26. Rückblicke auf das geiltige Leben Deutfchlands
im fechzehnten Dahrhundert.
a" vor diefen Ereigniffen, am 31. Dftober 1617, Hatte man
in den proteftantiichen Ländern einer von Dresden ausgegangenen
Aufforderung folgend die Hundertjährige Subelfeier der
Reformation begangen, weil, hieß e8 Dort, das Licht des Evangeliums
nunmehr Hundert Sahre lang hell geleuchtet habe: Zuthers Thejen
wider die Kraft der Abläfle wurden aljo Hier als Anfang dieler Erleuchtung
gejeßt und. die Gefchichtichreibung tft dem gefolgt. Tyreiih,
wenn man die Geichichte diefer hundert Sahre fich, wie wir
getan und wie e8 das Gejeh gejchichtlicher Darftellung verlangt,
zunächlt nur in ihren größeren und gröberen Bügen, dem Auf
und Ab der Fehden und Kriege, dem Zanf und den Gewaltiamfeiten
der hadernden Parteien, dem Feilfchen und Banken um Landbejiß
und Ehrenitellen vergegenmwärtigt, jo wird man wenig von
jenem Leuchten gewahren. Man fieht in dem ©etiimmel die Refigton
Sefu Ehrifti, die reine Lichtgejtalt der Verfon des Erlöfers
in ihrer wunderpollen Harmonie von verzeihender Milde und unerbittlicher
Strenge nicht mehr, man fieht das zerriffene Deutjche
Land im Sturm der entfejfelten Leidenjchaften einem Abgrunde
zutreiben, und bis auf diefen Tag hegen viele die Meinung, unjere
Nation habe die unzweifelhaften Güter, die jener gewaltjame Bruch)
mit ihrer Vergangenheit zur Folge gehabt Habe, zu teuer bezahlt
und denken fich eine glänzende Entwicklung ihrer Gelchidfe auf dem
Wege einer friedlichen Neform. Aber mit Unrecht. Gottes Gedanken
find nicht unfere Gedanfen und nicht auf dem Wege des Triedens
und der gütfichen Überredung vollziehen fich die menfchlichen Gehide.
Mitten in jene Finjterniffe hinein leuchtet doch ein helles
Licht, und einer neuen Entwidlung ift durch die befreiende Tat