60. Jahrgang
Nr. 172
ber,Noseuheimer Anzelger-Aosenh
frei ins Haus gellesert, 14 Pfg. monatlich. — Tel
dem textlich und Ulustratto
enhelmer Peuepe erscheint täglich nachmittags 4
und Feiertage). — Der Abonnementsprels beträgt vierteljährlich 1 Mark 80 Pfg., monatlich
60 Pf., sowohl für hleslge als auch für aus wärtige Abonnenten. — Postzustellgebühr,
amm--Adresse: Anzeiger Rosenheim —
Telephon-Anschlüsse: Redaltion und Verlag: Nr. 72; Inseraten-Abtellung: 235.
ausgestafteten ettlgen
reich achts
Uhr (mit Ausnahme der Sonn-
Mittwosb, 29. Juli 1914
Kosenheimer Anzeiger
Das Abonmement wird
breite Petitzelle oder deren Raum
für Rosenheim in der M. Nledermayr'schen Puchdruckeret sowle in
den sechs Fillal-Expeditionen der Stadt entgegengenommen; außerdem nehmen die in cu. 40
größeren Ortschaften der Umgebung errlchteten Acemuuren, lente au- Vostonstalten und sämtliche
Postboten die Bestellung für den „ — Dle
oder kostet 10 Pfennig, die % mm oreue Zelle im Reklameteil
30 Pfenmig; bei Wlederholungen oder Zellenabschlüssen Rabatt nach aufllegendem Tarff.
Rosenhelmer Anzeige l#paltige 50 mm
Rosenheimer Tagblakt
Amtliches Publikakions-Organ
Annahme Netlamen und Beilogen durch die Unmoncen-Expodttlon 9 Hoalenstein: K Vogler A. — Mennchen. Nürnberg *— Bern, Lhhemntd, b. Dresbem
den, Crfurt, Frankfurt a. R. Hamburg, Hanmover
luß der Inseraten-Unnahme 1 Uhr MW NRach diejem Zeitpunki tann far Aufnahme in dle laufende Tagesnummer nicht mehr garantiert werden. Hür- —J Manuseri##. wird keine Ler## ort
—
F Inmsbruck, Karlsruhe, Köln ur.
“ Vor Ausbruch des Krieges zwischen Serbien und Oesterreich.
Der österreichische Generalstabeochef Franz Freiherr Conred von Höôötzendorf.
der Krieg endgültig ausbricht, steht noch
nicht sest. Es ist auch zweifelbaft, ob es
belingen wird, den Krieg zu lolalisjeren, das
i eißt, ihn auf Oesterreich und Serbien zu beschränlen,
oder ob auch noch andere Mächte sich
daran beieiligen werden. Die Entscheidung darnner
liegt bei Rußtand. Wie diese ausfallen
wird, läßt sich noch gar nicht erkennen. Zunäckst
ist Oesterreich bestrebt, den mächtigen
Nochlar nicht zu reizen, und ihm koinen Anlaß
zu Rüstungsmaßnahmen zu geben. Desbalb hat
Oesteireich nicht sofort seine ganze Armee mobil
gemacht, sondern vorläufig nur acht Kots.
um damit deutlich zu zeigen, daß es sich bei seineu
Operationen lediglich um einen Kampf mit
Sethien handelt. Hätte Oeslerreich auch die in
Calizien an der russischen Grenze stelenden Korp
sofort mobil gemacht, so hätte Nußland dadurch
sich bedroht sühlen können u. dann mitl oerseiben
Maßegel geantwortet. Das wollte man nur
mit Recht vermeiden.
