Contents : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Aummer  38

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dauernden  Versländigung  legen  mögen.“

Die  Thronrede  kündigt  dann  Vorlagen  über
die  Woöhnungebeschalung,  für  die  indesrielle
und  landwirtschaftliche  Bevölkerung,  über  oie
Entwickelung  des  nationalen  Unterrichtssostems
und  über  die  Behandlung  und  Bestrafung  lugendlicher
  Missetäter  an.

Die  Nache  der  mexlkamschen
Rebellen.

Condon,  10.  Februar

Aus  Anierila  kommt  die  Kunde  von  einem
solgenschwer#n  Brandunglück,  das  durch  Rebellen
  verursacht  wurde.  Das  Telegramm  lantet:
In  Washingtan  ish  die  Nachricht  eingetroßfen,
daß  40  Personen,  unter  ihnen  7  Amerikaner.
lebendig  in  cinem  Eislenbahnzuge  verbrannt  voorden
  sind.  Die  merilanischen  Rebellen  brac#ten
den  Zug  in  einen  Tunnel  in  der  Nähe  o?#n
El  Pasa,  in  dem  sich  bereits  ein  brennender  Gll-###ug
  besand,  uno  überliehen  die  Passanziere
ihrem  Schicksal.  ç

Elne  spötere  Meldung  besagt:  Die  Jahl  oer
durch  den  Brand  un  Cimbre-Tunnel  bei  El
Paso  ums  Leben  gekommenen  Amerikaner  roird
jett  mit  15  angegeben.  Unter  den  Toten  befinben
  sich  eine  Frau  und  fünf  kleine  Kinder.  Präsident
  Wilson  wies  den  Staatesekretär  Bryyan
an,  auf  energischer  Untersuchung  der  Vorgönge
zu  bestehen.  General  Villa  hat  neuerdings  die
Vestrafung  der  Schuldigen  zugesagt.  Unter  Bedeckung
  ron  oreihundert  Soldaten  von  Vilas
Tiuppe  ging  von  Cindad  Juarez  aus  ein  Retzungsboot
  nach  dem  Cimbre-Tunnel  ab.  Die  von
(omboys  anfänglich  verbreitete  Nachricht,  daß
die  Passagiere  des  verunglückten  Zuges,  darunter
  fsechẽ  Amerikaner,  von  Banditen  gefangen
genommen  worden  seien,  ist  falsch.

Nach  den  bei  der  Direktion  der  Mexikonischen
ordwestbahn  eingelaufenen  Nachrichmen  sindalle
Passagiere  in  dem  brennenden  Tunnel  erstickt.
Der  Relmngszug  hat  75  Särge  für  die  Verungluckten
  mitgenommen.  Es  verlautet,  Castillo
hade  sich  dura)  die  Schandtat  für  die  standrecht.
liche  Erschießung  von  22  Rebellen  durch  Soloaten
  Villar  rächen  wollen.

Die  Freveltat  empört  gans  Meriko.  Die  Leichen
  der  Passagiere  wurder  neben  den  Tunnelgleisen
  aufgefunden.  Augenscheinlich  versuchten
sie  aus  dem  Feuerosen  zu  entfliehen,  wurden
aber  auf  der  Flucht  von  den  giftigen  Gasen  betaubt
  und  erstickten.  Die  militärische  Bedeckung
des  Reltung-zuges  durch  Bulas  Leuten  geschoh
auf  Ersuchen  des  Staatesekretärs.  Bryan,  da
ein  neues  Attentat  seitens  der  Bonditen  Castillos
befürchtet  wird.

hof-  und  Personalnachrichlen.

Verlin,  10.  Febr  Am  7.  Februar  fand
auf  Schloß  Arnsburg  in  Hessen  die  Verlobung
des  Staatssekretärs  von  Jagow  mit  der  Grätin
  Luitgard  zu  Solms-Laubach  jün
sten  Tochter  des  verstorbenen  Grafen  Friedrich
iu  Solms-Laubach,  statt.  Die  gleichfall:  verüorbene
  Mutter  war  eine  geb.  Gräfin  zu  Stolberg-Wernigerode.


