge hiervon ist der Busch ungleich lichter und
mit sehr viel weniger Mühe zu durchdringen
als in Neu-Guinea. Diese Bodenbeschaffenheit
in Verbindung mit demjenigen, was soeben
über die atmosphärischen Niederschläge zu sagen
gewesen ist, weist ohne Weiteres auf den Anbau
zweier Produkte, nämlich auf Kopra und Baum-
wolle, hin, welche, wie langjährige Erfahrung
erwiesen hat, vorzüglich gedeihen.
Ein weiterer Unterschied des Bismarck-
Archipels von Kaiser-Wilhelmsland ist endlich
der, daß der erstere gut, zum großen Theile
dicht bevölkert ist, und daß seine Eingeborenen