Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

822  Die  Akademiker  im  Zeitalter  Friepricn  Wır.nernm’s  111.

det;  aber  in  den  Monatsberichten  finden  sich  dann  noch  dreizehn
Beiträge  von  ihm;  der  letzte  ist  aus  dem  Jahre  1852:  »Über  die
Juraformation  auf  der  Erdoberfläche«  (S.  663).  Den  Wanderstab
hat  er  erst  mit  dem  Tode  niedergelegt.  Die  wissenschaftlichen  Reisen
machte  er  in  der  Regel  als  »wandernder  Einsiedler«  ;  aber  die  Fachgenossen
  und  die  Naturforscher-Versammlungen  suchte  er  gern  auf.

Bucn  war  auch  ein  Meister  der  Darstellung;  »scein  Deutsch,  schön
und  anschaulich,  hörten  wir  selbst  von  kritischen  Kennern,  wie  LaAc#-MANN,
  bewundern”«.  Aber  wahrhaft  ehrwürdig  geworden  ist  er  Allen,
die  ilın  kannten,  durch  die  Hoheit  seines  Sinns,  die  Strenge  seines
Charakters,  die  edle  Aufgeschlossenheit  seines  Wesens  und  durelı
sein  lebendiges  preussisches  Vaterlandsgefühl.  Die  Akademie  gab
bei  seinem  Tode  der  Empfindung  Ausdruck,  dass  nicht  nur  die  Wissenschaft
  einen  unersetzlichen  Verlust  erlitten,  sondern  dass  sie  einen
Collegen  verloren  habe,  zu  dem  sie  aufschaute  als  »zu  dem  schaffenden
  und  ordnenden  Geiste«  in  ihrer  Mitte  und  zu  einem  leuchtenden
Vorbilde®.  Am  trefflichsten  aber  hat  von  Drcnen  der  Nachwelt  das
geistige  Bild  dieses  Mannes  überliefert’;  seine  Worte  mögen  hier
eine  Stelle  finden:

»Auf  fortgesetzten  Reisen  während  des  grössten  Theils  des  Jahres
stand  Bucn  mit  den  ausgezeichnetsten  Gelehrten  in  ganz  Europa  in  dem
lebendigsten  persönlichen  Verkehr;  er  kannte  ihre  Ansichten,  er  wusste
von  ihren  Arbeiten;  in  allen  Sammlungen  von  Edinburg  bis  Neapel  hatte
er  Beobachtungen  angestellt.  Überall  war  er  zu  Hause,  die  kleinsten  Umstände
  waren  ihm  gegenwärtig.  Das  aussergewöhnlichste  Gedächtniss  unterstützte
  er  noch  durch  eisernen  Fleiss.  Sein  Tagebuch  war  eine  unversiegbare
Quelle  von  Aufzeichnungen  der  seltensten  Art.  So  war  er  überall,  wo  er
hinkam,  ein  wahres  Orakel  für  die  begierigen  Jünger  der  Wissenschaft;
wer  ihın  nahte,  musste  lernen.  Überall  spendete  er  sein  Wissen  und  verbreitete
  die  Kenntnisse,  welche  sich  auch  jetzt  noch  so  oft  dem  gewöhnlichen
  Bücherverkehr  entziehen.  Überall,  wo  er  wahre  Liebe  zur  Wissenschaft
  fand,  die  sein  Heiligthum  war,  konnte  Niemand  heiterer,  mittheilender,
belehrender  sein  als  er.  Sein  reicher  Geist  entwickelte  die  Ansichten  in

!  Er  hat  diese  umfangreiche  Abhandlung  mit  den  Worten  geschlossen  (S.  680):
rEs  bedarf  die  Kenntniss  des  Daseins  und  der  Ausdehnung  jurassischer  Bildungen
in  Süd-Aınerika  noch  überzeugenderer  und  schärferer  Beweise.  Bis  solche  Beweise
geliefert  sind,  wird  es  immer  erlaubt  sein,  den  Mangel  der  Juraformation
in  Amerika  als  Thatsache  anzusehen,  ja  sogar  der  ganzen  Hälfte
der  Erdoberfläche  südlich  des  Aequators  diese  Formation  abzusprechen.
  Das  feste  Land  hat  sie  uns  bisher  in  der  südlichen  Ilalbkugel  nirgends
gezeigt.  Was  aber  in  der  See  liegen  mag,  bleibt  uns  bis  zu  zukünftigen  Erdrevo-Intionen
  verborgen«.

?  TRENDELENRURG,  Abhandlungen  1861  $.  10.

®°  Encke.  Monatsberichte  1853  8.  174  fl.

 A.a.0.