Zweiter Abschuitt.
Von der regelmäßigen Geburt und dem Verhalten
der Hebamme dabei.
Erstes Kapitel.
Von der Geburt in Alsemeinen.
8. 70.
Die Geburt ist der Vorgang bei einer Schwangeren, durch den
die Frucht mit ihren Hüllen vermittelst der dazu bestimmten Naturkräfte
aus dem Mutterleibe ausgetrieben wird. Die austreibenden
Kräfte sind die Zusammenziehungen der Gebärmutter, welche
gegen das Ende der Geburt durch die sogenannte Bauchpresse unterstützt
werden. Durch sie wird der Widerstand überwunden, den
die Enge der Geburtswege dem Durchgange des Eies entgegensexzt,
zuerst den Widerstand des Mutterhalses, dann der Mutterscheide
und vor Allem des Beckens und endlich der äußeren Geburtstheile,
der Schamspalte und des Dammes. Aber nur ausnahmsweise,
bei sehr verfrühetem Eintritte der Geburt, geht das unverletzte
Ei als Ganzes ab; in der Regel wird nach der Zerreißung
der Eihäute zuerst die Frucht und darauf die Nachgeburt
ausgestoßen.
Wenn die Geburt allein durch die eigenen Kräfte der Gebärenden
beendigt wird, so nennt man sie eine natürliche Geburt; ist
zur Beendigung derselben aber Kunsthülfe erforderlich, so heißt sie
eine künstliche Geburt oder eine Entbindung.
Man kann die Geburten aus verschiedenen Rücksichten sehr verschieden
eintheilen, doch genügt es für die Hebamme, sich die folgenden
Eintheilungen einzuprägen.