Soziale  Nundschau.

münchen.  10.  Febr.  Der  König  hat  aus
Stiftungsmitteln  dem  Oberbürgermeister  Dr.  v.
Borscht  10  000  Mark  zur  Linderung  der  Not  der
Arbeitslosen  übexrwiesen.  Der  Stadtmagistrat
  dankte  in  der  heutigen  Sitzung  dem
König  für  diese  hochherzige  Spende.  Von  der
Zumendung  machte  der  .tint  dem  Stadtmagistrat
  in  fjolgendem  Haudschreiben  Mitteilung:
„Zu  meinem  Bedauern  cxfahre  Ich,  daß  die
zur  Zeit  herrschende  Arbektslosigkeit  trotz  der
Mahnahmen  der  Staatsregierung  und  der  Stadtverwaltung
  zur  Beschaffung  von  Arbeitsgelegenheit
  viele  Arbeiterfamilien  in  Not  gebracht
hat.  Ich  sinde  Mich  deshalb  bewogen,  dem
Stadtmagistrat  München  aus  den  zu  Meiner
Verfügung  slehenden  Stiftungsmittelneine  Spende
  von  10000  Mark  zur  Unterstützung  der
unverschuldet  in  Not  geratenen  Arbeitswilligen,
die  bei  den  gerade  in  diesem  Winter  bestchenden
außergewöhnlichen  Verhältnisten  keinen  Verdienst.
finden  können.  zu  überweisen.“  In  seinen  Danlesworten
  schätte  der  Oberbürgermeister  auch
den  ideellen  Wert  der  Spende  hoch  an,  da  er
wohl  mit  Recht  annahm,  daß  das  Beispiel  des
Königs  von  der  LT  -  »s-  --  mchcnsxcchtkräftigstechaeahmtwekdr.


Perschiedene  Nachrichlen.

Frank'urt  ao.  M.,  10.  Febr.  Der  zum  Todverurteilte
  Gistmörder  Hopf  hat  an  den  Kailer
ein  Gnadengesuch  eingereicht,  worin  er  in  erster
Linie  um  die  Wiederaufnahme  des  Verfahrens
bittet.  Hopf  hat  bekanntlich  behauptet,  daß
er  zur  Jeit  des  Todes  seiner  ersten  Frau  noch
leine  Bazillen  belessen  habe..

Hannover,  10.  Febr.  In  Horst  im
Kreise  Neustadt  am  Rübenberge  wurden  drei
#  beim  Spielen  von  einem  Winomühlenflügel
  erfaßt.  Mit  r*zi’i  Städrlbrn
wurden  sie  ins  bssige  lädtische  Krankenhaus
beibracht.  Das  jüngste  dreijährige  Kind  ist
leinen  Verletzungen  ersegen,  der  Zustand  der
beiden  anderen  Heschwister  ist  sehr  bedenklich.

 

 

 

 

 

 

—

,  der  jüng

 

Der  verstorbene

 

Mũnchener  Volksdichter

Peter  Anutiuger.
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Posen,  10.  Febr.  Die  hiesige  Polizei  isi
einer  peinlichen  Sittenaffäre  auf  die  Spur
lommen.  Der  prakt.  Arzt  Dr..  Bröcherer  wurde
unter  dem  Verdachte  der  Abtreibung  verhaftet.
  Die  Affäre  zieht  immer  weilere  Kreise.  Es
sind  bereits  auch  viele  Hebammen  wegen  Beihilfe
  verhaftet  worden.  Die  für  die  Freilassung
Dr.  Bröckerers  angebotene  Kaution  von  20  000
Mark  wurde  abgelehnt.

Königsberg,  10.  Febr.  Zu  den  Ueberschwemmungen
  um  Memeldelta  wird  von  maßgebender
  Stelle  mitgeteilt,  daß  die  Hochwassernot,
  die  Hauptursache  der  Ueberschwemmungen,
vorläufig  Roch  nicht  beseitigt  sei.  Die  Pionierkommandos
  arbeiten  fortgesetzt  daran,  die  Bewohner
  und  das  Vieh  aus  den  durch  das  Wasser
  abgeschnittenen  Ortschaften  in  Sicherheit  zu
bringen.  Die  augenblickliche  Not  ist  groß.  Der
Schaden  an  Gebäuden,  Vieh  und  Gut  ist  unübersehbar.
  Er  wird  sich  voraussichtlich  auf
viele  Hunderttausende  belausen.  Bis  beute
wurden  durch  die  Pioniere  etwa  300  Menschen
ous  Lebensgefahr  gerettet  und  etwa  150  Stück
Vieh  geborgen.  Zurzeit  sind  die  Pioniere  damit
  beschäftigt,  1500  Menschen,  die  durch  das
Neueis  vom  Lande  abgeschnitten  sind,  Lebensmittel
  zuzuführen.

