726 Schwaben u. Neuburg.
Klimatologie von Schwaben und Neuburg.
Von W. C. Wittwer.
Erstes Kapitel.
Wärme und Winde.
Der Kreis Schwaben und Neuburg, geographisch eine westliche Fortsetzung
von Oberbayern, ist dieses zum größten Theile auch in physicalischer
Beziehung. Fast ganz Schwaben zeigt uns ein nördlich von den Alpen sich
hinziehendes Flachland, das jedoch im Allgemeinen Oberbayern an Meereshöhe
überragt, und nur die Südwestdecke dacht nach eben dieser Richtung
gegen das Becken des Bodensees ab, während der nördlich der Donau gelegene
Theil zu dem Gebiete eines nicht sehr beträchtlichen jurassischen Höhenzuges
gehört. Wir haben daher ein Klima zu erwarten, das von dem Oberbayerns
nur sehr wenig verschieden ist, so daß die Hauptmodification sich fast
ganz auf die durch die größere Meereshöhe bedingte etwas geringere Temperatur
Südschwabens beschränkt. Abweichender gestaltet sich wohl das Klima
des südwestlichen Theiles; aber Mangel an Becbachtungen bindert eine genauere
Feststellung des Unterschiedes. Die im Norden der Donau gelegenen
Berge sind zu unbedeutend, als daß sie einen großen in einiger Entfernung
noch deutlich wahrnehmbaren Einfluß auf das Klima ausüben könnten.
Die Abhängigkeit des südschwäbischen Klimas von den Alpen ergiebt sich
deutlich aus dem Einfluße, den letztere auf die Windverhältnisse von Kempten
ausüben, wie dieses nachstehende Tafel 1 zeigt, welche die daselbst während
eines Zeitraums von 7¾ Jahren beobachteten Winde angiebt. ) Denkt man
sich nämlich durch den Beobachtungsort eine Linie von Ost nach West gezogen
und vergleicht man die Zahl der Winde, welche diese Linie in der einen Richtung
überschreiten, mit denen, welche es in der andern thun, so ergibt sich,
Tabelle I.
1 " Zahl der beobachteten Winde.
Tageszeit.
Nördl. W.
N. NO. O. O. S. W—. W.NW. Södl
Morgens 6 ubr 104 592 55 88287| 90712 4 0.49
Mittags 12 „ 162 9000662622 548 266 178287 1.09
1) Beobachtungen des Herrn Hofapotheker Fuchs. Handschr. Mitthlg.