Full text: Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904. (15)

nötig erachtet hatte. Es wurde dort die Dienstpost 
erledigt und die Geburt eines Sohnes des ersten 
deutschen Ansiedlers Costenoble beurkundet, dann 
hielt ich eine Haupwerhandlung in einer Strassache 
wegen Diebstahls ab. Leider machte ich gleich bei 
meiner Landung die Wahrnehmung, daß die Schild- 
lauskrankheit, die in Jap so große Verheerung an- 
gerichtet hat, auch in Saipan vorhanden ist. In 
der jungen Pflanzung des Bezirksamtes beim Hafen 
von Tanapag wurden 47 befallene Palmen bemerkt, 
und auch in der Regierungspflanzung bei Garapan 
hatten sich die Tiere bereits eingenistet. Soweit 
sich bis jetzt beurteilen läßt, hat die Gefahr noch 
keinen großen Umfang angenommen. Einmal wurde 
die Krankheit nur auf kleinen Exemplaren gefunden, 
so daß eine manuelle Behandlung, die sofort vor- 
genommen wurde, leicht möglich ist, dann aber ent- 
deckte ich am dritten Tage meilnes Aufenthaltes an 
einer befallenen Palme eine Coccinellide. Ob dies 
Chilocorus similis ist, der größte Feind der Schild- 
laus unter den Coccinelliden, kann ich nicht beur- 
teilen, es ist aber immerhin anzunehmen, daß wir 
es mit einer Schildläuse vertilgenden Coccinellide zu 
tun haben. Nach Aussage des Herrn Costenoble 
sind Coccinelliden zahlreich auf der Insel verbreitet, 
ich habe deshalb gebeten, mit jeder Gelegenheit diese 
Käfer nach Jap zu senden. Nachdem noch Sieck- 
linge und Sämereien von Fruchtbäumen, die auf 
Jap nicht vorhanden sind, gesammelt waren, verließ 
ich am 8. September Seipan mit Kurs nach der 
Insel Lamutrik. 
Bei den häufigen Windstillen brouchte das Schiff, 
bessen schnellste Leistung überhaupt nur 8 Seemeilen 
betrug, neun Tage zu dieser Fahrt. 
Lamutrik ist ein typischer Atoll in der Form 
eines gleichschenkligen Dreiecks, an dessen Spitzen die 
Inseln Falaite, Puch und Lamutrik liegen, nur die 
letzte ist bewohnt. Sie bietet mit ihrem weißen 
Sandstrand und einer kleinen Bucht, in deren 
Hintergrunde die deutsche Flagge wehte, einen 
hübschen Anblick. Sie ist dicht bestanden mit Kokos, 
Brotfrucht, Pandanus, Hibiscus, etwas Gelbwurz 
und Arrowroot, einigen Calophyllum-, Crätaev# 
speciosa- und Averrhoa carambola-Bäumen und 
in einem Moor mit Taro, Zuckerrohr= und 
Cyrstosperma edle; Jam und Bambus fehlen 
gänzlich. Hühner und Schweine sind nicht sehr 
zahlreich, und der Fischreichtum in der Lagune soll 
sehr nachgelassen haben, dagegen sind die Bäume 
von vielen Land= und Seevögeln bewohnt. Die 
Kultur auf den anderen belden zu dem Atoll ge- 
hörenden Inseln soll dieselbe sein. Danach ist eine 
weitere Bestockung der Gruppe mit Kokospalmen 
nicht oder nur in sehr geringem Maße möhlich. 
Die jährliche Produktion einschließlich der von 
ato und Satuval beträgt etwa 45 Tonnen. 
Trotz der Versicherung des daselbst stationierten 
Händlers der Firma D. D. O'Keefe, daß die Schlld- 
lauskrankheit in Lamutrik nicht herrscht, bemerkte ich 
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einige von ihr befallene junge Palmen. Ein weiterer 
Feich der Palme ist in den zahlreichen Ratten zu 
finden, die die Nüsse auf den Bäumen ausfressen. 
Als Schutzmittel sollen sich die um die Palmen ge- 
schlungenen, mit scharfen Stacheln besetzten Blätter 
des Pandanus bewöhren. Auch unter den Bananen 
war eine Krankhelt wahrzunehmen, die augenschein- 
lich auf einen eiwa 1,5 bis 2 cm langen farblosen 
Wurm zurückzuführen ist, der sich in den Wurzeln 
und in der Krone vorfindet. Ich ließ deshalb einen 
meiner besten Polizeisoldaten zurück, der, mit be- 
stimmten Machtbefugnissen ausgerüstet, sofort die 
nötigen Maßnahmen zum Schutze der Pflanzen zu 
trefsen hat. · 
Die Bevölkerung ist friedfertig und gutherzig, 
aber indolent. Die veranstaltete Volkszählung ergab 
als Bestand 68 Männer, 64 Frauen und 68 Kinder, 
zusammen also 200 Köpfe; Todesfälle sind in etwa 
Jahresfrist sechs vorgekommen, davon, soweit sich 
das aus der Beschreibung feststellen läßt, drei an 
Schwindsucht und zwei an Dysenterie. An Krank- 
heiten bemerkte ich zwei an Elefantiafis Leidende, 
einen Blinden, zwei weitere Augenkranke (einer von 
diesen kann nur nachts sehen), eine Frau mit einer 
Sattelnase und zwei Kinder mit unnatürlich auf- 
geschwollenen Lelbern; Lues und Gonorrhoe sollen 
nicht vorkommen. Die Gruppe ist früher dichter 
bevölkert gewesen; vor etwa 60 Jahren ist sie von 
einem mit einer starken Flutwelle verbundenen Taifun 
heimgesucht worden, der fast alles vernichtete. Mit 
sechs übrig gebliebenen Kanus sind einige Männer 
nach der 150 Seemeilen entfernten Oleaigruppe ge- 
fahren, haben von dort eine größere Anzahl von 
Fahrzeugen geholt, auf denen die sämtlichen Be- 
wohner nach den Mariaonen, Truk, Jap und an- 
deren Inseln ausgewandert sind. Erst nach Verlauf 
vieler Jahre ist ein Teil zurückgekehrt. Die Be- 
völkerung steht unter einem mit geringer Autorität 
ausgestatteten Häuptling, der gleichzeitig über die 
benachbarten Atolle Flato und Satuval herrscht 
und das Eigentum über die unbewohnten Inseln 
Olimaran, Pikola, Pikolot, Toas und Westfaju be- 
ansprucht. Sein Nachfolger wird ein Reffe, der als 
Polizeisoldat zwei Jahre im Dienste des Bezirks- 
amts gestanden hat. Der Oberhäuptling über alle 
genannten Inseln ist der Häuptling Follebu in Jop, 
der mich auf meiner Reise begleitete. 
Seit jenem schweren Taifun ist die Insel nur 
noch von mehr oder weniger heftigen Winden be- 
troffen worden. Uber die seit 1901 gefallenen 
Regenmengen sind Aufzeichnungen gemacht und be- 
reits dem Auswärtigen Amt übersandt. 
Nach übernahme der Kopra und Erledigung der 
Amtsgeschäfte wurden am 27. September Segel 
gesetzt, aber widrigen Windes wegen konnte erst 
am folgenden Tage die Lagune verlassen werden. 
Nach weiteren vier Tagen wurde in Oleal Anker 
geworfen. 
Oleai ist gleichfalls ein Atoll; er besteht aus
	        
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