Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

60.  Jahrgang

 

Nr.  172

 

ber,Noseuheimer  Anzelger-Aosenh


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ausgestafteten  ettlgen

reich  achts
Uhr  (mit  Ausnahme  der  Sonn- 



 

 

Mittwosb,  29.  Juli  1914

Kosenheimer  Anzeiger

 

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Rosenheimer  Tagblakt

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den,  Crfurt,  Frankfurt  a.  R.  Hamburg,  Hanmover
luß  der  Inseraten-Unnahme  1  Uhr  MW  NRach  diejem  Zeitpunki  tann  far  Aufnahme  in  dle  laufende  Tagesnummer  nicht  mehr  garantiert  werden.  Hür-  —J  Manuseri##.  wird  keine  Ler##  ort

—
F  Inmsbruck,  Karlsruhe,  Köln  ur.

“  Vor  Ausbruch  des  Krieges  zwischen  Serbien  und  Oesterreich.

Der  österreichische  Generalstabeochef  Franz  Freiherr  Conred  von  Höôötzendorf.

der  Krieg  endgültig  ausbricht,  steht  noch
nicht  sest.  Es  ist  auch  zweifelbaft,  ob  es
belingen  wird,  den  Krieg  zu  lolalisjeren,  das

i  eißt,  ihn  auf  Oesterreich  und  Serbien  zu  beschränlen,
  oder  ob  auch  noch  andere  Mächte  sich
daran  beieiligen  werden.  Die  Entscheidung  darnner
  liegt  bei  Rußtand.  Wie  diese  ausfallen
wird,  läßt  sich  noch  gar  nicht  erkennen.  Zunäckst
  ist  Oesterreich  bestrebt,  den  mächtigen
Nochlar  nicht  zu  reizen,  und  ihm  koinen  Anlaß
zu  Rüstungsmaßnahmen  zu  geben.  Desbalb  hat
Oesteireich  nicht  sofort  seine  ganze  Armee  mobil
  gemacht,  sondern  vorläufig  nur  acht  Kots.
um  damit  deutlich  zu  zeigen,  daß  es  sich  bei  seineu
  Operationen  lediglich  um  einen  Kampf  mit
Sethien  handelt.  Hätte  Oeslerreich  auch  die  in
Calizien  an  der  russischen  Grenze  stelenden  Korp
sofort  mobil  gemacht,  so  hätte  Nußland  dadurch
sich  bedroht  sühlen  können  u.  dann  mitl  oerseiben
Maßegel  geantwortet.  Das  wollte  man  nur
mit  Recht  vermeiden.

lleber  den  Aufmarsch  der  öfterreichischen  Trupren
  ist  noch  nichts  belanut.  Jedenfalis  werden
die  am  nordlichen  Donau-Ufer  versammetten
Esterreichischen  Truppen  zunächst  die  Donan
nle#sschreiten  müssen.  ZIhr  nächstes  Ziel  dürfte
die  Vesitznahme  von  Belgrad  sein.  Die  Donauslottille
  wird  an  dem  Punlie,  an  dem  der  Ueberhang
  des  österreichischen  Heeres  und  der  dafür
elfolderliche  Brückenschlag  erfolgen  soll,  vereinigt
  werden.  Ihre  Aufgabe  ist  es  alsdann,
das  Uebersetzen  der  ersten  Dedungstruppen  und
die  Besitznahme  des  jenseitigen  jerbitchen  Ufers
zu  erleichtern  und  in  einem  dort  sick,  entfpinvnenden
  Kampf  cinzugreisen.  Im  meiteren  Verlauf
  halen  sie  dafür  zu  sorgen,  daß  leinerlei
Hindernisse  gegen  die  im  Bau  begriffene  Beün#
rotgelrieben  werden.  Wenn  sich  der  öfterreichisade
  Angriff  gegen  Belgrad  wendet,  so  werden
sie  sich  an  der  Beschießung  dieier  Festung  beleiligen.
  Bei  dem  schlechten  Zustande  ihrer  Werie
und  dem  Mangel  aller  Pan:erbesestigungen  lann
ar  Eingreisen  von  18  bis  12  Zentimeter=Ceschügen
  von  entscheidendem  Einfluß  sein.