lleber den Aufmarsch der öfterreichischen Trupren
ist noch nichts belanut. Jedenfalis werden
die am nordlichen Donau-Ufer versammetten
Esterreichischen Truppen zunächst die Donan
nle#sschreiten müssen. ZIhr nächstes Ziel dürfte
die Vesitznahme von Belgrad sein. Die Donauslottille
wird an dem Punlie, an dem der Ueberhang
des österreichischen Heeres und der dafür
elfolderliche Brückenschlag erfolgen soll, vereinigt
werden. Ihre Aufgabe ist es alsdann,
das Uebersetzen der ersten Dedungstruppen und
die Besitznahme des jenseitigen jerbitchen Ufers
zu erleichtern und in einem dort sick, entfpinvnenden
Kampf cinzugreisen. Im meiteren Verlauf
halen sie dafür zu sorgen, daß leinerlei
Hindernisse gegen die im Bau begriffene Beün#
rotgelrieben werden. Wenn sich der öfterreichisade
Angriff gegen Belgrad wendet, so werden
sie sich an der Beschießung dieier Festung beleiligen.
Bei dem schlechten Zustande ihrer Werie
und dem Mangel aller Pan:erbesestigungen lann
ar Eingreisen von 18 bis 12 Zentimeter=Ceschügen
von entscheidendem Einfluß sein.
An dem Gelingen des Ueberganges und der
Besetzung der Landesbauptstadt kann umsomcniger
gezweiselt werden, als die Serben die
Donaulinie räumen wollen. Die Besitznahme
Fvon Belgrad ist deshalb von so großer Bedeutung,
weil die Oesterreicher dadurch die Eisenil
ubrücke über die Donan und die große: Eisenhalnlinie
in die Hand belommen, die sie für
den Nachschub dringend gebrauchen. Während
dies sich abspielt, wird die Mobilmackung und
der Aufmarsch der übrigen Korps volkendet sein
und inzwischen wird auch Klarheit über Rußlande
Absichten und Maßnahmen eintreten.
Aydererseits steht immer noch die Frage im
Vordergrund: Wird es wirklich zum Krieg komien?
Das Reutersche Bureau erfährt, daß die
militärischen Vorbereitungen, die Oesterreich=Ungain
jetzt trifft, Serbien noch Zeit geben.
seine Antwort einer nochmaligen Erwägung zu
unterzieden. Ueber den russischen Stancpunkt
erfährt Renter, Ruhland halte sich bereit, alles
üögliche zu tun, um zwischen Oesterreich und
Seibien ein für beide gleichmäßig befriedigerdes
Ginranehnen zustande zu bringen. Zu diesem
Zweck regte es in Wien eine Verlängerung
der von Oesterreich gegebenen Frist an; ferner
werde es durchaus bereit sein, diejenigen Punste
der österreichischen Note zu unterstüten, die sich
zuu einer Prüfung eignen, bezüglich deren von
Zetbien Genugtuung gegeben werden könnte.
Die Forderungen der österreichischen Note schiednen
jedoch anzudeuten, daß sie etwas mehr als
die Beilegung der kursePe r öatereichishen
Fragen bezweckten. Rußland hoffe, daß auch
jent noch Mitlel gesunden würden, um eine
Beilegung zu erreichen.
Im übrigen sind die —
inden rie
feindlichen Ali der
Oesierreich-Ungarn und Serkien 3##
bis verlausen. ohne daß d
ewischen
enommen wmurden. In Oesterreichl#n zarn
eeht die tei imeise Modilmachung dE omi dii
ilotten. Die diplomatischen Beziehunde
schen beiden Staaten find zwar abge -E# sch Eir.
aber rom Eintritt des Kriegeus#andes? "nzur
Stunde nicht gesprochen werden. gr' deirr
AKriegszustand wirllich eintrin oder nicht, 1r
im Augenblick noch unsicher. In Wien will man
eine friedliche Lösung für ausgeichlossen Pall#en.
Die serbische Antwortnote.
Auf der serbischen Gesanotschaft in Berlin
lil der Wortlaut der vom Miniterpräfide: ien
Pasitich dem öflerreichisch-ungarischen Gesaydten
überreichten serbischen Note eingelraffen.
