Full text : Das Preußische Volk in Waffen und die neue Militär-Organisation.

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dem  WBertrauen,  welche  er  bei  seinen  Untergebenen  genießt.  Sind  diese
unter  graben,  so  ist  es  mit  seiner  rechten  Wirksamkeit  vorbei;  darum  stellte
man  früher  in  der  Armee  das  Anciennetätsgesetz  als  ein  heiliges  hin.

Das  Avancement  „außer  der  Tour“  wird  oft  dadurch  gerechtfertigt,

weis.  mnan  damit  jüngere  Elemente  in  die  höheren  Chargen  bringt.  Wenn
man  aber  sonst  keine  Garantie  für  die  bessere  Befähigung  hat,  als  die
größ#ere  Jugend,  so  ist  das  Alter,  in  welchem  sich  Kenntniß  mit  Erfah-Trung
  vereinigt,  immer  doch  noch  vorzuziehen.  Hält  man  nur  den  Grundsat
  fest,  daß  in  einer  guten  Armee  niemand,  vom  General  bis  zum
Tammbour,  zu  alt  an  Körper  und  Geist,  d.  h.  invalide  sein  darf,  wo  aber
irgendwo  ein  höheres  Alter  gestattet  ist,  daß  es  eher  in  den  höhern
Stellen  vorhanden  sein  darf,  weil  in  ihnen  mehr  der  Geist  als  der  Körper
  thätig  ist;  entfernt  man  nur  zu  jeder  Zeit  alle  körperlichen  wie  geistiügen
  Gebrechlichkeiten,  und  zwar  ohne  alle  Rücksicht,  aus  der  Armee,  so
wird  auch  die  Armee  in  dieser  Beziehung  tüchtig  erhalten,  und  die  Aufstellung
  der  Nothwendigkeit,  daß  jüngere  Elemente  in  die  höhern  Chargen
  einrücken  müssen,  eine  Phrase  bleiben,  vortrefflich  zur  Ausbeutung
vurch  solche,  welche  sich  von  Geburt  oder  sonst  woher  nun  einmal  dazu
berechtigt  glauben,  diese  jüngern  Elemente  vorzugsweise  zu  bilden.

Das  Alter  giebt  überhaupt  keinen  Maßstab  für  die  kriegerische  Thätigkeit
  ab,  wie  man  so  oft  annimmt.  War  Napoleon  halb  so  alt  wie  die
geistesstumpfen  östreichischen  Generäle,  welche  er  in  seinen  ersten  Feldzügen
  in  Italien  schlug,  so  war  Blücher  doppelt  so  alt  als  er  zur  Zeit,
als  ihm  von  diesem  ein  gleiches  Schicksal  widerfuhr.  —  Selbst  an  der
Niederlage  bei  Jena  war  nicht  das  freilich  zu  hohe  Alter  der  Generäle,
sondern  das  hartnäckige  Festhalten  an  veralteten  Ideen,  der  Mangel  am
rechten  Geist  und  Charakter  Schuld.  Der  Prinz  Louis  Ferdinand  zu
jener  Zeit  war  jung,  feurig,  tapfer  wie  Bayard,  vortrefflich  gebildet,  und
zeigte  doch  bei  Saalfeld  nur  ein  geringes  Feldherrntalent.  Freilich,  was
er  dabei  an  Ruhm  verlor,  gewann  er  wieder  durch  seinen  ehrenvollen
Tod.  —

Der  vorhin  angegebene  Zweck  wird  aber  nicht  einmal  durch  das
Avancement  „außer  der  Tour“  erreicht,  vielmehr  wird  die  Armee  dadurch
erst  recht  und  zwar  in  allen  ihren  Stellen  veraltert.  Indem  man  nämlich
  die  jüngern,  wie  man  glaubt  oder  glauben  macht,  talentvolleren  Kräfte
in  die  höhern  Stellen  hinaufpumpt,  werden  die  in  den  Zwischenstellen
stehend  und  gelähmt.  Es  entsteht  in  dem  natürlichen  Hinaufrücken  nach
oben  in  der  Armee  ein  Stocken  und,  während  jene  Bevorzugten  in  ihren
Stellen  auch  alt,  oft  überalt  werden,  altern  die  Uebergangenen  in  den