durchaus zugetan und bisher bei jedem ihr Gebiet
passierenden Europäer erschienen. Die natürliche
Folge hiervon war, daß sie an Ansehen bei ihren
Untergebenen gewonnen und sich bei der entfernten
Lage ihrer Gebiete mehr oder minder vom Kisabo
selbständig machen konnten. Die Klage Kisabos
gegen diese beiden überraschte mich daher auch nicht,
habe ich doch während der ganzen in Urundi ge-
führten Verhandlungen den Eindruck der größten
politischen Zerfahrenheit gewonnen, wie sie größer
wohl noch in keinem Gebiete der Kolonie bestanden
hat und bestehen wird. Es wird sehr schwer sein,
hier Verhältnisse zu schaffen, wie sie für die Ent-
wicklung dieses Landes sicherlich des reichsten und
aussichtsvollsten Gebletes unserer Kolonie notwendig
wären; es ist unmöglich aber, diese schon jetzt herbei-
zuführen. Hier kann nur Zelt und Ruhe Ord-
nung schaffen. Die Hauptbedingung, dieses erreichen
zu können, blieb aber einzig und allein die vorherige
Unterwerfung Kisabos.
Während mich noch kleinere Schauris in Iki-
ganda festhielten, erhlelt die Abteilung Bismarkburg
den Auftrag, durch Süd-Urundi nach Muyaga zu
marschieren, von dort den Weg nach Mugera zu
nehmen, auf dieser Strecke nach Möglichkeit kleinere
Schauris zu erledigen und der Bevölkerung bekannt
zu geben, daß Kisabo als Mwezi in Urundi belassen
sei, dessen Anordnungen sie sich nunmehr zu fügen
hätten. Die Abteilungen Usumbura I und II wurden
in Ikiganda zu einer Abtellung vereinigt, da durch
Belassung der Posten in Mubekeye, Muramwya und
Iliganda ein erheblicher Abgang von Askaris ein-
getreten war. In Ikliganda verblieb vorläufig
Unteroffizier Gebel mit 8 Askaris, bis der von
Usumbura befohlene Unteroffizier Ehrhardt diesen
Posten übernehmen würde. Dieser Posten erhielt
den Auftrag, in der Nähe Kisabos ein provisorisches
Standlager zu bauen, hierbel die Bevölkerung durch
Heranzlehen zur Arbeit an Ruhe und Ordnung zu
gewöhnen und dem Kisabo behilflich zu sein, die in
der Umgegend von Ikiganda noch bestehenden
Schauris auf friedlichem Wege zu erledigen. Die
Stärke des Postens wurde auf 1 Offizier, 1 Unter-
offizier und 20 Askaris festgesetzt, welche teils von
der Expeditionsabtellung, kells aus Usumbura ab-
gegeben werden sollten.
Die Abteilung Usumbura verließ dann am
15. Juni unter Zurücklassung des Postens in Iki-
ganda das bisherige Standlager, um in großem
Bogen nach Süden Mugera zu erreichen und auf
diesem Wege durch friedliche Schauris die Be-
völkerung zu beruhigen. Zuerst wurde der Weg
in östlicher Richtung nach dem Kashingwerücken ge-
nommen, wo der Superior P. Désoignies und
P. Bonnau aus Mugera zur Abteilung stleßen, um
sich nach Ikiganda, Muramwya und Mubekeye zu
begeben und dort den Kisabo, Matshontsho und
Kitinwa zu besuchen. Der Weitermarsch führte in
südlicher Richtung auf dem 2000 bis 2300 m
10
hohen Kihinga-Plateau entlang und verlief zunächst
in durchaus befriedigender Weise.
Die Bevölkerung zog glelch Ameisenhaufen mit
Verpflegung hinter der Abteilung her und verhielt
sich ruhig und friedlich. Dieses Benehmen hielt an
bis zum 18. Juni, wo in der Landschaft Kungara
gelagert wurde. Hier war die Bevölkerung schon
vorher geflohen und begegnete allen Angehörigen
der Abteilung feindlich und agressiv. Der in der
Nähe des Lagers auf Trappenjagd gehende Stabs-
arzt Dr. Schörnich wurde hier am 18. Junl von
Eingeborenen ohne jeden Grund angegriffen und
durch einen Pfeilschuß in den linken Oberschenkel
leicht verwundet. Da der Pfell nicht vergiftet war,
erholte der Verwundete sich schnell, so daß er bereits
am 24. Juni vollständig wiederhergestellt war und
den Marsch zu Fuß mitmachen konnte. In der
Nacht vom 18. zum 19. Juni entsandte ich dann
eine stärkere Abteilung unter Feldwebel Münzner
mit dem Befehle, die schuldigen Eingeborenen zu
bestrafen. Von Kungara gelangte die Abteilung
dann in vier Märschen nach Mugera, überschritt
auf dem Wege dorthin den Rwaga und Mtwenzibach
und zweimal den Luwironzafluß. Die Bevölkerung
verhielt sich, wenn auch scheu, so doch ruhig und
brachte in mehreren Lagern hinreichend Verpflegung.
Die größeren Watoale erschienen zum Teil im Lager,
um ihre alten Klagen vorzubringen und in der
Hoffnung, elnige Rinder als Geschenk zu erhalten. Ich
verwies sie alle nach Mugera, wo ich einen längeren
Aufenthalt nehmen wollte. Am 22. Juni traf die
Abteilung in Mugera ein und wurde in liebens-
würdigster Weise von den Missionaren aufgenommen.
Den hier in Mugera seit Monat März stationierten
Posten konnte ich, da nunmehr jede Gefahr beseitigt
war, einziehen.
Die Abteilung Bismarkburg hatte am 9. Juni
Iliganda verlassen und ihren Weg über Kitaba,
den Uberfallsort des Kisabolagers, den Kanigafluß
nach dem Kihingaplateau genommen. Sie ging
dann in südöstlicher Richtung über den Miwavuli
und Rwagabach in die Landschaft Ibutego. Am
11. Juni gelangte die Abteilung in die Provinz
Ubututsi, am 12. Juni wurde der Luwironzafluß
überschritten und in der Landschaft Klkwazo, dem
Mtoaole Mugwengezo untertan, gelogert. Mug-
wengezo hatte die Abteilung von Ikiganda bis hier
begleitet. Von Kilwazo wurde in nordöstlicher
Richtung auf Muyaga marschiert und die dortige
Missionsstation am 19. Juni erreicht. Auf dem
ganzen Marsche von Kikwazo bis Muyaga verhielten
sich die Eingeborenen durchaus unbefangen und
fügten sich willig der Erledigung der von ihnen
vorgebrachten Klagen. In Muyaga erschienen die
Watoale und Eingeborenen aus der näheren und
serneren Umgebung, teils zum Schauri, teils zur
Begrüßung und um Lebensmittel zu bringen. Wenn
nun in Uyagoma und Ukomoso schon frredlichere
Verhältnisse bestehen wie in West-Urundi, so hat dies