Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

230  Yy.  Rothar,  Konrad  111,  Friedrich  Barbaroffa.

ejfe  des  Reiches  lag,  da  eine  große  und  fonzentrierte  Macht  in  Norddeutichland
  am  beiten  da8  weitere  Bordringen  deutjcher  und  chrift-(icher
  Kultur  verbürgte.  Yon  Bedeutung  war  hier,  wie  im  übrigen
Deutichland,  die  Neubelebung  und  Reform  des  Kiofterweiens  durch
die  neuen  Orden  romanischen  Urfprungs,  die  Cifterzienfer  und  Brämonftratenfer.
  Heinrich  des  Löwen  Hauptgegner,  Albrecht  der  Bär
von  Brandenburg,  ftarb  1170,  die  Yage  gejtaltete  fich  friedlich  und
Heinrich  fonnte  die  in  der  Fürftenwelt  und  hohen  Gejelfchaft  zur
Sitte  und  fat  zur  Mode  gewordene  PBilgerfahrt  nach)  Serufalem
unternehmen  (1172/73).  Friedrich  war  in  diefer  Zeit  nicht  untätig:
mit  Umficht  jorgte  er  für  daS  Snterejfe  feines  Haufes,  das  zugleich
das  einer  feften  Ordnung  im  Neiche  war:  flug  wußte  er  feinen
Befit  bejtändig  zu  vermehren  und  fich  bei  Gelde  zu  halten.  Im
Auguft  1169  ließ  er  feinen  neunjährigen  Sohn  Heinrich  zum  König
wählen  und  zu  Nachen  von  dem  Erzbifchof  Philipp  zu  Köln,  dem
Nachfolger  Ramalds  und  neben  diefem  und  Chriftian  von  Mainz,
dem  bedeutendften  der  geiftlichen  Bolitifer  jener  Beit,  frönen.  Die
Kirchenfrage  aber  war  noch  immer  nicht  gelöft,  noch  unverjöhnt
ftanden  fich  die  Gegner  gegenüber,  obgleich  gelegentlich  unterhandelt
wurde.  In  Stalien  hielt  Erzbiichof  Ehriftian  die  faijertreuen  Elemente
  zufammen,  aber  der  Bund  der  Städte  verftärkte  fich  und
war  in  Verbindung  mit  Papft  Alexander  zum  Außerften  ent-Ihlofjen.
  Der  Neichdfrieg  gegen  dieje  Feinde  ward  jchon  1172
beichloffen.  Der  Heereszug  aber  —  der  fünfte  Friedrich  —  wurde
erft  im  September  1174  in$  Werf  gejeßt.  Die  Belagerung  Mlefjandrias,
  von  Friedrih  mit  Hartnädigfeit  fortgejegt,  war  erfolglos;
ein  Waffenftillftand  und  Unterhandlungen  führten  zu  feinem  Frieden
und  im  SHerbft  1175  begannen  die  Kämpfe  aufs  neue.

Auf  bejondere  Weife  Sollten  diefe  Verhältniffe  diesmal  auf
Deutichland  zurüdwirfen.  E3  war  deutlich,  daß  eine  größere  Kraftanftrengung
  nötig  war,  um  das  Anfehen  des  Reich  in  Stalien
dauernd  feitzuftellen  und  Hierzu  bedurfte  Friedrich  der  Hilfe  des
Mächtigften  der  Großen  des  Neiche,  Heinrichs  de3  Löwen,  des
Herzogs  von  Sacjjen  und  Bayern.  Diefer  aber,  der  dem  Kailer