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Beyens nimmt an, daß Jagow mit seinen Worten gegen die russische Presse
Rußland warnen will. Bei dieser Gelegenheit nimmt er ausgesprochen
für Rußland Partei, wenn er sagt: „Heute beunruhigt man sich hier
über die militärischen Vorbereitungen Rußlands, findet diese Verstärkungen
übertrieben, ahnt weder ihre Absicht, noch ihren Zweck. Daher
kommen diese Alternativen, die uns in der Sprache der Staatsmänner
Deutschlands Rußland gegenüber erstaunen machen. Bald schont man
es, um es zu der ehemaligen Freundschaft zurückzuführen; bald erhebt
man den Ton, als wenn man es das Klirren des deutschen Säbels hören
lassen will.“ Dieser Bericht stimmt weder mit Beyens eigenen früheren
Auslassungen!), noch mit denen seiner Kollegen an anderen Höfen überein.
Hier bereits kommt seine ausgesprochen unfreundliche Gesinnung gegenüber
Deutschland zu unverkennbarem Ausdruck.
Während Ende Mai durch die Abreise des Prinzen von Wied aus
Albanien erhebliche Schwierigkeiten zwischen Österreich-Ungarn und
Italien entstehen, welch letzteres für Essad Pascha Partei nimmt?),
erregt in Paris anfangs Juni eine neue Ministerkrisis die Aufmerksamkeit
der Diplomatie. Poincare sucht durch Ribot ein neues Kabinett bilden
zu lassen und wirkt mit allen Mitteln für die Annahme der dreijährigen
Dienstzeit. „Isteswahr,“ fragt Baron Guillaume in seinem Pariser
Berichte vom 9. Juni?) besorgt, „daß das Petersburger Kabinett
das Land zur Annahme des Gesetzes über
diedreijährige Dienstzeitgedrängthatundheute
seine Aufrechterhaltung mitallseinem Gewichte
verlangt? Esist mir nicht gelungen, über diesen
heiklen Punkt Aufklärungen zu erhalten, aberer
wäre vonumsoernsterer Bedeutung,alsdie Männer,
die die Geschicke des Zarenreiches lenken,
wissen müssen, daß die dem französischen Volke
zugemutete Anstrengung zu groß ist und nicht
langeandauernkann. Solltesichdahervielleicht
die Haltung des Petersburger Kabinetts auf die
Überzeugung gründen, daß die Ereignisse nahe
genug bevorstehen, um sich des Werkzeugs bedienen
zu können, das es seinen Verbündetenin
die Hand geben will?“
Als dann am 11. Juni Graf Lalaing aus London über den Abschluß
der Kabinettsbildung durch Ribot berichtet?), vermag er mitzuteilen,
daß man sie in London mit großer Genugtuung aufgenommen habe,
„dennmanistderAnsicht,daßnurdieAnwendung
des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit die
1) Vgl. besonders den Bericht vom 4. April 1914, S. 199.
?) Wien, 27. Mai 1914; Bd. IV, S. 200 ff.
®) Belgische Aktenstücke, Nr. 116.
:) Vom Verfasser hervorgehoben.
8) Belgische Aktenstücke, Nr. 117.
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