Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1918. (45)

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jenigen,  welche  sich  zu  seinen  entschlossensten  Vorkämpfern  aufgeworfen
hatten,  selbst  —  aufzulösen.  Clemens  XIV  (Ganganelli)  scheint  übrigens
die  Auffassung  derjenigen,  welche  in  dem  herrschsüchtigen  Orden  mit
seinen  mehr  als  laxen  moralischen  Grundsätzen  auch  vom  kirchlichen
Standpunkte  aus  nur  ein  —  Übel  sahen,  geteilt  zu  haben.  Er  hob
1773  den  Orden  auf,  weil  durch  ihn  der  „Friede  und  die  Ruhe  der
Christenheit“  gestört  worden  sei.  Ob  der  Edelmütige,  welcher  auch
sonst  für  einen  Papst  zu  frei  und  menschlich  dachte,  um  dieser  Tat
willen,  durch  Gift  beseitigt  worden  ist,  mag  dahingestellt  bleiben.
Daß  man  den  Jüngern  Loyolas  eine  derartige  Beseitigung  allgemein
zugetraut  hat,  steht  fest.  Nicht  nur  damals.  Auch  heute  sind  die
Kundigsten  überzeugt,  daß  sie  nach  wie  vor  —  dessen  fähig  wären.
Was  besagt  übrigens  die  physische  Vergiftung  Einzelner  in  Vergleich
zu  dem  psychischen  Gifte,  das  sie  Allen  eingeben  möchten!

Nichts  kennzeichnet  diejenigen,  deren  höchstes  Gelübde  dasjenige
des  Gehorsams  ist  und  dieses  zwar  vor  allem  gegenüber  dem  Papste,
dessen  Unfehlbarkeit  sie  von  jeher  verfochten  haben,  als  daß  sie
seiner  Entscheidung,  seinem  unzweideutigen  Befehle  zuwider  —  sich
nicht  auflösten  —  und  sich  sogar  zu  diesem  Behufe  unter  den  Schutz
ketzerischer  Mächte  stellten.  Im  protestantischen  England  und  Dänemark
  durfte  der  Orden  unbehelligt  fortbestehen.  Auch  Katharina  II.  von
Rußland,  welche  die  Jesuiten  gegen  die  römische  Hierarchie  in  Polen
gut  brauchen  zu  können  meinte,  nahm  sie  unter  ihre  Flügel.  So
bekanntlich  auch  —  Friedrich  der  Große.

Was  tun  sich  ihre  Verfechter  zurzeit  dar  ugute,  daß  Friedrich
sich  sogar  in  einem  Schreiben  an  d'Alember  t  ohne  Anerkennung
über  sie  geäußert  hat!  Wie  vernichtend  für  alle,  welche  vor  der
Jesuitengefahr  warnen!  Die  Wahrheit  ist,  daß  Friedrich  sie  in  der
Tat  als  Schullehrer  für  die  Erziehung  der  Jugend  für  brauchbar  erachtet
  hat;  jedoch  nur  in  —  Ermangelung  eines  bessern.  Und  dieses
zwar  in  jenem  Schlesien  und  Polen,  welche  er  aus  der  Hand  der
Römlinge  in  einem  in  Bezug  auf  Schulbildung  dermaßen  rückständigen
Zustande  übernommen  hatte,  daß  er  sich  nicht  anders  zu  helfen  wußte.
Namentlich  waren  sie  unter  der  römisch-katholischen  Geistlichkeit  die
einzigen,  welche  sich  mit  der  „Wissenschaft“  beschäftigten  und  als
Pädagogen  ernstlich  in  Betracht  gezogen  werden  konnten.  Wie  Friedrich
sie  sonst  einschätzte,  darüber  läßt  seine  Erwiderung  an  d'Alembert,
der  ihm  seine  Schrift  gegen  dieselben  1765,  kurz  nach  ihrer  Ausweisung
  aus  Frankreich,  übersandte,  keinen  Zweifel.  Damals  suchte
der  Papst  (Clemens  XIII.)  sie  noch  zu  halten  und  ihren  Einfluß  sogar
zu  vermehren.  Friedrich  aber  untersagte  die  Verkündigung  der  sie