282 Friedrich Wilhelm IV. an den Reichsverweser 1848 Dezember 2.
der Fall ist) verkenne, würde mir gewiß ein dankenswerter Dienst geleistet worden
sein, wenn die Nichtvolkstümlichkeit meines Ministeriums eine Wahrheit wäre.
Sie ist aber die Erfindung derselben Partei des Umsturzes, welche die Straßen
von Frankfurt, Wien, Berlin, Erfurk, das südliche Baden und so viele andere
Orte des unglücklichen, gemeinschaftlichen Vaterlandes mit Blut gefärbt hat. Es
gibt in meinen Landen, wie überall, wo der gesunde Sinn und die uralte Treue des
Teutschen Volkes, wie bei uns, noch mächtig sind, nichts Volkskümlicheres, als
das Volk von dem Alp der Anarchie, der Gesetzesverachtung, der Gottlosigkeit und
Zügellosigkeit, von der Herrschaft blutdürstiger Rotten zu befreien, und die von Gott
eingesetzte Obrigkeit aus ihrer siebenmonatlichen Machtlosigkeit wieder in ihr
segensreiches Walten einzusetzen. Sobald meine Völker diese Absicht in meinem
Ministerium, und meine eigene Unerschütterlichkeit im Beharren auf dem betretenen
Wege der mutigen Erfüllung meiner heiligen Regentenpflichten erkannt haben,
ist die Stimmung fast an allen Orten meiner Monarchie umgeschlagen, und ich
glaube E. K. H. versichern zu können, (und zwar im Gefühle der strengsten Wahrheit)
daß mein Ministerium binnem kurzem keinen treueren Bundesgenossen seines
Strebens haben wird, als mein Volk.
Die Hauptaufgabe dieses Ministeriums ist zunächst und vor allem die: in meinen
Landen die sertretene Ordnung, die Herrschaft des Gesetzes und das Gefühl des
königl. Daseins und Waltens wiederherzustellen. Ich schmeichle mich des Beifalls
E. K. H., wenn ich meinen festen Entschluß ausspreche, mein Ministerium bei diesem
glücklich und erfolgreich begonnenen und segensreich fortschreitenden Wirken mit
aller meiner Macht unterstützen zu wollen. Ich kann bei dieser Gelegenheit ohne
von E. K. H. verkannt, ohne von Ihnen der Selbstüberhebung bezichtigt zu
werden, auf die Wichtigkeit aufmerksam machen, welche das in Ordnung und Macht
wiederhergestellte Preußen für unser teures, keutsches Vaterland und für Ihre, nie
mit genügendem Oanke anzuerkennenden Anstrengungen haben
muß. Die schwere und gefahrvolle Arbeik, die ich in Goktverkrauen getrost unternommen
habe, und für deren siegreiche Durchführung ich sogar mein Leben zu opfern
freudig bereit bin, ist sowohl für mein liebes, herrliches Preußen, als für das ganze
teutsche Vakerland unternommen. Und das wiederhergestellte Preußen wird sich,
mit dem ihm eigentümlichen Mute und mit der alten Energie seiner Treue dem
Dienste Deutschlands weihen, wenn Deutschland seiner begehrt.:
27. Preußisches Memorandum für Österreich.
Kopie. Ben. Frledjung, Österreich 1848—60, S. 173.
[1848, Dezember 8. od. J.1
Die Beratungen der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt a. M. find
schon so weit gediehen und schreiten jetzt so rasch fort, daß ein baldiges Justandekommen
eines Verfassungsentwurfes in Aussicht steht. Jugleich läßt sich aber
auch voraussehen, daß derselbe in der Gestalk, welche die Versammlung ihm geben
wird, große Schwierigkeiten für die Regierungen und Einzelstaaten in sich trazen
werde. Es ist daher notwendig, sich zu fragen, was geschehen müsse, und welche
Stellung man der Versammlung in Frankfurt und dem Resultat ihrer Beratungen
gegenüber einnehmen wolle? Und es ist wünschenswert, daß die Regierungen
sich über ein einiges und womöglich gemeinschafkliches Handeln verständigen.
Der preußischen Reglerung sind schon mehrfach, und noch ganz kürglich von
anderen deutschen Staaten vertrauliche Eröffnungen und Vorschläge über diesen
d. Über die Mitwirkung Leopold v. Gerlachs bei der Abfassung dieses Schreibens s. dessen
enkw. 1, 254.
Dleses Memorandum wurde dem Priuzen Karl und dem Grafen Brühl mitgegeben,
alo sle zur Beglückwünschung des neuen Kaisers nach Wien gingen.