An  dem  Gelingen  des  Ueberganges  und  der
Besetzung  der  Landesbauptstadt  kann  umsomcniger
  gezweiselt  werden,  als  die  Serben  die
Donaulinie  räumen  wollen.  Die  Besitznahme
Fvon  Belgrad  ist  deshalb  von  so  großer  Bedeutung,
  weil  die  Oesterreicher  dadurch  die  Eisenil
  ubrücke  über  die  Donan  und  die  große:  Eisenhalnlinie
  in  die  Hand  belommen,  die  sie  für
den  Nachschub  dringend  gebrauchen.  Während
dies  sich  abspielt,  wird  die  Mobilmackung  und
der  Aufmarsch  der  übrigen  Korps  volkendet  sein
und  inzwischen  wird  auch  Klarheit  über  Rußlande
  Absichten  und  Maßnahmen  eintreten.

Aydererseits  steht  immer  noch  die  Frage  im
Vordergrund:  Wird  es  wirklich  zum  Krieg  komien?
  Das  Reutersche  Bureau  erfährt,  daß  die
militärischen  Vorbereitungen,  die  Oesterreich=Ungain
  jetzt  trifft,  Serbien  noch  Zeit  geben.
seine  Antwort  einer  nochmaligen  Erwägung  zu
unterzieden.  Ueber  den  russischen  Stancpunkt
erfährt  Renter,  Ruhland  halte  sich  bereit,  alles
üögliche  zu  tun,  um  zwischen  Oesterreich  und
Seibien  ein  für  beide  gleichmäßig  befriedigerdes
  Ginranehnen  zustande  zu  bringen.  Zu  diesem
  Zweck  regte  es  in  Wien  eine  Verlängerung
der  von  Oesterreich  gegebenen  Frist  an;  ferner
werde  es  durchaus  bereit  sein,  diejenigen  Punste
der  österreichischen  Note  zu  unterstüten,  die  sich
zuu  einer  Prüfung  eignen,  bezüglich  deren  von
Zetbien  Genugtuung  gegeben  werden  könnte.

Die  Forderungen  der  österreichischen  Note  schiednen
  jedoch  anzudeuten,  daß  sie  etwas  mehr  als
die  Beilegung  der  kursePe  r  öatereichishen
Fragen  bezweckten.  Rußland  hoffe,  daß  auch

 

 

 

jent  noch  Mitlel  gesunden  würden,  um  eine
Beilegung  zu  erreichen.
Im  übrigen  sind  die  —

inden  rie
  feindlichen  Ali  der
Oesierreich-Ungarn  und  Serkien  3##

 

bis  verlausen.  ohne  daß  d
ewischen

enommen  wmurden.  In  Oesterreichl#n  zarn
eeht  die  tei  imeise  Modilmachung  dE  omi  dii
ilotten.  Die  diplomatischen  Beziehunde
schen  beiden  Staaten  find  zwar  abge  -E#  sch  Eir.
aber  rom  Eintritt  des  Kriegeus#andes?  "nzur
  Stunde  nicht  gesprochen  werden.  gr'  deirr
AKriegszustand  wirllich  eintrin  oder  nicht,  1r
im  Augenblick  noch  unsicher.  In  Wien  will  man
eine  friedliche  Lösung  für  ausgeichlossen  Pall#en.

Die  serbische  Antwortnote.

Auf  der  serbischen  Gesanotschaft  in  Berlin
lil  der  Wortlaut  der  vom  Miniterpräfide:  ien

Pasitich  dem  öflerreichisch-ungarischen  Gesaydten
überreichten  serbischen  Note  eingelraffen.
Die  serbische  Antwort  ging  dahin,  daß  die

ligi.  serbische  Regierung  die  öserreichisch-  ungatüche
  Note  erhalten  habe  und  davon  überzeng:
sei,  daß  ihre  Antwort  jedes  Minverständnis,
welches  die  gut  nachbarlichen  Beziehungen  zu  be
droben,  imstande  wäre,  beseitigen  mürde.

Frühere  Proteste  der  nationalen  Verbände
degen  Oeslerreich  und  auch  die  Erllärungen  und
Handlungen  verantwortlicher  Tessisisetnes  ur
die  die  österreichische  Note  in  ihrem  ersten  Au
satz  Beiug  nimmt,  glaubt  die  serbüche  Negse  erung
durch  die  Ertlärung  vom  18.  März  1  309  al-s
erledigt  betrachten  zu  können.  Die  Kunegel#nngen
  hHätten  sich  seildem  nicht  wiederholt.  Vorn8-dieser
  Zeit  an  seien  sowohl  von  der  Neserung
als  auch  seitens  ihrer  Organe  keine  Versuche
gemacht  worden,  die  den  Zweck  haben.  den
rpolitischen  und  uristischen  Zustand  zu  ändern.
ber  durch  die  Annerion  Bosniens  und  der  Her
zegowina  geschaffen  sei.