arschau,  10.  Febr.  In  Dabrowa  enistand
  ein  Wohnhausbrand.  Zmei  Kinder  verbrannten,
  die  Eltern  wurden  bei  dem  Versuche,
die  Kinder  noch  im  letzten  Augenblick  aus  den
Flammen  zu  retten,  lebensgesährlich  verletzt.

Madrid,  10.  Febr.  In  der  Stadt  Alevado
  ist  ein  im  Zau  befindliches  Haus  eingestürgt,
  wobei  eine  große  Anzahl  von  Arbeitern
verschüttet  wurde.  Es  douerte  lange  Zeit,  bis
die  Arbeiter  aus  ihrer  schlimmen  Lage  wieder
befreit  werden  konnten.  Zwei  Arbeiter  waren
bereits  tot,  fünf  weitere  erlagen  nach  kurzer  Zeit
ihren  schweren  Verletzungen,  zwei  andere  schweben
  in  Lebensgefahr.

Newyork,  10.  Febr.  In  der  Interstate
Commerc-Commzssion  sindauflehenerregende  Enlhüllungen
  über  Diebstähle  im  großen  bei  der
Nem  Haven  and  Hertford-Bahn  gemacht  worden.
  Ein  früherer  Vorsitzender  der  Kommission
erklärte,  daß  eine  Summe  von  28  Millionen
Mark  verschwunden  sei.  Senator  Norris  erklärte,
  die  Gesellschaft  sei  iusgeraubt  worden.
Er  hoffe,  doß  die  Schuldigen  entdeckt  und  zur
Verantwortung  gezogen  würden.  Sen.  Hitchcoch
erklärte,  die  Männer,  die  die  Gesellschaft  ruiniert
  und  die  Aktionäre  bestohlen  hätten,  hätten
  sich  gleichzeitig  als  gemeinnützige  Puritaner
  aufgespielt.

Der  Geburleurückgang.
München,  10.  Februar.

Den  Geburtenrückgang  im  Deutschen  Reich:
und  seine  Ursochen  behandelte  in  einer  äußerst.
zahlreich  besuchten  Versammlung  der  „Deutschen
  Gesellschaft  für  Rassenhygiene“  der  belannte
  Hygieniker,  Obermedizinalrat  Prof  Dr.

ar  von  Gruber.  Während  die  Zahl  der
Eheschliebungen  seit  dem  Bestehen  des  Reiche?
im  allgemeinen  konslant  geblieben  und  erst  in  der
letzten  Zeit  etwas  gesunken  ist,  während  die
Zahl  der  Todesfälle  abgefallen  ist,  haben  wir
bis  zum  Jahre  1  eine  Geburtenzunalme,
von  da  ab  aber  einen  raschen  Abfall  der  Geburten
  und  weiterhin  ein  verhältnismäßig  langsomes
  aber  konstantes  Sinken  bis
beobachten;  von  da  ab  vergrößert  sich  der
Geburtenrückgang  immer  mehr.  Noch  mehr  wie
die  absolute  Geburtenziffer  nimmt  die  ehelich:
ab,  besonders  in  den  Großstädten.

Die  niedrigste  Fruchtbarkeit  zeigen  die  Wohihabenden;
  ein  Vergleich  der  Arbeiterviertel  mit
den  wohlhabenden  Vierteln  Großberlinz  zeiet
das  deutlich.  Aber  auch  in  ärmeren  Kreisen  ist
heute  die  Geburtenziffer  bereits  erheblich  zurückgegangen;
  ein  gleiches  läht  sich  auch  bereits
auf  dem  jlochen  Lande  beobachten,  das  früher

*

 

 

am  Geburtenrückgang  nicht  beteiligt  waor.  In
jenen  Gegenden,  wo  die  Kirche  noch  eine  Moch
auf  die  Gemüter  ausübt,  macht  sich  der  Geburteniuckgang
  weniger  geltend,  man  vergleiche
mur  Bezirke  wie  Aachen,  Trier  urw.  Der  CGeburtenruckgang
  ist  am  größten,  wo  die  So
zialdemolratie  die  größte  Stimmenzahl  hat.

