Metadata : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

75  Haus.

vom  Sarge:  ruhig  schläst  sichs  in  dem  engen  haus
Schiller  Elegie  auf  d.  Tod  eines  Jünglings  50;  Tierwohnung:
  caninichen  ein  schwach  volk,  dennoch  legts
sein  haus  in  den  felsen  Spr.  Sal.  30,  26;  der  vogel
hat  ein  haus  funden  Ps.  84,  4;  hundehaus,  Hundehütte,
  huhner  -,  taubenhaus;  haus  der  Schnecke;  am
Kernobst  der  Samenbehälter;  —  vom  Leibe  des  Menschen:
  so  unser  irdisch  haus  dieser  hütten  2erbrochen
wird  2.  Cor.  5,  1;  studentisch  für  den  Menschen  selbst:
altes  haus,  bist  ein  braves  haus,  u.  ä.  3)  haus,  ohne
Hervorhebung  des  ganzen  Gebäudes,  nur  in  der  Bed.
Wohnung,  Heimstätte,  die  in  einem  Hause  für  Jemand
vorhanden  ist:  der  kranke  musz  das  haus  hüten;  ich
ward-.  in  ein  gewisses  haus  gebeten,  wohin  ich  nicht
gerne  gieng  Goethe  ital.  Reise  II;  von  dem  verrufenen
hause  hinweg  Keller  Werke  7,  392;  gern  in  festen
Formeln:  der  junge  X.  war  nicht  zu  hause;  man
bringe  die  königin  zu  hause  Schiller  Karl.  4,  10;
er  thut.  als  ob  er  hier  zu  hause  sei,  in  eigener  Wohnung;
übertragen:  in  einer  kunst,  wissenschaft  zu  hause  sein.
heimisch;  wenn  man  von  ihm  etwas  will,  da  ist  er  niemals
  zu  haus  (zugänglich);  dboch  ..  wo's  heiszt:  witz
heraus!  da  ist  mein  irruder  ritter  nicht  zu  haus  Tieck
Oct.  228;  bleib  mit  deiner  weisheit  zu  hause!;  —  von
hause  kommen,  von  seiner  Wohnung;  er  ist  den  ganzen
tag  bei  bause;  nach  hause  gehen,  sich  auszer  dem
bause  aufbalten,  u.  a.;  nun  ists  zeit,  nach  hause  mich
zu  tragen  Bürger  Königin  v.  Golkonde  156;  die  Verbindung
  von  hause  aus  in  älterer  Spr.  —  von  der
Wohnung,  Wohnstätte  aus:  ein  rath  und  diener  von
haus  aus  (der  nicht  beim  Fürsten  Wohnung  und  Unterhalt
  empfängt)  Haltaus;  in  neuerer  Spr.  zur  Bezeichnung
  des  Grundmäßigen,  Angeborenen  oder  Angeerbten:
  er  taugte  von  haus  aus  nichts  Goethe
Trinmph  d.  Empfindsamkeit  2;  die  entwickelung  unserer
musik  trug  von  haus  aus  einen  rein  nationalen  charakter
Treitschke  2,  55;  daher  auch  =  von  vorn  herein:
wir  sind  von  hause  aus  .,  die  ersten  gewesen,  die
bereitwillig  darauf  eingegangen  sind  Bismarck  Reden
9,  61;  ohne  dasz  man  gegen  diese  umgehung  des  erfolgten
  verbots  von  bause  aus  einschreiten  dürfte
Preußen  i.  B.  1,  131;  auszerm  hause  sein,  nicht  bei
Sinnen  oder  Uberlegung,  auch  auszerm  häuschen:  warum
bist  du  gleich  auszerm  haus,  warum  gleich  aus  dem
häuschen?  Goethe  3,  161;  da  glaube  ich  doch  zur
ehre  unseres  eigenen  blutes,  dasz  wir  durch  eine  reiche
heirat  nicht  dergestalt  aus  dem  häuschen  gericten
Keller  Werke  6,  286,  u.  a.  4)  haus  —  Haushaltung,
Heimwesen  in  wirtschaftlicher  Ordnung:  herr,  frau  des
hauses  oder  vom  hause;  gut,  schlecht  haus  halten;
ein  gutes,  groszes,  gastfreies  haus  halten,  machen,
führen;  so  dasz  sie  selbst  offenes  haus  hielten  Ranke