Die  königliche  Regierung  hat  gelegentlich  der
Lösung  einer  großen  Serie  ron  Fragen,  welihe
zwischen  Serbien  und  Oesterreich-Ungarn  entsianden
  sind,  großes  Entgegenkommen  gereigt,
und  es  ist  ihr  gelungen,  die  größte  Zohl  ider
Fragen  zu  regeln.  Zum  Nutzen  der  beiden  Nach

  

 

 

Deshalb  in  die  k.  Regierung  pe  in-*“
  durch  die  Behauptune,  daß  ge-Personen
  des  Königreichs  Serbien  an  den
das  in  Sera-D



 

lich
Wise

ZJorvereilungen  des  Alientals
jewo  begangen  wurde,  leilgeno:  umen  lren.  Die

lainigliche  Regierung  lofsfie,  sie  Hürde  ausaesordert
  werden,  mirzuwirlen  an  allem.  was  zur
Eimittlung  dieser  Verbrechen  dienen  lounte  und
-ar  bereil,  durch  Taten  i#llre  korrette  Haliung
n  zeigen  und  gegen  alle  Personen  einzuschreitfen,
elich  deren  man  der  serbischen  Regierung
eilungen  dieser  Arl  gemack  hä#te.

  
 

–.  —

Indem  die  k.  serbische  Regierung  dem  Wunsche
der  1.  und  l.  öslerreichisch-  ungarischen  Negietuna
  Rechnung  trägt,  ist  die  k.  Negiern##eg  geneiot,
  jeden  serbischen  Untertanen  ohne  N  ssidht
auf  seine  Stellung  und  Rang  den  Cerichten#an#
euliefern,  jür  den  die  Beweise  der  Mulälerschaft
on  dem  Atemat  in  Serajew  erbracht  wäà

  "“
*.

Die  serbische  Regierung  verpflichtet  sich  fernei,
  eine  dies  be:ügliche  Erllärung  in  ihre  ##  UAntsblatt
  abzudrucken  und  gibt  den  Wortlaut  diefer
Erllärung  auch  in  der  Antuortno"  an.  Der
Hanntpunit  dieser  Erllärung  isl,  daß  die  serbische
  Regierung  jede  Proraganda  vernrkeilt,  die
gegen  Oesierreich-Ungarn  gerichtet  ist.

Auch  in  den  übrigen  Punkten  glaubt  die  serlische
  Nolte  den  Anforderungen  der  östorreiciischen
  Wünsche  volllommen  gerecht  zu  werden.
wird  auosdrüsflich  erllärt,  daß  die  serlisehe
  Regierung  nack  Ueberreichung  d  österreideischen
  Note  den  in  dieser  genannten?  Majo#  Tar  OQ%
lofic.  der  der  Mittätcrschaft  an  dem  Serajemoer
  Attental  verdächtigt  wurde,  sofort  habe
vethaften  lassen.

Der  gleichsatle  in  der  Note  genannte  angebliche
  Eisenbah  nbeamte  Ziganoric  habe  nicht  ver
laftet  werden  lönnen,  da  er  sich  der  Verhaftung
durch  die  Flucht  entgen  habe.  Ziganodic,  der
nicht  serbischer,  sondern  öflerreichischer  Untertan
sci.  sei  nicht  Beamter  der  k.  Staatsbahn  gemoesen,
  sondern  habe  nur  eine  Anstellung  als
Oilfsarbeiter  dort  gefunden.  Sein  Aufenthalt
sei  nicht  zu  ermitteln.

 

Ein  österreichischer  Kommentar  zur
serbischen  Antwort.

De:  l.  k.  öflerreichisch-ungarische  Gesandte
e  hat  die  serbüsche  Antwortnote
die  öllcrreichisch  un  gariscken  Foroerunger
25.  1.  M.  bei  seiner  Ankunft  in  Wien
Diese  Note  beab-Schein
  zu  erwecen,  als
ob  die  serdisch:  Regierung  die  von  Oellerreich-Ungarn
  gesteliten  Norderungen  in  weiitem  Mabe
zu  erfüllen  bercil  wäre.  Tall#chlich  im  aber  Die
Noie  von  einem  (Ceiste  der  Unanfrichtigkeit  eru
  der  es  llar  erlennen  laßt,  daß  es  der  zerbischen
  Regierung  nicht  eruflich  darum  zu  tun
ist,  der  sträflichen  Duldung  ein  Ende  zu  bereiten.
  Sowohl  linsichtlich  der  allgemeinen
Erundlage  der  ösierriichischungarischen  Demalrche
  als  auch  in  .  solreff  der  einzelnen  don
Oekerreich-Ungarn  ausgrüelllten  Forderungen
inthält  die  serbsche  Nose  so  weitgellende  V)r73
Fehalte  und  Cinschtänkungen,  daß  auck  die  1a#- 



uf
vomB
dem  Ministerium  vorgelegt.

