Full text : Protokolle der im October 1873 im Königlich Preußischen Unterrichts-Ministerium über verschiedene Fragen des höheren Schulwesens abgehaltenen Conferenz.

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tragen,  also  nicht  mit  einem  feierlichen  Redeact,  sondern  mit  Liedern,
Spaziergängen,  Turn=  und  anderen  Spielen  begangen  werden.
Die  Feier  dieses  Tages  auch  durch  die  Schule  sei  von  solchem
Werthe,  daß  er  seinerseits  bereit  sei,  in  der  Ferienfrage  sein
Votum  mit  Rücksicht  auf  die  Ermöglichung  dieser  Feier  abzugeben.
Weas  die  im  Unterricht  gelegenen  Mittel  betreffe,  so  sei  in
dieser  Beziehung  jede  Art  von  Tendenz  fern  und  stets  daran  fest
zu  halten,  daß  für  keinen  Unterricht  eine  andere  Tendenz  gelten
könne  als  die  den  Wahrheitssinn  zu  entwickeln.  Aus  diesem
Grunde  wolle  Ref.  auch  nicht  alle  einzelnen  Unterrichtsgegenstände
nach  ihrem  möglichen  Werthe  für  die  Hebung  des  Nationalbewußtseins
  durchmustern,  auch  nicht  den  Gesangunterricht  und  den  Unterricht
  im  Deutschen,  weil  hier  überall  die  fördernden  Momente  sofort
  in  die  Augen  sprängen.  .

Die  nächste  Beziehung  zu  dem,  was  man  von  der  Schule  in
Betreff  der  Pflege  des  nationalen  Bewußtseins  verlange,  habe  natürlich
  der  Geschichtsunterricht.  Auch  für  diesen  wolle  er
selbstverständlich  nichts  von  Tendenz  und  Absicht  wissen;  allein,
was  er  hier  vorschlage,  halte  er  für  eine  wirkliche  sachliche  Verbesserung,
  eine  Vereinfachung  und  Richtigstellung  des  vaterländischen
  Geschichtsunterrichts.  -  schlage  vor,  den  speciellen  Unterricht
in  brandenburgisch-preußischer  Geschichte  aufzuheben  und  künftighin
auf  preußischen  Gymnasien  und  Realschulen  nur  deutsche,  und
brandenburgisch-preußische  Geschichte  nur  in  organischem  Zusammenhang
  mit  dieser  zu  lehren.  Die  deutsche  Geschichte  komme  jetzt
zweimal  im  Cursus  der  höheren  Schulen  vor:  einmal  speciell  als
Pensum  des  2jährigen  Tertia-Cursus  und  dann  als  Bestandtheil
der  europäischen  oder  sogenannten  Weitzeschichte  seit  476  n.  Chr.
in  Prima.  Als  künftiges  Pensum  der  Tertia  bezeichnete  Referent
für  das  erste  Jahr  deutsche  Geschichte  bis  zum  Jahre  1648,  mit
welchem  Jahre  der  Sieg  des  Territorialismus  entschieden  sei  und
zugleich  der  preußische  Staat  schon  als  der  deutsche  Zukunftsstaat
mächtig  hervortrete,  für  das  zweite  Jahr  der  Tertia  preußischdeutsche
  Geschichte  von  1648  bis  1815  bezw.  1870.  Beim  Beginn
der  deutsch-preußischen  Geschichte  würde  die  brandenburzische  Geschichte
  als  Einleitung  durchzunehmen  sein.  Diese  Eintheilung
werde  sich  auch  dadurch  empseylen,  daß  die  Voraufnahme  der
deutschen  Geschichte  vor  der  preußischen  ein  besseres  Verständniß
der  letzteren  ermögliche.  —

An  diesen  Vorschlag  knüpfte  Hr.  Jäger  eine  Erörterung  der
Frage,  ob  in  Tertia  der  Geschichtsbuterricht  wie  herkömmlich  mit
dem  Jahre  1815,  oder  mit  dem  Jahre  1870  zu  schließen  sei.  Er
kam  zu  dem  Resultate,  daß  man  den  eigentlichen  Geschichtsunterricht
  am  besten  mit  dem  Jahre  1815.  abschließe  und  dann  die
Periode  von  1815  bis  1870  mehr  als  politische  Geographie  be-