Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Wohl  leisteten  einzelne  Verbände  noch  tapferen  Widerstand.  Die  Masse
ader  verfiel  unter  dem  Einfluß  der  „Soldatenräte“  vollkommener  Auflösung
und  flutete  fluchtartig  der  Heimat  zu.  Die  verbündeten  Armeen  folgten  dicht
auf  und  trieden  den  Feind  aus  Gallzien  und  aus  der  Bukowina  hinaus.  Schon
am  2.  August  zogen  die  Osterrescher  adermals  in  Czernowitz  ein.  Am  10.  August
waren  die  vordersten  Linien  so  weit  vorgetragen,  daß  nur  noch  ein  schmaler
Streifen  der  Bukowina  an  der  rumänischen  Nordwestgrenze  und  ein  Stück
Gallzlen  mit  Brody  in  russischen  Händen  war.  Nun  ader  machte  sich  die  Ermüdung
  geltend  nach  einem  starmischen  Vormarsch  von  drei  Wochen,  den  die
Angreifer  als  Erlöfung  von  der  Qual  des  Schützengrabenkriegee  degrüßt  hatten.
Sie  mußten  sich  dennoch  dazu  verstehen,  sich  anfe  neue  in  die  Erde  zu  wühlen.
Die  Bahnlinlen  dee  zurückeroderten  Gedietes  waren  zu  gründlich  zerstört.  Der
Nachschud  wurde  schwierig.  Die  O.  S.  L.  mußte  schweren  Herzens  auf  die  Hoffnung
  verzichten,  den  Anlauf  auch  auf  die  Moldau  auezudehnen.

Ein  späterer  Versuch,  die  Offensive  gegen  dle  rumänische  Front  wleder  aufzunehmen,
  konnte  zwar  den  Teillerfolg  eines  russisch-rumänlischen  Entlastungestoßes
  wieder  ausgleichen,  scheiterte  aber  an  der  durch  französssches  Eingreifen
erzlelten  Erstarkung  der  rumänischen  Armee.

5.

Am  selben  Tage,  an  dem  dle  deutschen  Stoßtruppen  im  Orang  eines  ungebrochenen
  Angriffsgeistes  die  russischen  Stellungen  durchbrachen,  deriet  und
beschloß  der  Deutsche  Relchstag  selne  Friedeneresolution

Sie  bedeutet  den  Elpfelpunkt  einer  Entwicklung,  die  verbängnievoller
als  alle  militärischen  Enttäuschungen  den  Widerstand  der  MWittelmächte  unterhoͤhlt
  hat.

Wie  für  die  Entente  Rußland,  so  war  für  den  Vierdund  Osterreich,  um
mit  Bethmann  zu  reden,  „der  politisch  schwächste  Punkt“  geworden.  Osterrelche
Bundestreue  hatte  einen  entscheidenden  Stoß  erhalten:  am  21.  November  1916
batte  der  Cod  dem  Kaiser  Franz  Joseph  die  Erlösung  gebracht.  Mit  ihm  war
das  letzte  Band  gefallen,  das  die  Volter  der  Donaumonarchie  noch  mit  einem
Scheln  von  Zus  fübl  verdunden  hatte.  Er  hatte  dem
Deutschen  Reich  im  Frieden  und  Krieg  *  Kameradschaft  Osterreichs  gewährleistet:
  nun  degann  sie  zu  wanken.  Sein  Großneffe  und  Nachfolger  Kalser  Karl
stand  völlig  unter  dem  Einflusse  seiner  Frau,  die  den  Familien  Bourbon  und
Braganza  entstammte  und  mit  ententistischen  Nelgungen  erdlich  belastet  war.
Sein  erster  Berater,  Graf  Czernin,  stand  unter  der  Wahnvorstellung,  für  Osterreich-Ungarn
  lasse  sich  von  der  Entente  noch  ein  glimpflicher  Friede  erhandeln,
wenn  man  —  dae  Bündnuie  preisgäbe  ...

Und  nun  begann  eln  ekelhaftes,  schmutiges  Intrigenspiel.  Schon  vor  dem
deutschen  Friedensangedot  vom  12.  Dezember  1916  ließ  die  Schwiegermutter
des  Kalsere  Karl  ühre  deiden  Söhne  Sixtus  und  Aaver,  Prinzen  von  Parma,
Leutnante  in  der  delgischen  Armee,  „im  Herzen  durch  und  durch  Franzosen“
(Ludendorff),  zu  sich  kommen  und  vertraute  ihnen  an,  ihr  Schwiegersohn,  der

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