Inhaltsverzeichnis : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

10  Erstes  Buch.  Der  Freiheitskampf  und  seine  Enttäuschungen.

um  so  schwerer,  als  ihm  der  ideale  Freiheitssinn  abging,  der
einen  Scharnhorst  und  Gneisenau  in  ähnlicher  Lage  beschwingt
haben  würde.  Soust  hätte  er  längst  gehandelt,  und  dann  wäre
auch  Macdonald  verloren,  Napoleon  nördlich  des  Main  ohne
Feldarmee  gewesen  und  die  Kampflust  von  Heer  und  Volk  zu
enthusiastischer  Bethätigung  entfesselt  worden.  Daß  er  dazu
nicht  sähig  war,  drohte  sein  und  Preußens  Verhängnis  zu
werden.  Eine  That  von  höchster  politischer  und  nationaler
Bedeutung  ließ  sich  nicht  in  die  militärische  Schablone  zwängen.
Höchstens  bot  diese  dem  Kleinmut  an  leitender  Stelle  die
Handhabe,  um  den  Willen  der  Nation  auch  diesmal  aufzuhalten.


Am  Abend  des  29.  Dezember  erschien  Clausewitz  nochmals
bei  York.  Er  zeigte  ihm,  daß,  selbst  wenn  er  sich  durchschlug,
nach  Wittgensteins  Dispositionen  Macdonald  nicht  entkommen
könne,  und  legte  ihm  einen  aufgefangenen  Brief  des  Marschalls
vor,  nach  dem  dieser  durch  seine  und  anderer  Offiziere  Beseitigung
  den  Geist  des  preußischen  Corps  zu  bessern  hoffte.
Das  entschied.  In  kurzen  kernigen  Worten  teilte  York  seinen
Offizieren  mit,  was  er  vorhatte.  Jubelnde  Zustimmung  antwortete
  ihm.  So  schloß  er  am  Morgen  des  30.  in  der  Mühle
zu  Poscherun  mit  Diebitsch  die  Konvention,  nach  der  sein  Corps
bis  zur  Entscheidung  des  Königs  sich  zwischen  Memel,  Tilsit
und  dem  Haff  neutral  halten  sollte,  um,  blieb  Preußen  bei
Frankreich,  bis  zum  1.  März  nicht  gegen  Rußland  zu  fechten.
Sie  galt  auch  für  die  bei  Macdonald  befindlichen  Truppen
des  Generals  v.  Massenbach.  Auf  die  Kunde  davon  kehrten
diese  am  31.  von  Tilsit  zu  York  zurück.  Dem  Marschall  teilten
beide  Generale  ihren  Entschluß  brieflich  mit.  Ungekränkt  entließ
  dieser  die  als  Stabswache  bei  ihm  befindlichen  preußischen
Reiter,  froh,  dank  dem  Zögern  Yorks,  mit  den  übrigen  Truppen
schnell  aufbrechend  zu  entkommen.  Noch  am  30.  meldete
Vork  das  Geschehene  dem  König,  bereit,  jede  Folge  zu  tragen,
in  der  frohen  Gewißheit,  als  treuer  Unterthan  und  wahrer
Preuße  gehandelt  zu  haben.  In  einem  zweiten  Schreiben
(Z.  Januar)  beschwor  er  ihn  im  Namen  der  Nation,  schnell  zu
handeln:  leite  doch  augenscheinlich  die  Vorsehung  selbst  das