Full text : Kriegführung und Politik.

318  IX.  Der  Ausgang.

genossen  vorschlagen,  in  Waffenstillstandsverhandlungen  ein—
zutreten.  Der  Waffenstillstand  müsse  aber  Deutschland  militärisch
so  wehrlos  machen,  daß  es  die  Waffen  nicht  mehr  aufnehmen  könne.
über  einen  Frieden  würde  er  mit  Deutschland  nur  verhandeln,  wenn
dieses  sich  den  Forderungen  der  Verbündeten  in  Bezug  auf  seine
innere  Gestaltung  völlig  füge;  andernfalls  gebe  es  nur  die  bedingungslose
  Unterwerfung.

„Die  Antwort  Wilsons  fordert  die  militärische  Kapitulation.  Sie
ist  deshalb  für  uns  Soldaten  unannehmbar.  Sie  ist  der  Beweis,
daß  der  Vernichtungswille  unserer  Feinde,  der  1914  den  Krieg  entfesselte,
  unvermindert  fortbesteht.  Sie  ist  ferner  der  Beweis,  daß
unsere  Feinde  das  Wort  „Rechtsfriedene  nur  im  Munde  führen,
um  uns  zu  täuschen  und  unsere  Widerstandskraft  zu  brechen.
Wilsons  Antwort  kann  daher  für  uns  Soldaten  nur  die  Aufforderung
  sein,  den  Widerstand  mit  äußersten  Kräften  fortzusetzen.
Wenn  die  Feinde  erkennen  werden,  daß  die  deutsche  Front  mit
allen  Opfern  nicht  zu  durchbrechen  ist,  werden  sie  zu  einem  Frieden
bereit  sein,  der  Deutschlands  Zukunft  gerade  für  die  breiten  Schichten
des  Volkes  sichert").“

Am  25.  Oktober  drängte  die  O.  H.  L.  in  Berlin  im  Sinne  dieser
Drahtung  die  Politik  zur  Tat.  Die  Regierung  war  aber  zu  nichts
mehr  zu  bewegen,  sondern  betrieb  meine  sofortige  Entlassung,  da
einzelne  ihrer  Mitglieder  von  mir  wohl  Widerstand  gegen  ihre
weiteren  innerpolitischen  Absichten  befürchteten.  Sie  schwächte
damit  die  Kriegführung  und  stärkte  den  Willen  des  Feindes.

Als  die  Reichstagsmehrheit  ihr  innerpolitisches  Ziel  erreicht,
den  Kaiser  und  die  Bundesfürsten  tatsächlich  aller  Macht  beraubt
und  die  eigene  gefestigt  hatte,  vollzog  die  Regierung  in  der
vierten  Note  an  Wilson  die  politische  Kapitulation  vor  dem  Feinde.
Sie  nannte,  das  deutsche  Volk  täuschend,  im  Knechtssinn  den  zu  erwartenden
  Vernichtungsfrieden  speichelleckerisch  einen  Frieden  der
„Gerechtigkeit“!

*)  Als  die  O.  H.  L.  erkannte,  daß  die  Auffassung  des  Reichskanzlers  über
die  Lage  tatsächlich  ganz  anders  war,  zog  sie  die  Drahtung  wieder  ein.  Da,  wo
sie  die  Truppe  erreicht  hatte,  löste  sie  Jubel  aus.