Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

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Karls  IV.  immer  geltender  wurden,  selbst  auch  am  kaiserlichen
  Hofe  in  Gang  komme.  Der  weltliche  Kurfürst  konnte
sich  nicht  mehr  einzig  auf  seine  Ritter  und  ihre  Kunde  des
alten  Herkommens  verlassen,  seitdem  das  ganze  Wahl-Ceremoniel
  und  die  mannichfachen  Rechte  bei  demselben  durch
ein  lateinisches  Gesetz  bestimmt  wurden,  dessen  wesentliche
  Verfügungen  voll  rômischer  Rechtsbegriffe  waren.  Unterscheidungen
  und  rechthaberische  Kunsigriffe,  von  welchen
der  Fürst  weder  bei  seinem  Vater  noch  Großoater  gehört
hatte,  siegten  oft  selbst  im  Streite  am  kaiserliche  Hofe.  Es
war  offenbar,  der  deutsche  Fuͤrst  mußte  auch  einen  von  denen
in  seinen  Diensten  haben,  die  sich  auf  das  neue  lateinische
Ding  verstanden.  Er  gab  einem  solchen  Manne  jährlich  fünfzig
  Gulden,  und  so  mußre  dieser  versprechen,  dem  Fürsten
zu  rathen,  wenn  Nothdurft  es  fordere.  Ein  solcher  Mann
wurde  je  länger  je  unentbehrlicher.  Oft  hatte  der  Fuͤrst  in
alten  Zeiten,  weun  er  etwa  gerade  Geld  noͤthig  hatte,  den
Bürgern  in  den  Städten  seines  Landes  Privilegien  ertheilt,
die  sie  nun  gegen  ihn  gebrauchen  wollten,  um  sich  ganz  seiner,
Oberherrschaft  zu  entziehen.  Der  alte  Ritter,  bloß  gewohnt,
darein  zu  schlagen,  wußte  hier  nicht  zu  rathen.  Der  Rath
des  Hauspfaffen,  den  man  sonst  immer  in  solchen  Fällen
wie  ein  Orakel  befragt,  wollte  auch  nicht  mehr  hinreichen;
es  mußte  ein  in  den  kaiserlichen  Rechten  erfahrener  Mann
zu  Rathe  gezogen  werden.  Je  mehr  aber,  da  einmal  das
Rechtsstudium  zur  Wissenschaft  geworden  war,  der  Sauerteig
des  römischen  Rechts  Alles  mehr  oder  minder  verderbte,  je
mehr  sich  dadurch  die  Regierungsgeschäfte  vermehrten,  desto
mehr  Schreiber  waren  am  Hofe  nöthig.  Wo  vorher  Einer
allein  Alles  hatte  verrichten  können,  da  waren  jetzt  Kanzler,
  Notarien  und  Schreibersknechte  nöthig.  In
eben  dem  Verhältnisse,  wie  sich  in  diesen  Beziehungen  Alles