Metadata : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1857. (34)

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ihnen  abgefordert  werden;  die  Fortschrittspartei  endlich  giebt  das
Defizit  gern  zu,  verkündet  noch  Schlimmeres  für  die  Zukunft  und
verlangt  Ersparnisse  im  Militäretat,  um  dem  Ruin  des  Landes  vorzubeugen.
  Die  gestrige  Warnung  des  Bundeskanzlers  vor  Gemütserregungen
  und  Willensbeeinflussungen  durch  rhetorische  Mittel  hat
nicht  gehindert,  daß  heute  noch  eine  stattliche  Reihe  von  Rednern  sich
einfand,  um  es  mit  den  Waffen  zu  versuchen,  welche  ja  in  einem  Parlament
  die  einzigen  sind,  die  den  Kämpfern  zu  Gebote  stehen.  Die
Macht  der  Beredsamkeit,  die  der  Kanzler  gestern  ironisch  gefeiert,
wurde  auch  heute  wieder  in  seinem  Munde  zu  einem  Spieße,  den  er
den  triumphierenden  Rednern  entgegenstreckte.  Er  nannte  Herrn  von
Bennigsen  einen  „beredten“  Mann,  und  als  Löwe  seine  glänzende
Beredsamkeit  entwickelte,  fand  er  darin  eine  Bestätigung  der  in  der
gestrigen  Sitzung  von  ihm  gemachten  Bemerkungen  über  den  Wert
oratorischer  Leistungen.  Er  wurde  aber  noch  beißender.  Er  sprach
von  den  Gänsen  des  Kapitols,  welche  Rom  gerettet  und  bezweifelte,
daß  vor  gleicher  Beredsamkeit  die  Franzosen  an  der  Grenze  des
Bundes  Halt  machen  würden.  Uebrigens  fiel  diese  Aeußerung  in
dasjenige  Stadium  der  Debatte,  wo  die  üble  Laune  des  Kanzlers  bereits
  verflogen  war.  Diese  hatte  nur  so  lange  angehalten,  als  der
eigentliche  Kampf  dauerte.  Als  Besiegter  die  Waffen  streckend,  d.  h.
die  Unmöglichkeit  einsehend,  gegen  die  Uebermacht  des  Hauses  sich  eine
haltbare  Position  zu  schaffen,  machte  Graf  Bismarck  wieder  gute
Miene,  und  das  Haus,  das  sich  dem  pikierten  Kanzler  gegenüber
auch  gerade  nicht  behaglich  gefühlt  zu  haben  schien,  stimmte  gern  in
den  friedlichen  Ton  ein.  „Gott  sei  Dank,  er  wird  witzig!“  Diese  angenehme
  Beobachtung  drückte  sich  in  der  anhaltenden  Heiterkeit  des
Reichstages  gegen  den  Schluß  der  Debatte  deutlich  genug  aus.  Zwei
Konservative  (von  dem  Herrn  v.  d.  Heydt  abgesehen)  bestiegen  heute
die  Trübine,  die  Grafen  v.  Kleist  und  von  Schulenburg-Beetzendorf.
Sie  verfochten  die  sämtlichen  Steuervorlagen,  schwiegen  aber  über  die
Branntweinsteuer.  Die  nationalliberale  Partei  und  die  Fortschrittspartei
  schickten  ebenfalls  je  zwei  Vertreter  in  die  Schranken,  jene  die
Herren  von  Bennigsen  und  Migquel,  diese  die  Herren  Becker  (Dortmund)
  und  Löwe.  So  groß  auch  der  gestrige  Tag  durch  die  nicht
bloß  wuchtigen,  sondern  auch  geschickten  Schläge  dastand,  welche  die
Gegner  der  Steuerbatterie  führten,  so  wurde  er  doch  von  dem  heutigen
Tag  fast  noch  überboten,  und  Graf  Bismarck  hatte  wohl  Ursache,  auf
sein  Thema  von  der  Macht  rhetorischer  Mittel  zurückzukommen.
Außer  den  Preußen  sprach  am  heutigen  Schlachttage  auch  ein  Sachse.