132 Die französische Granate.
des Bolzens dreht sich dabei in einem weit größern Kreise als die
Spitze desselben, schon nach wenigen Drehungen ist die Kraft, das
Gewicht des äußern Köpfchens so stark, daß der Bolzen dem Gesetze
der Zentrifugalkraft folgen muß und fortgeschleudert wird. Dadurch
hört nun wieder jede Beschränkung der Nadelspitze auf, sie ist wieder
geschickt, den Zündspiegel zu erreichen, der die schlummernden verderb—
lichen Kräfte des Geschosses weckt und entfesselt. Schon wenn die
Granate nur 25 Schritt aus der Mündung des Rohres sich entfernt
hat, verliert sie den Bolzen.
Etwas Sinnreicheres in der Konstrukzion und etwas Zweckentsprechenderes
als diese preußische Granate dürfte nicht oft gefunden
werden. Schade, daß so vieler Scharfsinn bei der Zusammensetzung
dieser Geschosse nur angewendet wurde, um Mittel der Zerstörung zu
ersinnen.
Ein jeder Granatschuß kostet je nach dem Kaliber 5—10 Thaler.
Die französischen Granaten haben ungefähr dieselbe Gestalt wie
die preußischen, aber ihre Zündvorrichtung ist eine ganz andre. Der
Kopf derselben hat keine Oeffnung, dafür ist das hintere Ende durchbohrt
und es wird eine kleine Schlußschraube eingesetzt, welche einen
Zündfaden enthält. Dieser entzündet sich durch das Abfeuern, und
wenn er verbrannt ist und das Feuer das Pulver erreicht, so platzt
die Granate, gleichviel ob sie noch im Fluge ist oder ob sie bereits
in die Erde oder einen Gegenstand eingedrungen ist. Diese Zündvorrichtung
ist natürlich viel unsichrer als die preußische, denn öfter
entzündet sich der Zündfaden beim Abfeuern gar nicht, öfter wird er
auch durch den scharfen Luftzug wieder ausgelöscht, oder die Granate
kommt mit nassen Gegenständen in Berührung und der Funken, der
zünden soll, wird wieder erstickt. In vielen Fällen wird auch der
günstigste Moment zur Zerstörung unbenutzt vorüber gehen, da die
Soldaten, wenn nicht gleich beim Einschlagen die Explosion erfolgt,
sich durch Niederwerfen gegen die Wirkung der Sprengstücke sichern
können.
Es leuchtet ein, daß die Wirkungen der preußischen Artillerie
unter diesen Umständen der französischen weit überlegen sein mußten.
Dazu kam aber noch, daß die preußischen Artillerie= und Ingenieur-