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gab das erste Beispiel einer aͤcht katholischen Kirche, die fortdaurend
keine Gemeinschaft mit dem Rômischen Stuhl hat.
Ludwig XIV. that so viel ungerechtes, um den Haß der
Jesuiten und des Pabsts gegen die Jansenisten zu befriedigen,
und pochte zu gleicher zeit dem Pabste so sehr, daß man
glauben sollte, er habe recht planmäßig alles Dogmati,
sche preiß gegeben, um nur Souverain der Hicrarchie zu wer-1628
den. Aber ein Regent, der bloß nach Passionen und augenblicklichen
Bedürfnissen handelt, kann keinen Plan haben, es
isi ihm vielleicht um Erweiterung seiner Regalrechte,
aber nicht um gesichertes richtiges Verhältniß des Staats und
der Kirche zu thun. Er that gerade nur so viel, daß der
Pabst sah, was er thun könnte; seine Geistlichkeit mußte sich
1682 versammeln und vier Sätze abfassen, welche wenigstens den
gröbsten curialistischen Frrthümern steuern. Bossuel
mußte darüber commentiren und wenn Launoy noch gelebt
hätte, würde er noch emphatischer darüber commentirt haben,
aber was war das Ende — daß es beim schreiben und sar
gen blieb, daß der Pabst, so bald er sich mit den Jesuiten
ausgesöhnt, wieder so unumschränkt in Frankreich befehlen
konnte als vorher.
Es war unmöglich, daß eben der Ludwig, der Drago,
ner aussandte die Hugonotten zu bekehren, die Katholische
Kirche seines Reichs vom Druck des päbftlichen Jochs befrei,
en konnte; zwei so ungleichartige Früchte reifen nicht leicht
in ciner Scele. Der sanfte, edle Fenelon hat es unge.
führ zehen Jahre nach dem Streit, den Ludwig wegen der
1697 Quartiersfreiheit mit dem Pabst führte, traurig genug erfahren,
wozu die Hofpartic und selbst auch ein Bossuet den Pabst
noch immer brauche, warum also unter solchen Regierungen
keine wahre Freiheit zu erwarten sey.