Metadata : Kapitulationen der Türkei, deren Aufhebung und die neuen deutsch-türkischen Rechtsverträge.

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derblichen  Tat  alsbald  das  furchtbare  Gemetzel  im  Libanongebiete
  (1860)  folgte,  das  alle  türkischen  Hoifnuugen
auf  eine  Befreiung  von  den  Kapitulationen  nıit  einem
Schlage  zunichte  machen  musste.1)  Das  Vorgehen  der
dortigen  Behörden  war  hauptsächlich  auf  die  Machtlosigkeit
  der  in  Konstantinopel  befindlichen  Regierung  zurückzuführen,
  die  zwar  vom  besten  Willen  beseelt  war,  aber
ihren  Befehlen  nicht  den  genügenden  Nachdruck  verleihen
konnte.?2)  Diese  Tat  hatte  zur  Folge,  dass  ein  französisches
  Expeditionskorps  die  Ruhe  wieder  herstellen
musste  und  der  gesamte  Libanon  unter  die  Stattlialterschaft
  eines  christlichen  Veziers  gestellt  wurde.  ?)  Das
Unglück  der  Türkei  all  die  Jahrhunderte  hindurch  war
eben  die  ausgesprochene  Frenidenfeindlichkeit  der  einheimischen
  Bevölkerung,  die  ohne  politischen  Sin  alles
von  der  Regierung  mühsam  Errungene  wieder  zunichte
machte.  Ersi  von  Saloniki  aus  erhob  sich  allmählich  die
jungtürkische  Bewegung,  die,  an  europäische  Verhältnisse
gewöhnt,  deren  Vorteile  sich  zu  eigen  gemacht  natte,  und
nunmehr  sirebte,  sie  auch  ihrem  Vaterlande  zukommen
zu  lassen.  Mit  der  fortschreitenden  Aufklärung  der  mohammedanischen
  Bevölkerung  ist  auch  der  Hass  gegen
die  Ungläubigen  sehr  zurückgegangen,  ja  in  Europa
näher  liegenden  Gebieten  fast  gänzlich  verschwundeıı.

Wenn  noch  Guizot  sagte,  dass  „es  für  die  muselmanrische
  Welt  nichts  zu  hoffen  gebe,  weder  für  ihre
eigene  Reform,  noch  für  die  Christen,  die  das  Unglück
der  Ereignisse  unter  ihre  Gesetze  gestellt  hat‘,  !)  so
hat  sich  dieser  schon  daınals  überaus  pessimistische
Standpunkt  leute  allgemein  zu  Gunsten  der  Türkei  verändert.
  Durch  die  straffe  Organisation  der  Jungtürken
wurden  alle  Verwaltungszweige  aufs  neue  geregelt  und
insbesondere  darauf  Rücksicht  genommen,  ohne  Schonung
  der  Staatsmittel,  statt  des  bisher  ziemlich  ungebildeten
  Richterpersonals,  tüchtige  und  geschulte  Leute
für  diese  wichtigen  Stellen  neranzuzienen,  so  dass
Deutschland  ohne  weitere  Bedenken  seine  in  der  Türkei
lebenden  Untertanen  auch  der  türkischen  Justiz  unterstellte.


ti)  Vergl.  Engelhardt  histoire  des  reformes  ......  Paris
2  83.

2)  „1867  schrieb  der  der  Pforte  durchaus  wohlgesinnte  franz.
Minister  Marquis  de  Moustier,  dass  die  Ausführung  des  Hat  -  depuis
onze  ans  &choue&  devant  l’inertie  du  gouvernement  turc  (s.  Holtzendorff
  S  163  im  Handbuch  des  V.  R.,  Bd.  4  Hamburg  1888.)“

3)  Diese  Autonomie  wurde  durch  die  türkische  Kundgebung
vom  14.  November  1916  einseitig  aufgehoben.

4)  Siehe  Rausaus  Bd.  1,  S.  122.