Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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die  Rufsen  antrete,  sowie  die  Ereignisse  des  Krieges  können  alle  Arten  von
Zufällen  herbeiführen,  und  es  kann  mir  leicht  begegnen,  getödtet  zu  werden;
ich  habe  es  also  als  meine  Pflicht  erachtet,  Sie  um  so  mehr  über  meine  Absichten
  in  Kenntniß  zu  setzen,  als  Sie  der  Vormund  unseres  Neffen  mit  unbeschränkter
  Vollmacht  find.

1)  Sollte  ich  getödtet  werden,  so  müssen  meine  Armeen  auf  der  Stelle  meinem
Neffen  den  Eid  der  Treue  schwören.

2)  Man  muß  mit  so  vielem  Nachdruck  fortagiren,  daß  der  Feind  keine  Veränderung
  im  Befehl  merken  kann.

3)  Was  die  Finanzen  betrifft,  so  muß  ich  Ihnen  sagen,  daß  alle  die  Verlegenheiten,
  welche  sich  zuletzt  ereignet  haben,  besonders  die,  welche  ich
noch  voraussehe,  mich  genöthigt  haben,  die  englischen  Subsidien  anzunehmen,
welche  erst  wieder  im  Monat  Oktober  zahlbar  sind.

4)  Was  die  Politik  betrifft,  so  ist  gewiß,  daß,  wenn  wir  diesen  Feldzug
gut  bestehen,  der  Feind  matt  werden,  und  durch  den  Krieg  erschöpft
zuerst  den  Frieden  wünschen  wird,  daß  aber,  wenn  gleich  nach  meinem
Tode  unsererseits  Ungeduld  und  ein  zu  heftiges  Verlangen  nach  dem
Frieden  bewiesen  wird,  dies  uns  schlechte  Bedingungen  und  die  Verbindlichkeit
  bringen  dürfte,  von  den  Besiegten  uns  die  Bedingungen  vorschreiben
  zu  lassen."  —

Mit  nicht  mehr  als  14,000  Mann  war  Friedrich  II.  in  Eilmärschen  über
Liegnitz  und  Crossen  in  die  Nähe  der  bedrohten  Festung  geeilt.  Kaum  erscholl
die  Kunde  von  seinem  Anmarsche,  so  eilten  von  allen  Seiten  die  unglücklichen
Bewohner  der  verwüsteten  Gegenden  herbei,  um  ihren  Retter  zu  begrüßen.
Dem  Koönige  zerriß  das  Elend  seiner  Unterthanen  das  Herz.  Kinder,  ich  habe
nicht  eher  kommen  können!"  rief  er  den  Unglücklichen  zu;  beschränkte  sich  jedoch
nicht  mit  fruchtlosen  Klagen,  sondern  ließ  Lebensmittel  unter  die  Darbenden
austheilen  und  sicherte  ihnen  bedeutende  Summen  zum  Aufbau  ihrer  Häuser  zu.

Friedrich  II.  war  seinen  Leuten  vorangeeilt,  um  sich  von  dem  Zustande
der  Truppen,  die  ihm  Graf  Dohna  zuführte,  durch  Augenschein  zu  überzeugen.
Als  diese  in  wohlgehaltenem  Paradeaufzug  vor  ihm  vorbeimarschirten,  schien  es
ihm  unstatthaft,  daß  Truppen,  die  seiner  Ansicht  nach  so  wenig  gethan  hatten,
in  glänzendem  Aeußeren  vor  ihm  prunkten.  „Seine  Leute,“  fuhr  er  deshalb
zu  Dohna  heraus,  „haben  sich  sehr  geputzt;  ich  bringe  welche  mit,  die  sehen
aus  wie  die  Grasteufel,  aber  sie  beißen.“

Die  Verheerungen,  welche  von  den  Russen  überall  ausgeübt  waren,  hatten
Friedrich  in  dem  Grade  empört,  daß  er  seinen  Truppen  „Pardon"  zu  geben
verbot,  was  natürlich  von  Seiten  der  Russen  eine  ähnliche  Maßregel  hervorrief.
In  dieser  Stimmung  ging  er  zur  Schlacht  von  Zorndorf  am  Morgen  des
25.  August.  Die  Russen  zählten  50,000,  die  Preußen  wenig  mehr  als  30,000
Mann.  Nach  altgewohnter  Weise  standen  die  Russen  in  einem  großen  länglichen
Viereck,  in  dessen  Mitte  sich  ihre  Reiterei,  das  Gepäck  und  die  Reservetruppen