Die serbische Antwort ging dahin, daß die
ligi. serbische Regierung die öserreichisch- ungatüche
Note erhalten habe und davon überzeng:
sei, daß ihre Antwort jedes Minverständnis,
welches die gut nachbarlichen Beziehungen zu be
droben, imstande wäre, beseitigen mürde.
Frühere Proteste der nationalen Verbände
degen Oeslerreich und auch die Erllärungen und
Handlungen verantwortlicher Tessisisetnes ur
die die österreichische Note in ihrem ersten Au
satz Beiug nimmt, glaubt die serbüche Negse erung
durch die Ertlärung vom 18. März 1 309 al-s
erledigt betrachten zu können. Die Kunegel#nngen
hHätten sich seildem nicht wiederholt. Vorn8-dieser
Zeit an seien sowohl von der Neserung
als auch seitens ihrer Organe keine Versuche
gemacht worden, die den Zweck haben. den
rpolitischen und uristischen Zustand zu ändern.
ber durch die Annerion Bosniens und der Her
zegowina geschaffen sei.
Die königliche Regierung hat gelegentlich der
Lösung einer großen Serie ron Fragen, welihe
zwischen Serbien und Oesterreich-Ungarn entsianden
sind, großes Entgegenkommen gereigt,
und es ist ihr gelungen, die größte Zohl ider
Fragen zu regeln. Zum Nutzen der beiden Nach
Deshalb in die k. Regierung pe in-*“
durch die Behauptune, daß ge-Personen
des Königreichs Serbien an den
das in Sera-D
lich
Wise
ZJorvereilungen des Alientals
jewo begangen wurde, leilgeno: umen lren. Die
lainigliche Regierung lofsfie, sie Hürde ausaesordert
werden, mirzuwirlen an allem. was zur
Eimittlung dieser Verbrechen dienen lounte und
-ar bereil, durch Taten i#llre korrette Haliung
n zeigen und gegen alle Personen einzuschreitfen,
elich deren man der serbischen Regierung
eilungen dieser Arl gemack hä#te.
–. —
Indem die k. serbische Regierung dem Wunsche
der 1. und l. öslerreichisch- ungarischen Negietuna
Rechnung trägt, ist die k. Negiern##eg geneiot,
jeden serbischen Untertanen ohne N ssidht
auf seine Stellung und Rang den Cerichten#an#
euliefern, jür den die Beweise der Mulälerschaft
on dem Atemat in Serajew erbracht wäà
"“
*.
Die serbische Regierung verpflichtet sich fernei,
eine dies be:ügliche Erllärung in ihre ## UAntsblatt
abzudrucken und gibt den Wortlaut diefer
Erllärung auch in der Antuortno" an. Der
Hanntpunit dieser Erllärung isl, daß die serbische
Regierung jede Proraganda vernrkeilt, die
gegen Oesierreich-Ungarn gerichtet ist.
Auch in den übrigen Punkten glaubt die serlische
Nolte den Anforderungen der östorreiciischen
Wünsche volllommen gerecht zu werden.
wird auosdrüsflich erllärt, daß die serlisehe
Regierung nack Ueberreichung d österreideischen
Note den in dieser genannten? Majo# Tar OQ%
lofic. der der Mittätcrschaft an dem Serajemoer
Attental verdächtigt wurde, sofort habe
vethaften lassen.
Der gleichsatle in der Note genannte angebliche
Eisenbah nbeamte Ziganoric habe nicht ver
laftet werden lönnen, da er sich der Verhaftung
durch die Flucht entgen habe. Ziganodic, der
nicht serbischer, sondern öflerreichischer Untertan
sci. sei nicht Beamter der k. Staatsbahn gemoesen,
sondern habe nur eine Anstellung als
Oilfsarbeiter dort gefunden. Sein Aufenthalt
sei nicht zu ermitteln.
Ein österreichischer Kommentar zur
serbischen Antwort.