Päpste  1,  390;  die  frau  hat  etwas  ordentliches  ins  haus
gebracht  (zur  Aussteuer);  sein  haus  bestellen,  ordnen,
auch  für  den  Todesfall;  ins  haus  schlachten,  für  den
Bedarf  der  Wirtschaft;  fürs  haus  backen,  arbeiten;
freier:  sic  zeichnet,  singt  nur  fürs  haus,  wic  es  für  die
eigene  Haushaltung,  nicht  für  die  Offentlichkeit  genügt;
sprichwörtlich:  das  fübrt  zu  bösen  höusern,  ins  Unglück
(zunächst  ist  an  das  wirtschaftliche  gedacht);  sonst  gchts
zu  bösen  häusern  Hebel  2,  143;  wenn  es  zu  bösen
häusern  kommt  Heyse  5,  243.  5)  haus,  in  Formeln
auch  nur  —  Heimatsort,  Stätte,  Gegend  wo  das  Geburtshaus
  steht  und  man  her  ist:  er  ist  in  Schlesien.
in  Breslau  zu  hause;  aus  der  fremde  wieder  nach
hause  kommen;  er  bat  heute  nach  hause  goschrieben;
als  wir  von  haus  in  die  fremd  sein  gezogen  aus
Opel-Cohn  417,  21;  sic  mag  in  der  gogend  von
Mailand  zu  hause  sein  Goethe  W.  Meister  8,  3;  fremdlinge
  stehn  sie  da  auf  dicscm  boden.  der  dienst  allein.
ist  ihnen  haus  und  heimat  Schiller  Picc.  1,  2.  6)  haus,
übertragen  auf  die  Bewohner,  Insassen  eines  Hauses:

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es  schläst  das  ganze  haus  Goethe  Mitschuld.  1,  7;  die
zur  Haushaltung  Gehörigen,  Familie:  so  wirstu  und
dein  haus  selig  Ap.  Gesch.  16,  31;  junge  leute  von  gutem
hause  Goethe  W.  Meister  3,  11;  Geschlecht:  die  zeugete
kein  sterblich  haus  Schiller  Kraniche  des  Ibykus  104;
namentlich  fürstliches  oder  edles  Geschlecht:  als  der  krieg
zwischen  den  beiden  fürstlichen  häusern,  Cassel  und
Darmstadt,  angieng  Schuppius  253;  sie  scheinen  mir
aus  einem  edlen  haus  Goethe  Faust  1;  fräulein  von
sehr  gutem  hause  Bürger  Königin  v.  Golkonde  297;
Zuhörerschaft  cines  Theaters:  stille  wie  des  todes
schweigen  liegt  uberm  ganzen  hause  schwer  Schiller
Kraniche  des  Ibykus  141;  Gesamtheit  der  Landboten,
abgeordneten-,  herrenhaus;  das  haus  erhebt  sich  zum
andenken  an  den  verstorbenen  abgeordneten  X.:  Inhaber
  und  Personal  eines  großen  Handelsgeschäftes:
kEroszes,  reiches,  fest  gegrundetes  haus;  vertreter  eines
alten  hauses;  viele  von  den  alten  verbindungen  des
hauses  waren  abgeschnitten  Freytag  Soll  2,  363;  —
in  solchen  Fällen  mit  der  Bezeichnung  des  Vorstehers
durch  Beisetzung  des  Namens  (vgl.  oben  1):  wird  das
haus  Juda  gehen  zum  haus  Isracl  Jer.  3,  18;  besuch
machen  im  hause  N.;  namentlich  gern  bei  Handlungshäufern:
  das  haus  Rothschild,  u.  a.  7)  in  technischer
Spr.  haus,  hohler  Teil  der  Axt  zur  Aufnahme  des
Stiels;  Block  oder  Querholz,  in  dem  die  Stemmleisten
am  Rüstwagen  eingefügt  sind;  haus  des  kompasses,
Behälter  desselben  auf  Schiffen;  Gußform  der  Glocke
(Schiller  Glocke  354);  astrologisch,  mit  Beiug  auf  die
alten  Planeten:  der  himmel  wirt  von  den  alten  ausgetheilt
  in  sieben  häuser  Herr  Feldbau  9b;  des  bimmels
  häuser  forschend  zu  durchspuren  Schiller  Picc.
