Gute Dienste. 19
gemeinschaft der Staaten eine völlig angemessene, indem aus ersterem
Grunde insbesondere die Großstaaten sich nicht anmaßen können, eine
entscheidende Instanz in internationalen Streitigkeiten zu
bilden, welche Recht zu sprechen und im Weigerungsfall der Streitenden
sich ihrer Entscheidung zu fügen, dieser durch angedrohte oder ausgeführte
Gewaltmaßregeln zur Durchführung zu verhelfen hat. Eine
Zwangsauflage würde völlig dem Begriff der guten Dienste widersprechen,
welche nicht blos angeboten, sondern auch angenommen sein müssen und
auch im letzteren Fall keine die Streitenden bindende Entscheidung fällen
können, da die streitenden Theile, um verpflichtet zu sein sich einer solchen
zu unterwerfen, nicht blos gute Dienste beansprucht haben müssen, sondern
einen förmlichen Schiedsspruch. Die Anerbictung guter Dienste wird bisweilen
vertragsmäßig eingeräumt. So willigt im Art. 13 des Vertrages
zwischen Rußland und der Pforte vom 28. Mai 1812 (A. J.
R. III. 397) Rußland ein, daß die Pforte ihre freundschaftlichen Dienste
anbiete, damit zwischen Rußland und Persien der Krieg beendet und
Friede geschlossen werde. Andererseits erklärt sich im Art. 7 der Convention
von Ackermann derselben Staaten vom 7. October 1826 (2. X.
R. VI. 2 1053) die Pforte bereit, die bons oflices Rußlands anzunehmen,
um nach Vorgang früherer Präcedenzfälle die Einfahrt in das
Schwarze Meer den Fahrzeugen der der Türkei befreundeten Mächte
zu bewilligen, damit der Einfuhrhandel nach Rußland vermittelst dieser
Fahrzeuge und die Ausfuhr der Russischen Erzengnisse durch sie keine
Behinderung erleide.
Also nicht blos aus allgemeinem Rechtsgrunde, sondern auch aus
besonderem, vertragsmäßig begründeten, können gute Dienste geleistet
und müssen sie dann auch acceptirt werden. Die Bevollmächtigten der
im Jahre 1856 auf dem Pariser Congreß versammelten Staaten drückten
im Namen ihrer Regierungen im Protokoll vom 14. April 1856 (NMart.
N. B. 6. XV. 767) aber nur den Wunsch aus, daß die Staaten, unter
welchen ein ernster Zwiespalt (dissentimem) ausbrechen sollte, bevor sie
an die Waffen appelliren, soweit die Umstände es gestatten, ihre
Zuflucht zu den guten Diensten (hons osfices) einer befreundeten Macht nehmen.
Dieser bedingte Wunsch kann selbstverständlich einer Rechtsverpflichtung
der contrahirenden Staaten nicht gleichgeachlet werden, aber die Staaten,
welche sich selbst als Glieder des Europäischen Concerts bekannien,
indem sie vereinbarten, in dasselbe (s. den Vertrag vom 30. März
1856 Art. 7) die Türkei aufzunehmen, hatten doch dabei unverkennbar
der Tendenz Ausdruck gegeben, kriegerischer Austragung eines unter
ihnen ausgebrochenen Streites den Eintritt guter Dienste, wenn auch
nicht aller Contrahenten, so doch einer befreundeten Macht vorausgehen
zu lassen.
Eine gewünschte Verallgemeinerung der Anwendung guter Dienste
enthält aber die von den Bevollmächtigten in dem angeführten Protokoll
ausgesprochene Hoffnung, daß die nicht auf dem Congreß repräsentirten
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