De: l. k. öflerreichisch-ungarische Gesandte
e hat die serbüsche Antwortnote
die öllcrreichisch un gariscken Foroerunger
25. 1. M. bei seiner Ankunft in Wien
Diese Note beab-Schein
zu erwecen, als
ob die serdisch: Regierung die von Oellerreich-Ungarn
gesteliten Norderungen in weiitem Mabe
zu erfüllen bercil wäre. Tall#chlich im aber Die
Noie von einem (Ceiste der Unanfrichtigkeit eru
der es llar erlennen laßt, daß es der zerbischen
Regierung nicht eruflich darum zu tun
ist, der sträflichen Duldung ein Ende zu bereiten.
Sowohl linsichtlich der allgemeinen
Erundlage der ösierriichischungarischen Demalrche
als auch in . solreff der einzelnen don
Oekerreich-Ungarn ausgrüelllten Forderungen
inthält die serbsche Nose so weitgellende V)r73
Fehalte und Cinschtänkungen, daß auck die 1a#-
uf
vomB
dem Ministerium vorgelegt.
sichtigt, den falschen
lächlich gemamen Zugeständnisse ledeutundsine
werden. Zusbesendere wurde unter einem
nichtigen Voriwand die Forderung Ses#ier2eichlingalns
nach Teilnabme ron 1. I1. Organen
an den Erhebungen zur Eruierung auf serbi
sckem Boden # dTeilnehmer des Kandloltes
vom 23. Juni volllommen abielchnt.
Ebeo lommen die Zusagen, die Oeiterreich—
Ungarn zur Velämpfung der der Monalchie
feindlichen Presse gemacht murden. einer Ablernung
gleich. Das Begehren Oeileeick-Ugarns,
daß die K. Negierung die notwenriden
Maßregeln lreffe. damit die ausgelonen,
der Mone Sschie feindlichen Vereine ihre 4
leit nicht unter einem anderen Namen und in
anucnes Torm Ionternen. in uberannt nicht
worder, D die in der No16
verüdsichtigt
voni 2. ds. enthaltentn
*-uu
das serbischer-
. Verhalten das Minde
; deisen darite was zur Schaffung
- er Nuhe iimn dorter der Monarchie
ieindiq in. munte die serhische Anwart als
enbefriedig gend betrachter werden. Daß übri
die s. Neoung sich felbu dessen
daß ihre Note fur uns uunkzertarel
*1 der Ummand. daß sie uns C##n
. AmclknvrchwtroJ’c-1c1unqdck
Ro.«·«ci1.nsdm.s.«r«-1«r1sc11ql-cassqus
fes-»ci··.crc·"mladu!i,:.xkmnckhqe ’kc.c·.!chs
tung durch den Umstand ctrahrt, daß schon
-tünden vor Uebe#ddedrNotc. die erst weige
Minnten vor Ablauf der Frist statifand.
die Molilisierung der jerbüchen Armeie erfolgte.
Die Presse und die
franelttiche
serbische Antwort.
Die *-'- Blätter sprechen fast einmül:g
ihr Erstaunen darüber aus, daß die jerbische
Autwort, die eine sast vollständige Unterwerirna
Trdeut als unzureichend abgelehnt wur.
re. Der „„Ganulois“ meint: Aus dieser Hal
ling Oesterreich-Ungarns nebt dervo#r. daß die
rlsl"d iche Angelegenbeint nur ein Vorwand war.
Denn wenn die eichisch ungarische Regierung
1## ch ernste Bürgschaften gegen die pans
tischer Tieibereien rerlangt hat, dann
hä#te sie ich beeilen müssen, die vom Belgraoer
Kobinett gemachiten Jugeständnisse für genucend
zu erklären. Man weiß nicht, was
Oesterreich will. Das eine nur ist sicher, daß
es sich durch seine unbegrerfliche Hartnäkt #gkeit
uf einen ungünstigen Boden gestellt, die Unterstü
tzung Rußlands für Serbien gesichert und die
Gr üerbische Angelegenheit in eine devotsch-Howisce
umgemandelt Lat. Wir stehen vor der
Gefahr einer europäischen Konstagration und