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ihnen abgefordert werden; die Fortschrittspartei endlich giebt das
Defizit gern zu, verkündet noch Schlimmeres für die Zukunft und
verlangt Ersparnisse im Militäretat, um dem Ruin des Landes vorzubeugen.
Die gestrige Warnung des Bundeskanzlers vor Gemütserregungen
und Willensbeeinflussungen durch rhetorische Mittel hat
nicht gehindert, daß heute noch eine stattliche Reihe von Rednern sich
einfand, um es mit den Waffen zu versuchen, welche ja in einem Parlament
die einzigen sind, die den Kämpfern zu Gebote stehen. Die
Macht der Beredsamkeit, die der Kanzler gestern ironisch gefeiert,
wurde auch heute wieder in seinem Munde zu einem Spieße, den er
den triumphierenden Rednern entgegenstreckte. Er nannte Herrn von
Bennigsen einen „beredten“ Mann, und als Löwe seine glänzende
Beredsamkeit entwickelte, fand er darin eine Bestätigung der in der
gestrigen Sitzung von ihm gemachten Bemerkungen über den Wert
oratorischer Leistungen. Er wurde aber noch beißender. Er sprach
von den Gänsen des Kapitols, welche Rom gerettet und bezweifelte,
daß vor gleicher Beredsamkeit die Franzosen an der Grenze des
Bundes Halt machen würden. Uebrigens fiel diese Aeußerung in
dasjenige Stadium der Debatte, wo die üble Laune des Kanzlers bereits
verflogen war. Diese hatte nur so lange angehalten, als der
eigentliche Kampf dauerte. Als Besiegter die Waffen streckend, d. h.
die Unmöglichkeit einsehend, gegen die Uebermacht des Hauses sich eine
haltbare Position zu schaffen, machte Graf Bismarck wieder gute
Miene, und das Haus, das sich dem pikierten Kanzler gegenüber
auch gerade nicht behaglich gefühlt zu haben schien, stimmte gern in
den friedlichen Ton ein. „Gott sei Dank, er wird witzig!“ Diese angenehme
Beobachtung drückte sich in der anhaltenden Heiterkeit des
Reichstages gegen den Schluß der Debatte deutlich genug aus. Zwei
Konservative (von dem Herrn v. d. Heydt abgesehen) bestiegen heute
die Trübine, die Grafen v. Kleist und von Schulenburg-Beetzendorf.
Sie verfochten die sämtlichen Steuervorlagen, schwiegen aber über die
Branntweinsteuer. Die nationalliberale Partei und die Fortschrittspartei
schickten ebenfalls je zwei Vertreter in die Schranken, jene die
Herren von Bennigsen und Migquel, diese die Herren Becker (Dortmund)
und Löwe. So groß auch der gestrige Tag durch die nicht
bloß wuchtigen, sondern auch geschickten Schläge dastand, welche die
Gegner der Steuerbatterie führten, so wurde er doch von dem heutigen
Tag fast noch überboten, und Graf Bismarck hatte wohl Ursache, auf
sein Thema von der Macht rhetorischer Mittel zurückzukommen.
Außer den Preußen sprach am heutigen Schlachttage auch ein Sachse.