Volltext: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Kritische Erörterungen 
zum 
zweiten Buche. 
J. 
Für diese Angaben existieren mehrere, allerdings nicht sehr kräftige Beweise, g 
Für Ravensburg als Geburtsort: der Umstand, daß dorthin Heinrichs des Stolzen 
junge Gemahlin Gertrud sogleich nach ihrer Vermählung gebracht wurde (dieses hat 
Hormayr, Beiträge zur Geschichte Heinrichs des Löwen, S. 5, 14 erwiesen), 
und daß Heinrich der Löwe später die Behauptung aufstellte, er sei aus Schwaben 
entstammt (Arnoldus Lubicensis, Chronica Slavorum, II, 24). Für 1129 als Geburts- 
jahr: Propst Gerhard von Stederburg, ein Sachse und Zeitgenosse Heinrichs des 
Löwen, gibt an, der letztere sei bei seinem Tode im Jahre 1195 im 66. Lebensjahre 
gewesen, was als sein Geburtsjahr die Zahl 1129 ergibt (M. G. Ss. XVI. p. 231). — 
Bei mancmhem hat es Anstoß erregt, daß Heinrich erst im Jahre 1135 getauft wurde 
(Annales Weingartenses Welfici M. G. Sa. XVII, p. 308); indes war eine solche 
späte Taufe keine Seltenheit. 
Böttiger (Heinrich der Löwe, S. 59) meint, aus einer Stelle der Vita Mein- b 
werci (Leibniz, Script. Brunsv. I, p. 519) schließen zu können, daß Heinrich der 
Löwe auf der Klosterschule zu Hildesheim studiert habe. Die Stelle lautet: Mein- 
vercus Igeboren um 9701] etatis rudimenta provectioris in ecclesia Hüdes- 
hememi peregit: ubi Heinricus filius ducis Bavariae Heinrich ecum theorise 
studiüss continuam operam dedit. Es ist klar, daß der Heinrich, der um 980 mit Mein- 
werk zusammen in Hildesheim studierte, nicht der junge Heinrich der Löwe sein kann, 
sondern vielmehr der spätere Kaiser Heinrich II. ist. Vgl. die Introductio von Leibniz. 
— Die Geschichte von dem Eide des Hasses gegen die Heiden, den der junge Heinrich 
abgelegt haben soll, die Saxo Grammaticus lib. XIV (M. G. Ss. XXIX. 119 f.) er- 
zählt, ist, zumal dic in ihr enthaltenen Umstände allen geschichtlichen Tatsachen wider- 
sprechen, offenbare Erdichtung. 
Die Geschichte der Schlacht bei Weinsberg geben: Anonymus Saxo ap. Mencken, e 
Scriptores rerum German., III. p. 106; Ottonis Frisingensis Chronicon VII, 25; 
Theodorns Monachus Palidensis M. G. Sa. XVI,. p. 80; die Kaiserchronik ed. Massmann 
II. p. 534 v. 17. 250 ff. — Die Erzählung von der Weibertreue bringt zuerst die 
Chronica Regia Coloniensis. Sie wird besonders durch Prutz, Heinrich der Löwe 
(Leipzig 1865), S. 442 f. widerlegt. — Scheffer--= Boichorst hält sie aufrecht, 
auf Grund der Paderborner Annalen (deren Ausgabe durch ihn, S. 199 ff.). Mit 
Kecht weist er das dagegen ins Feld geführte argumentum e silentio zurück, „diese 
Krücke einer lahmen Forschung“. — Eine späte Erfindung ist höchstwahrscheinlich, 
daß in dieser Schlacht zum ersten Male die Rufe: Hie Welf! Hie Waiblingen! sich 
begegnet hätten. Die Angabe erscheint zuerst im 15. Jahrhundert. Behrens, 
Herzog Welf VI., S. 101. 
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