Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Joseph  entsagte  dem  Vertrage  vom  Zten  Januar  1778  und  allen  sonstigen
Anspruͤchen  auf  die  baiersche  Erbschaft.

Was  die  übrigen  Theilnehmer  an  der  Erbsache  betrifft,  so  ward  Sachsen
fuͤr  seine  Anspruͤche  durch  eine  Summe  von  sechs  Millionen  Gulden  und  das
Lehnsrecht  über  die  bisher  zur  Krone  Böhmen  gehörigen,  aber  in  der  Markgrafschaft
  Meißen  gelegenen  schönburgischen  Herrschaften  Glauchau,  Waldenburg,
Lichtenstein,  Hartenstein  und  Stein  entschädigt,  Mecklenburg  dagegen  durch  das
unbeschränkte  privilegium  de  non  appellando  abgefunden.

Kurze  Zeit  nach  dem  Teschner  Frieden  erlosch  in  der  Person  des  Fürsten
Joseph  Wenzel  Nepomuk  von  Fondi  das  Haus  der  Grafen  von  Mannsfeld,
auf  deren  Besitz  das  hohenzollernsche  Haus  Erbansprüche  hatte,  von  denen
wegen  des  langjährigen  Sequesters,  welcher  auf  den  gräflichen  Besitzungen  lag,
nur  wenige  Krongüter  und  Zölle  an  Preußen  kamen.

Friedrichs  letzte  Lebensmomente  und  seine  politische  Einwirkung
in  Deutschland.

Durch  die  Theilung  Polens  und  den  glücklichen  Frieden  von  Kainardschi
hatte  Katharina,  von  Schmeichlern  „die  Große"  genannt,  ein  entschiedenes
Uebergewicht  dem  kolossalen  Ostreiche  gegeben;  das  Gewicht,  welches  der  Hof
von  Sanct  Petersburg  beim  Teschner  Frieden  in  die  Wagschale  legte,  hatte  seinen
  Einfluß  in  Europa  natürlich  erhöht,  um  so  mehr,  da  England,  seit  dem
Hubertsburger  Frieden  vereinsamt,  durch  den  eben  so  erschöpfenden  als  unrühmlichen
  Krieg  mit  seinen  empörten  Colonien  von  seiner  Höhe  herabstieg,  und
Frankreich  durch  seinen  Kampf  zur  See  mit  dem  langjährigen  Feinde  von  aller
nachdrücklichen  Einwirkung  auf  die  übrigen  politischen  Verhältnisse  abgehalten
wurde.  Rußland  hätte  unter  diesen  günstigen  Umständen  noch  mehr  vermocht,
wenn  es  seine  volle  Kraft  auf  dem  rechten  Punkte  verwandt  hätte;  allein  auch
an  dem  Hofe  der  großen  Katharina  herrschte  nicht  selten  die  Laune,  und  manchem
  unwürdigen  Günstling  wurde  zum  Nachtheil  des  Reiches  eine  einflußreiche
Rolle  gestattet.  Vor  Allem  war  dies  der  Fall  mit  dem  Fürsten  Potemkin,
welcher,  als  die  Zeit  der  persönlichen  Bevorzugung  vorüber  war,  doch  einen
wesentlichen  Einfluß  auf  die  Staatsangelegenheiten  behielt.  Er  war  die  Seele
des  sogenannten  griechischen  Projektes,  welches  auf  nichts  Geringeres
hinausging,  als  auf  die  Selbstständigkeit  der  Griechen  unter  einem  russischen
Prinzen,  natürlich  nicht  ohne  die  vollständige  Vernichtung  der  ottomanischen
Herrschermacht.  Pläne  der  Gesittung  und  der  Barbarei  gingen  hier  durcheinander,
  Zerschmetterung  der  Türkei,  Kunst,  Wissenschaft,  Wiederherstellung  der
Wiege  für  alle  moderne  Gesittung  auf  den  Trümmern  des  Parthenons  und
der  Propylden,  alles  dies  kreuzte  sich  in  dem  Kopfe  des  launenhaften  Günstlings,
  dem  es  nicht  an  Ehrgeiz,  wohl  aber  an  Stätigkeit  und  Kraft  zu  einem

Helden  fehlte.