Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

lummer  2003

Geschuühfeuer  gescheilerk  war,  gelang  es  abends
einer  italienischen  Abteilung,  mit  starker  Ar-Hflerie-Unterstũtzung
  in  unsere  Gipfelstellung
ein##dringen;  heute  früh  warf  ein  Gegenangriff
den  Feind  wieder  hinaus.

An  der  küftenländischen  Front  wurde  der
Monte  San  Gabriele  und  die  Gegend  von
Nova  Vas  von  der  italienischen  Artillerie  lebhaft
  beschossen.  «

Sübsstlicher  Kriegsschauplatz.

Bei  den  k.  und  k.  Streitkräften  nichts  von
Belang.  ·
Der  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabs:

von  Höfer,  Feldmarschalleutnant.

Nach  der  Kriegserkldc#n#
Rumäuiens.

Neben  einer  grenzenlosen  Aufhetzung  des
rumänisch.  Volkes  durch  den  Vierverband  waren
es  weitestgehende  Versprechungen,  mit  denen
man  Rumänien  köderte.  Ein  Teil  von  Beßarabien,
  Siebenbürgen,  selbst  Teile  des  Banats,
ist  das  nicht  alles  zusammen  einen  militärischen
Spaziergang  wert!  Ja  vielleicht  nicht  einmal
diesen,  nur  das  einfache  Gestatten  des  Durchmarsches
  russischer  Truppen  durch  die  Dobrudscha
  zum  Einfall  in  Bulgarien.  Denn  dieses
wird  voraussichtlich  die  erste  Absicht  der  Gegner
sein,  wenn  sic  nicht  auch  hier  schon  wieder  einen
anderen,  der  früher  auf  dem  Plan  erschienen
ist,  finden!  Das  nächste  Ziel  ist  dann  die  „voll.
ständige  Niederwerfung  Oesterreich.  Ungarns“
mit  Hilfe  des  neuen  Söldners,  wie  sich  in  üblicher
  Schlagwortweise  die  gegnerische  Presse
auszudrücken  beliebte.  Sie  hat  dabei  natürlich
nicht  mit  dem  moralischen  Eindruck  gerechnet,
den  der  rumänische  Treubruch  in  der  Donaumonarchie
  ausüben  wird,  und  ebensowenig  mit
unserem  Generalstab,  der  sozusagen  auch  noch
da  ist.  Soweit  sind  wir  also  noch  nicht;  fürs
erste  wird  einmal  das  rumänische  Land  und  Volk
alle  Bitterkeit  und  alle  Schrecken  des  Krieges
zu  fühlen  bekommen,  den  es  nachden  genauesten
Zeugnissen  nicht  entfernt  mochte.  Es  wird  sich
da  sicher  im  Einklange  mit  seinem  Könige  befunden
  haben,  doch  bielet  auch  dieser  das  Schauspiel
  lder  Ohnmacht  gegen  die  Politik  seiner.
Staatsmänner  und  die  Ränke  der  Mächte,  die
in  seiner  Armee  ein  weiteres  Werkzeug  zur
Hilfeleistung  sehen.  Und  so  wird  denn,  während
bier  Hohenzollern  und  Habsburg  engst  vereinet
den  gemeinsamen  Feind  belämpsen,  dort  Hohenzollern
  gegen  Habsburg  stehen,  allerdings  ein
Hohengollern,  das  schon  nach  kürzester  Zeit  die
Ueberlieferung  seines  Hauses  in  der  schmählichsten
  Weise  rerleugnet.  Der  Weltkrieg  hat  eine
neuc,  welthisrorische  Pikanterie  erhalten,  und
man  darf  gespannt  sein  auf  die  nächsten  Aeußerungen
  des  aus  hohengollernschem  Hause,  aus
deutschem  Blute,  stammenden  Königs  Ferdinand,
  den  sein  Oheim  einit  an  sich  zog,  um  ihm
die  Anschauungen  und  Grundsätze,  denen  er
nachgelebt,  anzuerziehen.  Die  Rolle,  in  der  jetzt
der  König  der  Rumänen  dastelt.  ist  heute
schon  keineswegs  beneidenswert,  und  wird  ihn
vor  der  Geschichte  in  noch  armseligerer  Figur
erscheinen  lassen.  Ein  Kronenträger,  der  sich  von
einem  geriebenen  Feilscher,  Bratsanu,  ein  paar
bestochenen  Dienern  di's  Auelandes,  Jonescu
und  Filipesc.  und  erner  Handvoll  verwegener
diplomatischer  Fälscher,  der  Gesandten  der  Vierverbandsmächte,
  des  ersien  Rechtes  eines  jeden
Menschen,  der  persönlichen  Entchlurfreiheit,  berauben
  ließ.  (M.-A.  A.)

