Eine weitere Fortsetzung des Marsches nach
Westen gab ich im Sinne meines Auftrages nun-
mehr auf und bestimmte für den 3. Dezember als
Marschziel Mbang. Den 2. noch in Foriem zu
bleiben, veranlaßte mich die ungemein freche Haltung
der Bevölkerung, welche am 1. meine Arbeiten auf
unliebsame Weise dadurch unterbrach, daß der Ver-
kehr mit dem Lager durch Bewaffnete gehemmt und
Boten dahin unter Kriegsdrohungen nicht durch-
gelassen wurden. Diesen Boten, nicht Soldaten,
sondern einem Dolmetscher mit zwel Begleitern,
nahmen die Leute einen Speer und eine Kappe ab
und ließen mir sagen, meine Rückkehr zum Lager
würden sie verhindern. Als ich mit meiner Beglei-
tung von sechs Soldaten erschien, erklärten mir die
Dibums, sie duldeten nicht länger, daß der Weiße
von Hügel zu Hügel ginge und Unschau halte,
außerdem wollten sie keine Bamums im Lande haben
und da der Häuptling es nicht tun wolle, forderten
sie mich auf, sofort ihr Land zu verlassen. Die
Drohung, ich würde den Befehl zum Feuern geben,
wenn der Weg nicht frei gemacht würde, genügte,
die Bewaffneten zu eiliger Flucht zu veranlassen.
Ich ließ mir nun den Häuptling holen, setzte ihm
eine kurze Frist zur Zurücklieferung der geraubten
Stücke und erreichte damit, daß er am Nachmittag
mit etwa 200 bis 300 Leuten erschien, um Ver-
zeihung bat und nach erfolgter Rückgabe von Speer
und Kappe einen Elfenbeinzahn als Sühne über-
reichte. Während die Dibums Tänze aufführten,
beklagte sich der Häuptling über die Mbangleute,
mit denen er in Unfrieden lebte, ebenso aber auch
darüber, daß ich ihm Bamums in das Land gebracht
hätte, denen sich die Sklaven auf dem Weitermarsch
anschließen wollten. Schlleßlich erbat er einen
Schutzbrief, den ich ihm abschlug. Die relativ
freundliche Holtung des Häuptlings ist das Ergebnis
einer vorausgegangenen Beratung, in der die Kunde
von der Niederlage der Bamanas den Ausschlag
gegeben hatte.
Am 3. Dezember marschierte die Expedition ab
und stleß auf dem Wege nahe am Makombe auf
eine ungemein feste, aus durchgeschnittenen Stämmen
bestehende Sperre, welche beseitigt wurde. Der
Makombe ist an der Ubergangsstelle 40 bis 50 m
breit und 1,10 bis 1,80 m tief, der Geländeeinschnitt
ist ein bedeutender und die Hügel fallen auf beiden
Seiten des Flusses steil ab.
In Mbang hatte der Häuptling die deutsche
Flagge aufgezogen und begrüßte die Expedition in
einer unterwürfigen Weise, welche weit entfernt von
der Haltung eines selbstbewußten und einflußreichen
Oberhaupts eines großen Gebiets war, das bis an
die Tore Jabassis reicht. In der Tat ist sein An-
sehen auch ein äußerst geringes, seine Stellung als
Oberhäuptling wird nur von wenigen anerkannt,
sonderlich geachtet aber von niemand. Der Vergleich
mit den Graslandstämmen fiel sehr zuungunsten
der Eingeborenen jenseits des Makombe und zwar
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desto mehr, je näher die Expedition an Jabassi kam.
Große Dörfer habe ich auf dieser Strecke nicht ge-
sehen, zahlreiche an der Straße liegende Häuser-
gruppen unter meist einem besonderen Häuptling
führen als Dörfer den Namen desselben, woraus
der häufige Wechsel ihrer Bezeichnung sich erklärt.
In Mbang konnte eine Kontrollgrundlinie mit dem
Maßband gemessen und mit früher gepeilten Punkten
verbunden werden, was um so wertvoller erschien,
als vom Häuptlingsplatze bezw. einer kleinen Er-
hebung in dessen Nähe ein Blick auf den Plateau-
abfall südöstlich Fonjatebas sich öffnete.
Von Mbang aus gesehen, stellte der Rand sich
als geschlossener Gebirgszug von 700 bis 900 m
relativer Höhe dar, der bis südöstlich des Dorfes
sichtbar wurde.
Der Marsch nach Konscha (Nkonscha) zeigte be-
sonders in der ersten Hälfte nur geringe Hügel-
bildung, die Einschnitte erschienen unbedeutend und
der ohnehin lichte Wald fehlte auf einigen Kuppen
völlig. Der gute Weg zeigte nirgends Sumpfstellen;
kurz vor Konscha kreuzt er mehrfach den 6 bis 8 m
breiten Matopa und steigt dann ziemlich steil zu dem
Hügeldorfe empor, das einen prachtvollen Blick auf
das Hochplateau gewährt. Die einzelnen Hügelketten
und Bergzüge konnten deutlich gesehen und gepeilt
werden, die rundlichen Kuppen der Erhebungen
zwischen Fonjateba und Bangato unterscheiden sich
trotz der großen Entfernung klar von den schrosseren
Formen des Batsche-Gebirgsstocks.
Über Bankambe, wo die Spuren eines kürzlich
aufgestellten Europäerzelts noch zu sehen waren,
führte am 8. Dezember der Weg durch reiche Farm-
anlagen und zerstreute Häusergruppen ohne Gelände-
schwierigkeiten nach Bionschape, welches fast genau
auf gleicher Höhe mit Konscha liegt. Von Bion-
schape aus trat ich mit Station Jabassi in Verbin-
dung, wohin Unteroffizier Siebrandt mit einem Telle
der Exvedition vorausmarschierte. Der Transport
eines Verwundeten vom Gefecht am 20. November
nach Duala hatte sich als nöng erwiesen.
Die Voraussendung konnte ohne jedes Bedenken
jetzt geschehen, während leider die unklaren Verhält-
nisse in den reich bevölkerten Gegenden des Gras-
lands seit überschrelten des Nun eine Trennung der
Expedition bei dem schwachen Begleltkommando fast
nie gestatteten und so die Aufklärungsaufgaben er-
schwerten. Dicht hinter Bionschape traf die Expe-
dition auf die Njamsefaktorei von J. Holt & Co.,
als am 10. Dezember der Abstieg nach dem Nkam
stattfand. Bis Tuba folgte derselbe einem lang-
gestreckten bewaldeten Höhenrücken, der ungemein
schmal ist und auf beiden Seiten tiefen Steilabfall
zeigt. In weiter Entfernung schon wurde das
Rauschen des reißenden Bergwassers hörbar, welches
an der Übergangsstelle in einem nach Süden zu
offenen Bogen vorüberschießt. Da die Hängebrücke
zerrissen im Wasser lag, wurde mittels einiger über-
gelegter Baumstämme der Übergang ohne Störung