1306 Abschnitt XLI. Obere und Vorgesetzte der Kirchengesellschaften.
8. 139. Ein solcher Vicarius muß nicht nur selbst die den einländischen
Bischöfen vorgeschriebenen Grenzen genau beobachten, sondern auch nicht ge-
statten, daß diese Grenzen von seinen auswärtigen Obern überschritten werden.
§. 140. Vielmehr muß er, wenn etwas dergleichen, so er nicht hinter-
treiben kann, unternommen wird, dem Staat davon in Zeiten getreue An-
zeige machen.
Protestantische Consistoria.
§. 143. Bei den Protestanten kommen die Rechte und Pflichten des
Bischofs in Kirchensachen, der Regel nach, den Consistoriis zu?.
Mediatconsistoria.
147. Mediatconsistoria, wo dergleichen vorhanden sind, stehen, der
Regel nach, unter der Aufsicht des Oberconsistori# der Provinz).
§. 148. Ausnahme davon, und unmittelbare Unterordnung unter das
geistliche Departement müssen besonders dargethan werden.
§. 149. Es sollen aber auch die Oberconsistoria den untergeordneten Me-
diatconsistoriis in Ausübung ihrer Gerechtsame keinen Eintrag thun.
Superintendenten, Inspektoren und Erzpriester.
§. 150. Superintendenten, Inspektoren und Erzpriester sind untergeordnete
Aufseher einzelner Diözesen oder Kreise?).
§. 151. Sie stehen unter der Direktion des Bischofs oder der Konsistorien,
und werden von denselben unter Genehmigung des Staats ausgewählt
und bestellt.
§. 152. Ihr Amt besteht eigentlich nur in der Aufsicht über die zu ihrem
Kreise geschlagenen Kirchen und Geistlichen.
§. 153. Letztere sind ihnen von ihrer Amtsführung, Lehre und Wandel,
auf jedesmaliges Verlangen, Rechenschaft zu geben schuldig.
1) Bergl. Anm. 3 zu §S. 113 hoc tit. Zu scheiden das staatliche Aufsichts-
recht und die Kirchenregierung. Ersteres wird jetzt ausgeübt durch den Minister der
geistlichen Angelegenheiten, den Oberpräsidenten, den Regierungspräfidenten bezw. im
Stadtkreis Berlin durch den Polizeipräsidenten, gemäß Ges. 3. Juni 1876 (G. S.
S. 125) Art. 22 ff., Bd. 9. Sept. 1876 (G. S. S. 395) und 30. Jan. 1893 (G.
S. S. 10). Die Mitwirkung der Regierung bei der Berwaltung der Angelegenheiten
der evangelischen Kirche wird geübt durch den Evang. Oberkirchenraih und den Kon-
sistorien gemäß Ges. 3. Juni 1876 Art. 21, Vd. 5. Sept. 1877 (G. S. S. 215),
Res. 10. Sept. 1877 (K. G. u Vd. Bl. S. 171 ff.), der K. G. u. Syn. O. und
Gen. Syn. O. Wegen der kirchlichen Aufficht über die Bermögensverwaltung vergl.
Ges. 18. Juli 1892 (K. G. u. Vd. Bl. 1893 S. 9); Vd. 8. März 1893 (das.
S. 12); Ges. 8. März 1893 (G. S. S. 21), wegen der Berliner Stadtsynode und
der Parochialverbände in größeren Orten Ges. 18. Mai 1895 (G. S. S. 175);
wegen der Bertretung der Kreis= und Provinzialsynodalverbände in vermögenerecht-
lichen Angelegenheiten, Ges. 18. Juni 1895 (G. S. S. 271). Für die Kompetenz
der Konfistorien waren früher und find zum Tbeil noch jetzt erbeblich Bd. 30. April
1815 (G. S. S. 85) — Errichtung der Konsistorien —, Instr. 23. Okt. 1817 (G.
S. S. 237), Kab. O. 31 Dez. 1825 (G. S. 1826 S. 5), BVd. 27. Juni 1845
(G. S S. 440), Regl. 1. Okt. 1847 (M. Bl. S. 278). A. E. 29. Juni 1850,
(G. S. S. 343), letzterer namentlich die Einsetzung des Epvangel. Oberkirchenrathes
als Organ der Kirchenregierung enthaltend.
2) Mediatkonfistorien, d. b. standesherrliche und füädtische. Zu ersteren gehören
die Fürstlich Stollbergschen, Instr. 51. Mai 1820 u. Regl. 13. Aug. u. 17. Sept.
1822, 8. Jan. u. 25. Sept. 1862 u. 28. März 1836 u. A. E. 30. Dez. 1874 (G.
S. 1875 S. 2) 8§. 3 ff; zu letzteren die Stadtkonsistorien zu Breslau und Stral-
sund, vergl. für Breslau Regl. 2. Nov 1859 (Aklenst. E. O. K. 13 S. 167)
für Stralsund Statut 23. Juni 1882, 28. Febr. 1883 (K. G. u. V. Bl. 1883
S. 33) A. E. 5. Jan.1891 (A. G. Bl. S. 1).
3) Ueber die General-Superintendenten vergl. Kab. O. 29. Aug. 1828 und Instr.
14. Mai 1829 (A. XIII. 279).