Woher  kommt  nun  der  Geburtenrü4zang?
Ohne  Zweifel  ist  er  zum  Teil  ungewollt.  Alkoholiemus
  und  Geschlechtskrankheiten,  die  in
den  Städten  eine  viel  größere  Ausbreitung  haben
  als  cuf  dem  Lande  #  etma  90  Prozent  der
Männer  in  Berlin  machen  geschlechtliche  Ertrankungen
  durch  —  hemmen  die  Fruchtbarkein
ganz  bedeutend.  Zum  allergrößten  Teil  ist  aber
der  Geburtenrückgang  gewollt,  bewußt  herbeigeführt.
  Die  Gründe  und  Motive  für  die  absichtliche
  Beschränkung  der  Fruchtbarkeit  sind
mannigfach.

Zunächst  ist  es  die  Ralionalisierung  unsere:
gesamten  Lebens  und  damit  auch  des  seruelle:
Lebens.  Heute  beherrscht  eine  ök#nomische  Betrachtungsweise
  alle  Kreise:  die  Sucht  nach  möglichst
  günstigen  Lebensbedingungen.  Das  mag
vom  Standpunkt  der  Indioidualwirtschaft  au.
ganz  gut  sein,  nicht  aber  vom  Standpunkt  der
Volkswirtschaft.  Dieser  Standpunkt  fübrt  un
bedingt  zur  möglichsten  Beschränkung  der  Kin,
derzahl.  Früher  waren  Kinder  schon  beizeiter
Helfer  für  ihre  Eltern  in  den  häuslichen  Ar
beilen,  wie  es  heute  noch  auf  dem  Lende  den
Fall  ist,  weshalb  wir  auch  dort  noch  oie  mei
sien  Kinder  finden.  Heute  verlassen  die  Kinde.
möglichst  fruh  das  Elternhaus,  um  selbständk.
und  unabhängig  leben  zu  können.  Früher  bedeutete
  eine  große  Kinderschar  eine  gewisse  Al
tererersicherung  für  die  Eltern.  Alle  diese  Gründe
  für  eine  große  Kinderschar  sind  heute  für
die  Eltern  mehr  oder  weniger  weggefallen.

Noch  manche  Momente  lassen  den  Elterr
heute  eine  möglichst  geringe  Kinderzall  wün
schenswert  erscheinen;  die  Freizzügigkeit,  der
Lohnkampf,  die  Arbeit  der  Frau  außer  dem
Hause,  das  alles  wird  durch  Kinderlosigkeit
oder  eine  kleine  Kinderzahl  erleichtert.  Unserc
Mädchen  erhalten  leine  genügende  häusliche  Ausbildung
  mehr,  sie  siehen  also  der  Erziehung  der
Kinder  fremd  gegenüber  und  haben  gar  kein
Verlangen  nach  Kindern.  Selbst  Eltein,  die
noch  Freude  an  einer  großen  Kinderschar  hätten.
wird  oies  erschwert,  wenn  nicht  unmöglich  ge.
macht  durch  unser  Wohnungswesen.  Keine  Rede
lann  aber  davon  sein,  daß  der  Geburtenrückgan
hedingt  sei  durch  eine  Zunahme  dbiektiver  wirt
schaftlicher  Not.  Die  Summen,  die  alljährlick
ür  Alkohol,  Tabak  usw.  von  den  breiten  Volkschichten
  ausgegeben  werden,  widerlegen  ein
olche  Annahme.  Not  war  niemals  ein  Moment
das  einen  Geburtenrückgang  herbeigefährt  hät
te,  eher  im  Gegenteil.