sichtigt,  den  falschen

lächlich  gemamen  Zugeständnisse  ledeutundsine
  werden.  Zusbesendere  wurde  unter  einem

nichtigen  Voriwand  die  Forderung  Ses#ier2eichlingalns
  nach  Teilnabme  ron  1.  I1.  Organen
an  den  Erhebungen  zur  Eruierung  auf  serbi
sckem  Boden  #  dTeilnehmer  des  Kandloltes
  vom  23.  Juni  volllommen  abielchnt.
Ebeo  lommen  die  Zusagen,  die  Oeiterreich—
Ungarn  zur  Velämpfung  der  der  Monalchie
feindlichen  Presse  gemacht  murden.  einer  Ablernung
  gleich.  Das  Begehren  Oeileeick-Ugarns,
  daß  die  K.  Negierung  die  notwenriden
  Maßregeln  lreffe.  damit  die  ausgelonen,

der  Mone  Sschie  feindlichen  Vereine  ihre  4
leit  nicht  unter  einem  anderen  Namen  und  in
anucnes  Torm  Ionternen.  in  uberannt  nicht

worder,  D  die  in  der  No16

verüdsichtigt

   
 
   
 

voni  2.  ds.  enthaltentn
*-uu

  das  serbischer-    


 
 
  

 

.  Verhalten  das  Minde
  ;  deisen  darite  was  zur  Schaffung
-  er  Nuhe  iimn  dorter  der  Monarchie

ieindiq  in.  munte  die  serhische  Anwart  als

 

enbefriedig  gend  betrachter  werden.  Daß  übri
die  s.  Neoung  sich  felbu  dessen

daß  ihre  Note  fur  uns  uunkzertarel

*1  der  Ummand.  daß  sie  uns  C##n

.  AmclknvrchwtroJ’c-1c1unqdck
Ro.«·«ci1.nsdm.s.«r«-1«r1sc11ql-cassqus

   

fes-»ci··.crc·"mladu!i,:.xkmnckhqe  ’kc.c·.!chs
tung  durch  den  Umstand  ctrahrt,  daß  schon
-tünden  vor  Uebe#ddedrNotc.  die  erst  weige
  Minnten  vor  Ablauf  der  Frist  statifand.

 

die  Molilisierung  der  jerbüchen  Armeie  erfolgte.

Die  Presse  und  die

franelttiche
serbische  Antwort.

Die  *-'-  Blätter  sprechen  fast  einmül:g
ihr  Erstaunen  darüber  aus,  daß  die  jerbische
Autwort,  die  eine  sast  vollständige  Unterwerirna
  Trdeut  als  unzureichend  abgelehnt  wur.
re.  Der  „„Ganulois“  meint:  Aus  dieser  Hal
ling  Oesterreich-Ungarns  nebt  dervo#r.  daß  die
rlsl"d  iche  Angelegenbeint  nur  ein  Vorwand  war.

 

Denn  wenn  die  eichisch  ungarische  Regierung
  1##  ch  ernste  Bürgschaften  gegen  die  pans
  tischer  Tieibereien  rerlangt  hat,  dann
hä#te  sie  ich  beeilen  müssen,  die  vom  Belgraoer

 

Kobinett  gemachiten  Jugeständnisse  für  genucend
  zu  erklären.  Man  weiß  nicht,  was
Oesterreich  will.  Das  eine  nur  ist  sicher,  daß
es  sich  durch  seine  unbegrerfliche  Hartnäkt  #gkeit
uf  einen  ungünstigen  Boden  gestellt,  die  Unterstü
  tzung  Rußlands  für  Serbien  gesichert  und  die

Gr  üerbische  Angelegenheit  in  eine  devotsch-Howisce
  umgemandelt  Lat.  Wir  stehen  vor  der
Gefahr  einer  europäischen  Konstagration  und