Full text : Untersuchungen und Aktenstrücke zur Geschichte der Reichsgründung.

Abschluß  der  Präliminarien.  683

stillstand  und  Präliminarfrieden  abzuschließen.  Von  dlesem  Augenblick  an
wurde  sein  Ton  gegen  Italien  schroffer;  am  24.  Juli  telegraphierte  er  an
Usedom,  es  sei  befremdend  und  für  die  gegenseitigen  Beziehungen  nicht
nützlich,  wenn  Preußen  von  Italien,  nachdem  dieses  ihm  auch  die  Bekämpfung
  der  österreichischen  Südarmee  überlassen  und  Triest  auch  jetzt  nicht
angegriffen  habe,  bisher  keine  andere  Leistung  als  unbegründete  Rekriminationen
  durch  Usedoms  sehr  zahlreiche  Telegramme  erhalte.:  Als  er  dann
aus  dem  Telegramm  Usedoms  vom  23.  Juli  ersehen  mußte,  daß  dieser  selbst
den  Anspruch  Italiens  auf  Südtirol  zu  unterstützen  geneigt  sei,  schlug  er
noch  schärfere  DTöne  an.  Ein  völlig  neues  Abkommen  würde  erforderlich  sein,
um  derartigen  Forderungen  eine  rechtliche  Basis  zu  geben.  Er  bat  Usedom,
sich  auf  den  preußischen  Standpunkt  zu  versetzen.  Italien  habe  die  Gewißheit,
alles  zu  erlangen,  was  ihm  im  Traktat  versprochen  sei,  und  zwar  durch
Preußens  Erfolge,  ohne  daß  es  dem  Verbündeten  bisher  den  mindesten
Nutzen  getan.  Preußen  habe  noch  nichks,  solle  erst  durch  Verhandlungen
erlangen.  Bei  diesem  ungleichen  Verhältnis  müsse  Bismarck  die  preußischen
Interessen  in  erster  Linie  zu  Rate  ziehen  und  zunächst  dafür  die  vertragsmäßige
  Unterstkützung  Italiens  verlangen.2

Eine  weitere  Information  erging  an  Usedom  erst  am  27.  Juli,  d.  h.  am
Tage  nach  der  Unterzeichnung  der  Friedenspräliminarien.  Oiese  waren  ohne
Italiens  Mitwirkung  abgeschlossen  worden,  da  weder  Barral  noch  Govone
eine  Vollmacht  zur  Teilnahme  an  den  Verhandlungen  erhalten  hatten.
Indem  nun  Bismarck  dem  Grafen  Usedom  eine  kurze  Mitteilung  über  den
Abschluß  und  Inhalt  des  Vertrags  zugehen  ließ,  fügte  er  hinzu,  unter  Vorbehalt
  der  italienischen  Zusiimmung  sei  verabredet  worden,  daß  der  Stillstand
am  2.  Augufk  beginnen  und  vier  Wochen  lang  dauern  solle.  Usedom  möge
also  zum  Waffenstillskand  die  trakkatmäßige  Justimmung  Italiens  beantragen;
  dieses  könne  sse  nicht  weigern,  da  nach  Bericht  des  Grafen  Goltz  die
unbedingte  Erwerbung  von  Venetien  durch  bestimmte  Erklärung  des  Kaisers
Napoleon  gesichert  sei,  und  Italien  selbst  nach  Mitteilung  Benedettis  mit
Österreich  über  Waffenstillstand  unterhandle.  Ferner  sollte  Usedom  die  Ernennung
  eines  Bevollmächtigten  zur  Teilnahme  an  den  Friedensverhandlungen
  beantragen.  Preußen  bleibe  auch  für  den  Abschluß  des  Friedens
seiner  Verpflichtung  gegen  Ikalien  getreu.3  Auch  von  Govone  verlangte
Bismarck  gleich  nach  dessen  Eintreffen  amtlich  die  Justimmung  Italiens

1  Tel.  v.  24.  Juli.

:  Tel.  v.  25.  Juli.  Auch  in  dem  Telegramm  an  Goltz  v.  25.  Juli  läßt  Bismarck  den  Abschluß
  eines  neuen  Vertrages  mit  Italien  mit  weitgesteckten  Zielen  offen  für  den  Fall  des
Scheiterns  der  Verhandlungen  mit  Hsterreich.

Tel.  von  Nikolsburg  v.  27.  Juli.