Unhaltbar  ##st  auch  die  Bchauptung,  dai
reicher  Kindersegen  schädlich  sei  für  Mutier
und  Kinder;  wenn  man  gewissen  Neomalthu.
sianern  glauben  wollte,  wäre  das  Kinderkriegen
geradezu  eine  Krankheit  der  Frau.  Das  ist
absolut  nicht  der  Fall.  Frauen  mit  vielen  Kin
dern  sind  geradeso  gesund  wie  andere.  Es  kann
auch  leine  Rede  dovon  sein,  daß  ein  Zusammen.
hang  besieht  zwischen  einer  großen  Kinderzahl
und  einer  größeren  Sterblichkeit.  Von  ausgedehnter
  Wichtigkeit  für  den  Geburtenrückgang
is  auch  der  Umstand,  daß  heute  ein  leiden.
schastliches  Verlangen  nach  sozialem  Ausfstieg
weite  Kreise  erfüllt.  Kann  man  das  Ziel  nickt
selbst  erreichen,  so  soll  es  wenigstens  das  Kind
erreichen;  bei  dieser  Jagd  nach  materiellen  Gü.
tern  glaubt  man  am  besten  bestehen  zu  können,
wenn  man  möglichst  nur  ein  Kind  sein  eigen
nennt.  Es  sind  aber  nicht  bloß  Sorgen  für  har
Kind,  die  vielen  Eltern  heute  eine  möglichst
geringe  Kinderzahl  wünschenswert  erscheinen  lassen,
  es  sind  vor  allem  auch  Rücksichten  auf  das
eigene  Wohl,  auf  die  eigene  Beqnemllchkeit.

 

Pnnerskag,  72.  Febrnar  1617

Künchener  Neuigleilen.

#nünnchen,  10.  Febr.  Bei  einem  Neubau  an
der  Augustenstraße  ereignete  sich  heute  vormirtag
  ein  schwerer  Unfall.  Der  30  Jahre  alte
Zimmerpolier  Michael  Reindl  hielt  den  Koof
über  das  Schutzgitter  des  Lastenaufzuges,  mit
dem  der  Mörtel  befördert  wird,  als  der  Aufzug
plötzlich  herunter  kam  und  Reindl  mit  aller  Wucht
am  Kopse  traf.  Der  Bedauernswerte  erlitt
einen  schweren  Schädelbruch  und  wurde  von  der
Sanitätskolonne  in  da  Schwobinger  Krankenhaus
  gebracht,  wo  er  bald  nach  der  Eirlieferung
  verschied.

Bayerische  Aachtichlen.

Pfarrkirchen,  10.  Febr.  Heute  nacht  gegen
  11  Uhr  brannte  das  GCütleranwesen  des
Anton  Maier  in  Reichenberg  vollständig  nieder.
Eine  alte  Frau,  die  das  Feuer  aus  Fahrläfsigkeit
  verursocht  haben  soll,  ist  in  den  Flammen
  umgekommen.

Canôshut,  10.  Febr.  Die  Kollegien  haben
laut  gemeinsamem  Beschluß  dem  Schriftsteller
August  Sieghart  in  Kufstein  für  hervorragende
Verienste  um  die  Stadt,  inobesondere  in  Anerlennung
  der  von  i.,  betätigten  Herausgabe
der  offizielien  Festschrift  uur  „Landohuter  Foczeit“
  ansätzlich  de:  Anwesenheit  des  Prinzregenlen
  am  17.  Tugust  v.  Is.,  die  große  #ilberno
Verdienstmedaille  nebst  Ehrenurkunde  verliehen.

Kaufbeuren,  10.  Febr.  Auf  dem  Wege  nach
Aufkirch  scheuten  die  Pferde  des  Oekonomen  Amberger
  von  Ketterschwang  und  rannten  gegen
ein  Gebäude,  wobei  der  Wagen  umschlug.  Amberger
  erlitt  einen  Schädelbruch  und  ist  noch
immer  bewußtlos;  auch  seine  Frau  und  seine
beiden  Têchter  wurden  schwer,  wenn  auch  nicht
lebensgefährlich  verletzt.

Kempten  i.  A.,  10.  Febr.  In  der  Feage
des  Realschulneubaus  beschlotz  der  Magistrat.
vorbehaltlich  der  Zustimmung  der  Gemeindebevollmächtigten,
  dem  Gutachten  des  Baurats  Prokessor
  Dr.  Gräßl  in  Müncken  folgend,  das
Projelt  der  Architekten  Heydecker  zur  Auefühtung
  zu  bestimmen.  Für  den  Bau  wurde  ein
Kredit  von  500  000  Mark  bewilligt,  der  durch
Aufnahme  eines  Anlehens  gedeckt  werden  fol.
Die  neue  Realschule  kommt  in  die  Salzstraße  auf
das  slädtische  Grundstück,  auf  dem,  nach  der
Frühlingsstraße  zu,  bereits  das  Wittelsbacher
Schulhaus  sicht.  Da  die  Salzstraße  eine  der
velebtesten  Straßen  ist,  soll  sie  auf  eine  grözere
  Strecke  geräuschloses  Pflasier  erhalten.