det  Kuieg  als  Friedeusstitel.
Komen  von  S.  Hillger.
9  (Kachdruck  verboten)

 

Jugend  will  genieben,  man  ist  nur  ci  umal  jung.  Statt
daoß  Sie  der  Mittelpunkt  eine-  AKreijes  gebildeter
  Menschen  sind,  müssen  Sie  arbeiten  wie
eine  Magd,  und  nicht  allein  das,  man  bürdet
Ihnen  auch  noch  Heimo'  beit  ausf!  Da  sihen
Sie  hier.,  abgeschlossen  von  aller  Welt,  und
sticheln  um  ein  paar  Piennige!  Rasend  könnte
ich  darüber  werden,  rafend!“

Er  sprang  auf  und  lief  ausgeregt  durch
die  Stube.

6  kann  es  nicht  anders“,  äußerte
Dora;  „tfreilich,  ich  hatte  mir  auch  Besseres
erträumt,  aber  als  ich  dann  einsah,  daß  Hans
weder  Streben  noch  Ehrgeiz  kennt,  fügte  sich
mich.  Wir  sind  ja  glücklich.=Eine

  heftige  Bewegung  der  Abwehr  folgte
ihren  Worten.  „Das  ist  unmöglich,  das  reden
Sie  mir  nicht  vor!  Hans  mag  ja  in  dieser
Engigkeit  sein  Behagen  sinden,  Sie  nicht,  Dora.
Sie  nicht!  Die  siolse  Rose  kann  sich  niemals
  wohl  suhlen  zwischen  Kehricht  und
Scherben;  die  Sehnsucht  wird  nicht  nachlassen,
ihr  eine  ihrer  würdige  Umgebung  vor  die
Seele  zu  zaubern.  An  dieser  Sehnsucht  geht
sio  frühzeitig  zugrunde,  wenn  nicht  eine  liebende
  Hand  sie  davonträgt,  dabin,  wo  ihr  Duft
berauscht  und  sie  als  Königin  geseiert  wlrd.“

Dora  tachte  hell  auf.  „Sie  sprechen  so
poetisch  und  herzbezwingend.  daß  man  si
vor  Ihnen  in  acht  nehmen  muß,  Herr  Bllener.“

Aelenheimer  Anzelaen]

*⅞

 

VY.
Suornwet

 

—
--“———n

 

 

Auf  der  Balkanhalbinsel  beginnt  nun  ein
Kampf  auf  Leben  und  Tod.  Es  ist  möglich,
daß  hier  die  Würfel  der  Entscheidung  im  Weltkriege
  sallen.  Auf  Gedeihen  und  Verderb  mit
Oesterreich-Ungarn,  Bulgarien  und  der  Türkei
  verbunden,  sieht  auch  das  Deutsche  Reich
einem  neuen  Feinde  ins  Auge.  Die  Ueberh.=bung
  und  Verblendung  Rumäniens  richtet  sich
ebenso  gegen  das  deutsche  und  bulgarische  Volk
wie  gegen  Oesterreich  Ungarn.  Der  täcische
Schachzug,  der  darin  liegt,  daß  Rumänien  nur
an  Oesterreich-Ungarn  den  Krieg  erklärt  hat,  ist
eine  feige  List,  die  ihren  Zweck  nicht  erreichen  wird.
Es  gibt  auf  dieses  Heraustreten  Rumäniens  gegen
  unseren  Verbündeten  nur  eine  Antwort:
den  Krieg  auck  für  Deutschland.  Daß  über  Rumänien
  ein  Gericht  hereinbrechen  wird,  wie
die  Männer  es  verdienen,  die  das  Volk  Rumäniens
  ans  Messer  liefern.  ist  in  diesem  Augenblick
  unser  vornehmster  Wunsch,  und  unsere  feste
Zuversicht!  (M.  N.  N.).

