Die Edelfrau. 217
wie es uns Meister Gottfried im Tristan gemalt hat. Bei
einer feierlichen Gelegenheit erscheint die Königin Isot im
Sale der Königsburg, das „Wunder von Irland“, die
„leuchtende Magd Isold“ an der Hand führend und in dem
gemeinsamen Auftreten von Mutter und Tochter markirt
sich zugleich der Unterschied im Gebaren der höfischen
Frau und der höfischen Jungfrau. Leise und stätig
schwebt die blonde Isold neben der Mutter einher, süß
gestaltet um und um, lang, schlank und schwank, als
„hätte die Minne sie gedreht für sich selber zu einem
Federspiel, dem Wunsche zu einem Endeziel.“ Ihr Rock
und Mantel war von braunem Sammet nach französischem
Schnitt und war der Rock da, wo die beiden Seiten zu
den Hüften niedersinken, gefranzet und geenget und mittelst
des Gürtels, der da lag, „wo er liegen soll,“ an den Leib
gezwungen. Fest lag der Rock der Gestalt an („der rok
der was ir heinlich"), stand nirgends ab und schmiegte
sich von oben bis unten glatt an die Glieder. Aber um
die Beine her erweiterte er sich zu reichem Faltenwurf.
Der Mantel war innen und außen mit Streifen von
Hermelin verziert (bi zilen gefloitiret "), weder zu kurz
noch zu lang und mit einem Zobelpelz verbrämt, dessen
Grauschwarz mit dem Hermelin sich wohl vertrug. Vor
der Brust war mittelst einer Schlinge von weißen Perlen
der Mantel an die Tassel (Heftel, Agraffe) befestigt und
hier hatte die Schöne den Daumen der linken Hand eingeschlagen.
Mit zwei Fingern der Rechten dagegen hielt
sie „nach höfischer Art“ weiter unten den Mantel zusammen,
so daß er faltenreich die Füße umwallte und