Full text : Der König Friedrich II. von Preussen und die deutsche Nation.

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und  bringt  es  auf  eine  Länge  von  vierzehn  Seiten.  Die  Mutter
ist  eine  der  edlen  Frauen,  mit  denen  der  Himmel  so  selten  die
Throne  der  Erde  schmückt,  Freundin  von  Leibniz,  ihr  Geist  dem
des  Philosophen  ebenbürtig.  Der  Sohn  Friedrich  Wilhelm  ist  ein
abgesagter  Feind  aller  Pracht,  alles  Aufwandes  für  Ceremoniell,
und  eben  derselbe  Friedrich  Wilhelm  setzt  seinen  Hofnarren  Gundling
  als  Nachfolger  von  Leibniz  auf  den  Präsidentenstuhl  der  Aka--demie.
  Der  Vater  Friedrich  sinnt  in  unnahbarer  Entfernung  von
seinem  Volke  auf  neue  Feste,  neue  Gelegenheiten,  um  mit  Krone
und  Scepter  zugleich  die  hohe  Würde  des  Königthumes  und  sein
erstaunliches  Talent  zu  offenbaren.  Der  Sohn  Friedrich  Wilhelm
ist  praktisch  und  nur  praktisch.  Man  sieht  ihn  oft  allein  einherwandern.
  Auch  er  führt  in  der  Hand  seinen  Scepter,  von  Weißdorn
  oder  ähnlichem  gutem  Holze,  und  die  Gegenstände  des  allerhöchsten
  Misfallens  wußten  zu  berichten,  daß  der  König  nicht  mit
leichter  Hand  seinen  Seepter  schwinge.

Die  Regierung  Friedrich  Wilhelms  begann  in  vollem  Maße
charakteristisch.  Als  sein  Vater  in  den  letzten  Zügen  lag,  vermochte
der  Prinz  kaum  sich  hindurch  zu  drängen  durch  die  dichten  Schaaren
der  Hofleute,  die  mit  Angst  und  Bangen  in  den  Vorzimmern
ihres  Geschickes  harrten.  Friedrich  I.  schloß  die  Augen.  Seine
Söhne  huldigen  sofort  dem  ältesten  unter  ihnen.  Einige  Augenblicke
  weiht  der  neue  König  der  Trauer  über  den  Vater.  Dann
ändert  sich  die  Scene.  Auf  seinen  Befehl  tritt  der  Oberhofmarschall
  herein  mit  der  Liste  des  königlichen  Hofstaates.  Friedrich
Wilhelm  I.  überschaut  das  Papier  mit  flüchtigem  Blicke.  Dann
ergreift  er  eine  Feder,  tunkt  sie  ein  und  zieht  vor  den  Augen  des
entsetzten  Oberhofmarschalles  einen  langen  schwarzen  Strich  von
oben  bis  unten.  Der  Mann  war  auf  vieles  gefaßt  gewesen,  doch
nicht  auf  solchen  Schlag.  Er  tritt  zurück  in  den  Vorsaal,  wo  die
Blicke  Aller  auf  ihn  sich  heften,  um  Leben  oder  Tod  aus  seinem
Munde  zu  empfangen.  Der  schreckensbleiche  Mund  ist  sprachlos,