Bamberg,  10.  Febr.  Am  Samstag  heiratete
zin  Dienstmädchen  Anna  Himmelstein  einen  hieigen
  Stuklale##r.  Schon  lange  Zeit  vorher  war
die  Braut  von  einer  Frauensperson,  die  ein
Kind  von  letzterem  hat.  fortgesetzten  Drohungen
usgesetzt.  Die  funge  Frau  mag  sich  dadurch
wohl  recht  aufgeregt  haben.  Gestern  kamen  sie
don  der  Kirche  nach  Hause,  bald  darauf  wurde
ie  von  einem  Narken  Unwohlfein  befallen  und
"erschied  in  den  Armen  einer  Freundin.  Mir
dem  Brautkleide  engetan,  liegt  sie  nunmehr  auf
der  Bahre.

Wörthb  a.  Rh.  (Pfalz),  10.  Febr.  Einen
cchmeren  Verlust  erlitt  am  Samstag  ein  würtembergischer

  Schäfer,  der  seine  Schafherde  in
der  Nähe  des  Orles  eingepfercht  hatte.  Abends
legen  9  Uhr  bracken  die  Tiere  aus  und  gerieten
inter  die  Räder  eines  Eisenbahnzuges,  wobei
*2  Stück  getötet  wurden.  Da  die  Tiere  zum
Teil  trächtig  und  nicht  versichert  waren,  entteht
  dem  Schkäfer  ein  Schaden  in  Höhe  don
erwa  2000  Mk.

Bayerisches  Oberland.

Ueubeuern,  10.  Febr.  Wie  der  „Wendeltein“
  berichtet,  kand  am  Montag  hier  nach
längerer  Pause  wieder  einc  echte  Bauernhochkit
  siatt.  Herr  Johann  Stadler,  Bauer  in
Neuwöhr,  holte  sich  Frl.  Urschi  Mayer  von
Oberpôpnast  als  Frau  heim.  Ein  gar  schones
Stück  alten  Volkslebens  spielte  sich  dadei  wieder
1b.  Vor  dem  Hause  des  Bräusigams  hatt:
die  Nachdarschaft  einen  herclichen  Maibaum  geleckt,
  eine  alic  Sitte,  welche  hier  wieder  neu  auflebt.
  Unter  Masikklängen  zog  man  zum  Gotteshaus,
  und  die  Zeremonien  in  der  Kirche,  u.  3.
der  Opsergang.  bei  dem  der  Priester  jedem
den  Kelch  mit  Wein  reicht,  lassen  unsere  Gedanken
  zurückführen  in  altehrwürdige  Jeiten.  Ein
prächliges  Bild  alter  Tricht  bat  die  Bäuerin
mit  ihren  sarbigen  Gewändern.  Die  alte  Poesie
und  Prosa  lebte  wieder  neu  aufl  durch  die  weltliche
  Hochzeitsfeier.  Das  Mahl  machte  der  Küche
des  Heren  Obermayer  sowie  des  Frl.  Kathie
alle  Ehre  und  ein  Tüchl  „B’schoadessen“  erfreute
  am  andem  Tage  die,  welche  daheim  bleiben
  mußten.  Dem  neugeba  enen  Ehepoar  unsere
  besten  Wünsche!

Aeubeuern,  10.  Febr.  Verflossenen  Sonntag
  fand  diie  Gencralversammlung  der  freiw.
Feuerwehr  Neu=  und  Altenbeuern  statt.  Nach
Erstattung  eines  ausführlichen  Jahreberichtes
von  seiten  des  Herrn  Vorstand  Peiel,  sowie  des
Kassaberichts  durch  Herrn  Kassier  Müller  wurde
zur  Besprechung  wichtiger  Vereinsangelegenheiten
  übergegangen.  Die  Uebungen,  welche  bisher
  gemeinsam  mit  freiw.  und  Dflichtfeuerwehr
abgehalten  wurden,  müssen  infolge  der  gro- 



 

 

ben  Zahl  von  Feuerwehmännern  und  wegen