Full text: Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904. (15)

Eine weitere Fortsetzung des Marsches nach 
Westen gab ich im Sinne meines Auftrages nun- 
mehr auf und bestimmte für den 3. Dezember als 
Marschziel Mbang. Den 2. noch in Foriem zu 
bleiben, veranlaßte mich die ungemein freche Haltung 
der Bevölkerung, welche am 1. meine Arbeiten auf 
unliebsame Weise dadurch unterbrach, daß der Ver- 
kehr mit dem Lager durch Bewaffnete gehemmt und 
Boten dahin unter Kriegsdrohungen nicht durch- 
gelassen wurden. Diesen Boten, nicht Soldaten, 
sondern einem Dolmetscher mit zwel Begleitern, 
nahmen die Leute einen Speer und eine Kappe ab 
und ließen mir sagen, meine Rückkehr zum Lager 
würden sie verhindern. Als ich mit meiner Beglei- 
tung von sechs Soldaten erschien, erklärten mir die 
Dibums, sie duldeten nicht länger, daß der Weiße 
von Hügel zu Hügel ginge und Unschau halte, 
außerdem wollten sie keine Bamums im Lande haben 
und da der Häuptling es nicht tun wolle, forderten 
sie mich auf, sofort ihr Land zu verlassen. Die 
Drohung, ich würde den Befehl zum Feuern geben, 
wenn der Weg nicht frei gemacht würde, genügte, 
die Bewaffneten zu eiliger Flucht zu veranlassen. 
Ich ließ mir nun den Häuptling holen, setzte ihm 
eine kurze Frist zur Zurücklieferung der geraubten 
Stücke und erreichte damit, daß er am Nachmittag 
mit etwa 200 bis 300 Leuten erschien, um Ver- 
zeihung bat und nach erfolgter Rückgabe von Speer 
und Kappe einen Elfenbeinzahn als Sühne über- 
reichte. Während die Dibums Tänze aufführten, 
beklagte sich der Häuptling über die Mbangleute, 
mit denen er in Unfrieden lebte, ebenso aber auch 
darüber, daß ich ihm Bamums in das Land gebracht 
hätte, denen sich die Sklaven auf dem Weitermarsch 
anschließen wollten. Schlleßlich erbat er einen 
Schutzbrief, den ich ihm abschlug. Die relativ 
freundliche Holtung des Häuptlings ist das Ergebnis 
einer vorausgegangenen Beratung, in der die Kunde 
von der Niederlage der Bamanas den Ausschlag 
gegeben hatte. 
Am 3. Dezember marschierte die Expedition ab 
und stleß auf dem Wege nahe am Makombe auf 
eine ungemein feste, aus durchgeschnittenen Stämmen 
bestehende Sperre, welche beseitigt wurde. Der 
Makombe ist an der Ubergangsstelle 40 bis 50 m 
breit und 1,10 bis 1,80 m tief, der Geländeeinschnitt 
ist ein bedeutender und die Hügel fallen auf beiden 
Seiten des Flusses steil ab. 
In Mbang hatte der Häuptling die deutsche 
Flagge aufgezogen und begrüßte die Expedition in 
einer unterwürfigen Weise, welche weit entfernt von 
der Haltung eines selbstbewußten und einflußreichen 
Oberhaupts eines großen Gebiets war, das bis an 
die Tore Jabassis reicht. In der Tat ist sein An- 
sehen auch ein äußerst geringes, seine Stellung als 
Oberhäuptling wird nur von wenigen anerkannt, 
sonderlich geachtet aber von niemand. Der Vergleich 
mit den Graslandstämmen fiel sehr zuungunsten 
der Eingeborenen jenseits des Makombe und zwar 
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desto mehr, je näher die Expedition an Jabassi kam. 
Große Dörfer habe ich auf dieser Strecke nicht ge- 
sehen, zahlreiche an der Straße liegende Häuser- 
gruppen unter meist einem besonderen Häuptling 
führen als Dörfer den Namen desselben, woraus 
der häufige Wechsel ihrer Bezeichnung sich erklärt. 
In Mbang konnte eine Kontrollgrundlinie mit dem 
Maßband gemessen und mit früher gepeilten Punkten 
verbunden werden, was um so wertvoller erschien, 
als vom Häuptlingsplatze bezw. einer kleinen Er- 
hebung in dessen Nähe ein Blick auf den Plateau- 
abfall südöstlich Fonjatebas sich öffnete. 
Von Mbang aus gesehen, stellte der Rand sich 
als geschlossener Gebirgszug von 700 bis 900 m 
relativer Höhe dar, der bis südöstlich des Dorfes 
sichtbar wurde. 
Der Marsch nach Konscha (Nkonscha) zeigte be- 
sonders in der ersten Hälfte nur geringe Hügel- 
bildung, die Einschnitte erschienen unbedeutend und 
der ohnehin lichte Wald fehlte auf einigen Kuppen 
völlig. Der gute Weg zeigte nirgends Sumpfstellen; 
kurz vor Konscha kreuzt er mehrfach den 6 bis 8 m 
breiten Matopa und steigt dann ziemlich steil zu dem 
Hügeldorfe empor, das einen prachtvollen Blick auf 
das Hochplateau gewährt. Die einzelnen Hügelketten 
und Bergzüge konnten deutlich gesehen und gepeilt 
werden, die rundlichen Kuppen der Erhebungen 
zwischen Fonjateba und Bangato unterscheiden sich 
trotz der großen Entfernung klar von den schrosseren 
Formen des Batsche-Gebirgsstocks. 
Über Bankambe, wo die Spuren eines kürzlich 
aufgestellten Europäerzelts noch zu sehen waren, 
führte am 8. Dezember der Weg durch reiche Farm- 
anlagen und zerstreute Häusergruppen ohne Gelände- 
schwierigkeiten nach Bionschape, welches fast genau 
auf gleicher Höhe mit Konscha liegt. Von Bion- 
schape aus trat ich mit Station Jabassi in Verbin- 
dung, wohin Unteroffizier Siebrandt mit einem Telle 
der Exvedition vorausmarschierte. Der Transport 
eines Verwundeten vom Gefecht am 20. November 
nach Duala hatte sich als nöng erwiesen. 
Die Voraussendung konnte ohne jedes Bedenken 
jetzt geschehen, während leider die unklaren Verhält- 
nisse in den reich bevölkerten Gegenden des Gras- 
lands seit überschrelten des Nun eine Trennung der 
Expedition bei dem schwachen Begleltkommando fast 
nie gestatteten und so die Aufklärungsaufgaben er- 
schwerten. Dicht hinter Bionschape traf die Expe- 
dition auf die Njamsefaktorei von J. Holt & Co., 
als am 10. Dezember der Abstieg nach dem Nkam 
stattfand. Bis Tuba folgte derselbe einem lang- 
gestreckten bewaldeten Höhenrücken, der ungemein 
schmal ist und auf beiden Seiten tiefen Steilabfall 
zeigt. In weiter Entfernung schon wurde das 
Rauschen des reißenden Bergwassers hörbar, welches 
an der Übergangsstelle in einem nach Süden zu 
offenen Bogen vorüberschießt. Da die Hängebrücke 
zerrissen im Wasser lag, wurde mittels einiger über- 
gelegter Baumstämme der Übergang ohne Störung
	        
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