Full text: Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904. (15)

bemühte sich, Ungehörigkeiten seiner Leute zu ver- 
hindern, welche ihren Haß gegen meine Bamums 
nicht verbargen. Ich warnte daher die Eingeborenen, 
während der Nacht an das Lager zu kommen und 
veranlaßte den Häuptling zu einem entsprechenden 
Verbot. Nana bat mich wiederholt um meinen 
Besuch am folgenden Morgen, den ich ihm auch 
versprach. Mit 10 Soldaten betrat ich den nächsten 
Vormittag den großen Beratungsplatz, an welchen 
sich die stattlichen Gebäude der Häuptlingswohnung 
anschließen. In einem nach der Lagerseite offenen 
Viereck waren wohl 2000 Mann aufgestellt, die 
entgegen der Sitte des Graslands sämtlich Waffen 
trugen. Nana war selbst noch nicht anwesend. Als 
er erschien und mir entgegengehen wollte, warfen 
sich zahlreiche seiner Leute dazwischen und versuchten, 
ihn zurückzuhalten. Der entstehende Lärm, das Ge- 
töse der aneinandergeschlagenen Waffen machten eine 
Unterhaltung auch dann noch einige Zeit unmöglich, 
als der Häuptling sich endlich mir gegenüber nieder- 
gelassen hatte. Keine Spur von der ehrerbletigen 
Scheu, welche gegenüber Joia von seinen Unter- 
gebenen zur Schau getragen wird, war zu be- 
merken. Energisch trat Nana erst auf, als zahlreiche 
Gewehrträger, welche er wegjagte, in der bisher 
offenen Seite der Aufstellung erschienen. Die ge- 
wünschte Auskunft über den weiteren Weg könne er 
erst den folgenden Morgen geben, erklärte der 
Häuptling, er werde dann auch Wegeführer mit- 
bringen, vorher aber müsse er mit seinen Großen 
beraten. Jetzt könne er nur mitteilen, daß die 
Expedition kelnenfalls nach Westen oder Südwesten 
marschieren solle, die Wege seien zu schlecht und die 
dort wohnenden Stämme würden mich nicht durch- 
lassen. Am Nachmittag lud ich ihn zu längerer 
Unterredung ein. Bei derselben waren selne Rat- 
geber nicht anwesend, und der schon am ersten Tage 
gewonnene Eindruck bestätigte sich, daß nämlich Nana 
selbst keineswegs feindlich gesinnt oder vernünftigen 
Vorstellungen unzugänglich sei, daß aber seine 
Autorität kaum hinreiche, den offenen Ausbruch von 
Feindseligkeiten seiner Leute zu verhindern; daß es 
nicht dazu kam, ist wesentlich der tadellosen Haltung 
melner Soldaten zuzuschreiben, welche die auf- 
reizenden Reden und Gesten des Bangatos nicht 
beachteten. Die Frage des Bahnbaus ließ ich unter 
den obwaltenden Umständen unerörtert, zumal sich 
ergab, daß ein Interesse an Handelsverkehr mit 
Europäern nicht vorhanden ist. Nana erklärte mir, 
keinen weiteren Kaufmann im Lande haben zu wollen, 
obwohl er solche schon gesehen habe und auch wisse, 
daß in Bamum eine Faktorei bestehe. Als erster 
Europäer wahrscheinlich ist Ramsay in Begleitung 
eines Angestellten der Gesellschaft Nordwestkamerun 
1902 in Bangato gewesen; auf die Route dieses 
Reisenden war die Exvedition zwischen Nun und 
dem Dorfe gestoßen. Wohl bekannt und geachtet ist 
Fonjonge von Ball in Bangato. Nana sprach von 
ihm als seinem guten Freunde, mit dem er in Handels- 
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beziehungen stehe, waß nicht erstaunlich ist, da ja 
in Bansoa lange schon Balihändler festgestellt worden 
sind. Die Stationen Fontem und Bamenda kannte 
der Häuptling und versprach, an letztere einen 
Elfenbeinzahn zu senden, den er mir am nächsten 
Morgen zeigen wolle. Für den 19. hatte ich trotz 
des Abratens den Weitermarsch in westlicher Richtung 
angeordnet, um endlich über den Batscha ins Klare 
u kommen, von dem ich auch in Bangato nur die 
höchste Spitze zu sehen bekommen hatte. 
In der Frühe erschien Nana mit zwei Wege- 
führern, aber ohne Elsfenbeinzahn. Auch jetzt machte 
er den Versuch, mich in südöstlicher Richtung in 
Bewegung zu setzen, seine Wegeführer entllefen, als 
ich auf dem Marsch nach Westen bestand. Dieser 
führte auf gutgehaltenem Wege durch ein reich an- 
gebautes, stark bevölkertes Hügelland nach Fongafa. 
Auf der kurzen, etwa 8 km betragenden Strecke bis 
dahin waren acht Grabenanlagen und Pallisaden= 
wände zu passieren, woraus ich, da die Anlagen in 
recht gutem Zustand sich befanden, schloß, daß trotz 
des gemeinsamen Abhängigkeitsverhältnisses zu Ban- 
gato die einzelnen Dorfschaften untereinander nicht 
in Frieden lebten. Auf den Hügelkuppen an der 
Straße saßen an mehreren Stellen Wachtposten, 
welche das Herannahen der Expedition durch ein 
langgezogenes Pfeisen meldeten, worauf jedes Mal 
zahlreiche Leute herbeieilten, die Straße sperrten 
und mich aufforderten, zurückzumarschieren. Die 
Trommelsprache scheint nicht bekannt zu sein, 
denn weder in Bangato noch weiterhin bis Fonkwe 
habe ich die großen Palavertrommeln gesehen oder 
die Töne der Kriegstrommel gehört. Pferde sind 
unbekannt, während ich nach einer früheren Uber- 
setzung durch den Dolmetscher gelegentlich elner Frage 
danach geglaubt hatte, in Bangato solche zu finden. 
Das Erstaunen und der Schrecken, welchen die 
Pferde bei den Eingeborenen hervorriefen, kam der 
Expedition jetzt zugute, denn häufig genügte es, in 
scharfer Gangart auf die dichten Scharen loszurelten, 
um den Weg frei zu bekommen. Nur einmal wurde 
auf die Nachspitze geschossen, doch erwiderte der 
Führer derselben, Unteroffizier Siebrandt, den Schuß 
nicht. Durch sein ruhiges und besonnenes Wesen 
hat dieser Unteroffizier während der ganzen Dauer 
der Expedition wesentlich dazu beigetragen, daß die- 
selbe im allgemeinen friedlich verlaufen ist. 
Fongafa liegt ungefähr auf gleicher Höhe wie 
Batscham, also über Statlon Bamenda, und ist das 
höchstgelegene Dorf, welches die Expedition berührte. 
Der Häuptling zeigte erst einige Besorgnis, wurde 
aber bald zutraulich und erschien am Abend mit 
400 bis 500 Leuten und reichlicher Verpflegung. 
Fongafa ist von Bangato unabhängig, hat aber, wie 
der Häuptling klagte, unter den Ubergriffen des 
mächtigen Nachbars zu leiden. Das Dorf ist von 
beträchtlichen Erhebungen umgeben, welche den 
Batscha verdeckten. Europäer seien nie bei ihm ge- 
wesen, berichtete der Häuptling, er habe auf die
	        
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