2,  6.  —  Zusammensetzungen:  Hausaltar,  m.  Altar  im
Hause,  Gegensatz  zu  kirchen-,  feldaltar.  —  Hausandacht,
  f.  Andacht  in  der  Familie  gehalten.  —  Hausapotheke,
  k.  Sammlung  von  Arzneimitteln  für  den
nächsten  Bedarf  im  Hause.  —  Hausarbeit,  f.  Arbeit
die  man  im  Hause  oder  der  eigenen  Wohnung  verrichtet,
  Gegensatz  zu  feld-,  fabrikarbeit;  Arbeit  für  die
Reinhaltung  und  Pflege  des  Hauses  oder  der  Wohnung:
ein  mädchen  für  kuche  und  hausarbeit  gesucht.  —
Hausarmer,  m.  der  im  Hause  unterstützt  wird.  —  Hausarrest,
  m.  Gefangenhaltung  in  der  eigenen  Wohnung.  —
Hansarzuci,  k.  Arznei,  die  im  Hause  vorrätig  oder  leicht
zu  beschaffen  ist.  —  Hausarzt,  m.  Arzt  einer  Familie.  —
hausbacken,  im  Hause  gebacken:  hausbacken  brot  am
besten  nährt  Claudins  güld.  ABC;  im  Gegensatz  zu
dem  feineren,  vom  Bäcker  gebackenen  Backwerk,  daher
häufig  übertragen  für  alltäglich,  gewöhnlich,  schwunglos:
  respectable  leute,  aber  bis  zur  verzweiflung  hausbacken
  Freytag  Soll  1,  150;  er  sprach  so  hausbacken
Benedix  Störenfried  2,  8;  hausbackene  gründe  (Bismarck
  Reden  9,  143),  vorschläge  (10,  196);  dafür:  die
hausgebacknen  lehren  seiner  weisheit  Grillparzer
8,  212.  —  Hausban,  m.  Bau  eines  Hauses.  —  Hausbedarf,
  m.  was  zur  Führung  eines  Hauswesens  bedurft
wird.  —  Hausbesitzer,  m.  Besitzer  eines  Hauses.  —
Hausbewohner,  m.  Bewohner  eines  Hanses.  —  Hausbrot,
  n.  das  für  den  gewöhnlichen  Hausbedarf  zubereitete,
minder  feine  Brot.  —  Hausluch,  n.  Buch  in  das  Einnahmen
  und  Ausgaben  eines  Hauswesens  eingetragen
werden;  Buch  zum  Hausgebrauch,  namentlich  Lesebuch.
  —  Hausbursche,  m.  junger,  bei  Jemand  zur  Miete
wohnender  Mann,  Student  oder  Schlafgänger;  junger
Diener  für  Hausarbeit.  —  Hausdieb,  m.  Dieb  der  unter
den  Gliedern  einer  Familie  befindlich  ist.  —  Hausdiencr,
  m.  Diener  der  zu  einem  Haushalte  gehört.  —
Hausdrache,  m.  spöttische  Bezeichuung  eines  zänkischen
Hausherrn  oder  einei  solchen  Hausfrau.  —  Hauschre,  .
Ansehen,  Glanz,  Ehre  eines  Hanswesens  (mhd.  hüsẽre.
Haupts  Zeitschr.  6,  397  fg.):  im  sprüchwort  sagt  man,
die  hauszehr  ligt  mehr  am  weib,  dann  am  mann

Hausaltar  —  Hausehre.