124
tragen, also nicht mit einem feierlichen Redeact, sondern mit Liedern,
Spaziergängen, Turn= und anderen Spielen begangen werden.
Die Feier dieses Tages auch durch die Schule sei von solchem
Werthe, daß er seinerseits bereit sei, in der Ferienfrage sein
Votum mit Rücksicht auf die Ermöglichung dieser Feier abzugeben.
Weas die im Unterricht gelegenen Mittel betreffe, so sei in
dieser Beziehung jede Art von Tendenz fern und stets daran fest
zu halten, daß für keinen Unterricht eine andere Tendenz gelten
könne als die den Wahrheitssinn zu entwickeln. Aus diesem
Grunde wolle Ref. auch nicht alle einzelnen Unterrichtsgegenstände
nach ihrem möglichen Werthe für die Hebung des Nationalbewußtseins
durchmustern, auch nicht den Gesangunterricht und den Unterricht
im Deutschen, weil hier überall die fördernden Momente sofort
in die Augen sprängen. .
Die nächste Beziehung zu dem, was man von der Schule in
Betreff der Pflege des nationalen Bewußtseins verlange, habe natürlich
der Geschichtsunterricht. Auch für diesen wolle er
selbstverständlich nichts von Tendenz und Absicht wissen; allein,
was er hier vorschlage, halte er für eine wirkliche sachliche Verbesserung,
eine Vereinfachung und Richtigstellung des vaterländischen
Geschichtsunterrichts. - schlage vor, den speciellen Unterricht
in brandenburgisch-preußischer Geschichte aufzuheben und künftighin
auf preußischen Gymnasien und Realschulen nur deutsche, und
brandenburgisch-preußische Geschichte nur in organischem Zusammenhang
mit dieser zu lehren. Die deutsche Geschichte komme jetzt
zweimal im Cursus der höheren Schulen vor: einmal speciell als
Pensum des 2jährigen Tertia-Cursus und dann als Bestandtheil
der europäischen oder sogenannten Weitzeschichte seit 476 n. Chr.
in Prima. Als künftiges Pensum der Tertia bezeichnete Referent
für das erste Jahr deutsche Geschichte bis zum Jahre 1648, mit
welchem Jahre der Sieg des Territorialismus entschieden sei und
zugleich der preußische Staat schon als der deutsche Zukunftsstaat
mächtig hervortrete, für das zweite Jahr der Tertia preußischdeutsche
Geschichte von 1648 bis 1815 bezw. 1870. Beim Beginn
der deutsch-preußischen Geschichte würde die brandenburzische Geschichte
als Einleitung durchzunehmen sein. Diese Eintheilung
werde sich auch dadurch empseylen, daß die Voraufnahme der
deutschen Geschichte vor der preußischen ein besseres Verständniß
der letzteren ermögliche. —
An diesen Vorschlag knüpfte Hr. Jäger eine Erörterung der
Frage, ob in Tertia der Geschichtsbuterricht wie herkömmlich mit
dem Jahre 1815, oder mit dem Jahre 1870 zu schließen sei. Er
kam zu dem Resultate, daß man den eigentlichen Geschichtsunterricht
am besten mit dem Jahre 1815. abschließe und dann die
Periode von 1815 bis 1870 mehr als politische Geographie be-