402 Viertes Buch. Der Ausbau des preußischen Königtums.
bei der Ueberwindung neu auftanchender Schwierigkeiten, die
natürlich nicht ausblieben. Was er da früher etwa gefehlt
hatte, machte er jetzt reichlich gut, mag dabei auch die Rücksicht
auf die Zukunft entscheidend mitgewirkt haben. Im November
1731 erschien Friedrich bei der Hochzeit seiner Schwester
Wilhelmine mit dem Markgrafen von Baireuth zum erstenmal
wieder im Kreise der königlichen Familie und des Hofes. Damals
wurde ihm auf die durch Leopold von Dessau dem König
vorgetragene Bitte der Generalität auch die Wiederaufnahme
in die Armee und die Verleihung des freigewordenen Regiments
Goltz in Neuruppin in Aussicht gestellt.
Aber die schwerste Probe auf den eidlich gelobten Gehorsam
stand doch erst bevor. Daß der Vater noch nicht völlig
beruhigt war, zeigte mehr als ein Zwischenfall. Daß der Prinz
Spinoza gelesen haben sollte, daß er sich zu der strengen calvinistischen
Prädestinationslehre bekannte, die dem König verhaßt
war, weil sie die Verantwortlichkeit des Einzelnen für
sein Thun aufhebt, drohte gelegentlich neuen Sturm. JZetzt
verlangte der König von ihm die Heirat mit Elisabeth Christine
von Braunschweig-Bevern, einer Nichte der Kaiserin.
Engen von Savoyen hatte sie vorgeschlagen, um Preußen vollends
an Oesterreich zu fesseln. Nicht dieser üble politische Beigeschmack
war es, was Friedrich außer sich brachte: daß er ungefragt,
ohne Wahl, ohne die ihm Bestimmte auch nur gesehen zu haben,
gebunden werden sollte, versetzte sein ganzes Innere in hellen
Aufruhr. Auch hier war der einst so bitter gehaßte von Grumbkow
sein Vertrauter und als solcher ehrlich genug, ihn unbarmherzig
die Lage in ihrer wahren Gestalt sehen zu lassen, und
einem noch im letzten Moment geplanten verzweifelten Versuch
zum Widerstand als aussichtslos seine Mitwirkung zu versagen.
Wer wollte es Friedrich verdenken, daß er sich der Fessel zu
entziehen dachte, die ihm da angelegt werden sollte? Und doch
ist seine Haltung gerade in dieser Sache wenig rühmlich. Denn
einmal war es im allgemeinen damals so wenig wie zu anderen
Zeiten zum Throne berufenen Fürstensöhnen vergönnt, allein
nach Neigung zu heiraten: fürstliche Ehen haben stets zunächst
politischen oder dynastischen Zwecken dienen sollen. Menschlich