18
und bringt es auf eine Länge von vierzehn Seiten. Die Mutter
ist eine der edlen Frauen, mit denen der Himmel so selten die
Throne der Erde schmückt, Freundin von Leibniz, ihr Geist dem
des Philosophen ebenbürtig. Der Sohn Friedrich Wilhelm ist ein
abgesagter Feind aller Pracht, alles Aufwandes für Ceremoniell,
und eben derselbe Friedrich Wilhelm setzt seinen Hofnarren Gundling
als Nachfolger von Leibniz auf den Präsidentenstuhl der Aka--demie.
Der Vater Friedrich sinnt in unnahbarer Entfernung von
seinem Volke auf neue Feste, neue Gelegenheiten, um mit Krone
und Scepter zugleich die hohe Würde des Königthumes und sein
erstaunliches Talent zu offenbaren. Der Sohn Friedrich Wilhelm
ist praktisch und nur praktisch. Man sieht ihn oft allein einherwandern.
Auch er führt in der Hand seinen Scepter, von Weißdorn
oder ähnlichem gutem Holze, und die Gegenstände des allerhöchsten
Misfallens wußten zu berichten, daß der König nicht mit
leichter Hand seinen Seepter schwinge.
Die Regierung Friedrich Wilhelms begann in vollem Maße
charakteristisch. Als sein Vater in den letzten Zügen lag, vermochte
der Prinz kaum sich hindurch zu drängen durch die dichten Schaaren
der Hofleute, die mit Angst und Bangen in den Vorzimmern
ihres Geschickes harrten. Friedrich I. schloß die Augen. Seine
Söhne huldigen sofort dem ältesten unter ihnen. Einige Augenblicke
weiht der neue König der Trauer über den Vater. Dann
ändert sich die Scene. Auf seinen Befehl tritt der Oberhofmarschall
herein mit der Liste des königlichen Hofstaates. Friedrich
Wilhelm I. überschaut das Papier mit flüchtigem Blicke. Dann
ergreift er eine Feder, tunkt sie ein und zieht vor den Augen des
entsetzten Oberhofmarschalles einen langen schwarzen Strich von
oben bis unten. Der Mann war auf vieles gefaßt gewesen, doch
nicht auf solchen Schlag. Er tritt zurück in den Vorsaal, wo die
Blicke Aller auf ihn sich heften, um Leben oder Tod aus seinem
Munde zu empfangen. Der schreckensbleiche Mund ist sprachlos,