*  —t—*-opp
Die  Kriegserklärung  stellt  die  Mittelmächte
nor  eine  neue  militärische  Aufgabe,  über  die
natürlick  jett  nichts  zu  fagen  ist,  deren  26.
sung  wir  aber  und  unsere  Bundesgenossen  mit
roller  Zurersicht  entgegenseben.  Denn  wenn
die  Rumänen  glauben,  daß  sie  nur  gegen  Oesterreich
  Ungarn  den  Krieg  führen  können,  so
wie  es  lange  Zeit  mit  Italien  der  Fall  war,
so  täuschen  sie  sich  darin  ganz  gewallig.  Wir
stehen  treu  zu  unserem  Bundesgenossen  und
werden  ihn  mit  allen  Krästen  unterstützen.  Die
rumäniscken  Streitkräfte  stehen  um  großen
Teil  bereits  an  der  Grenze,  sodaß  mit  dem  baldigen
  Eintreten  militärischer  Ereignisse  gerechnet
werden  kann.  ..

Durch  die  Kriegserklärung  Rumäniens  hat
die  Entente  einen  neuen  Bundesgenossen  und
einen  weiteren  Kräftezuwachs  erfahren.  Die
Stärle  der  rumänischen  Armee,  die  im  Frieden
einen  Stand  von  etwa  80  000  Mann  aufwies,
murde  von  der  Ententepresse  infolge  der  zablreichen
  Neuformationen  auf  elwa  500  000  Mann
angegeben.  Da  Rumänien  während  der  Dauer
des  jetzigen  Welikrieges  Zeit  genug  gehabt  hat,
seine  Wehrkraft  zu  entwideln  und  alle  Vorbereilungen
  für  die  Aufstellung  von  Neuformationen
  zu  treffen,  ist  es  wohl  möglich,  daß  diese
Ziffern  annähernd  zutressend  sind.  Der
Kräftezuwachs  wird  der  Entente  umso  erfreulicher
  sein,  als  es  sich  dabei  um  ein  noch
gönzlich  frisches  Heer  handelt,  das  in  den  bisherigen
  Kämpfen  nicht  in  Mitleidenschaft  genicht

  langer  warten.  Ich  hole  den  Kancce  herein.
  Es  ist  Ihnen  doch  recht,  wenn  ich  die  Kinder
  und  das  Fräulein  rufe  2“

„Nein,  das  ist  mir  durchaus  nicht  recht!
Und  ich  bin  tansendfroh,  wenn  Haus  nicht
kommt.  Diese  eine  Stunde  soll  mir  gehören,
ganz  und  ungeteilt!  Sie  sehen  mich  erschreckt
an.  Gönnen  Sie  mir  doch,  daß  ich  mich  ein
Weilchen  glücklich  in  Ihrer  Nähe  fühle,  ohne
jeden  Zwang,  daheim  erwartet  mich  Einsamkeit
und  tödliche  Langeweile.“

Dora  ging  in  die  Küche.  Hier  kam  es  ihr
erst  zum  Bewußtsein,  wie  ihr  Herz  flog.  Alle
was  sie  gewaltsam  in  sich  zum  Schweigen  gebracht,
  das  heiße  Sehnen  und  Wünschen  nach
einem  genußreichen,  vom  Schönen  umflossenen
Leben  hatte  Bi#tner  wieder  geweckt.  Sie  hätte
ihm  drum  zürnen  können,  aber  einmal  bestäligt
  zu  hören,  was  heimlich  in  ihr  gärte,
war  einsach  wunderbar.  So  war  also  gar  kein
Unrecht,  nichts  Unnatürliches  dabei,  wenn  sie
diesen  Kleinkram  verwünschte,  ihre  Seele  hinauedrängte
  aus  den  engen,  beschränkten  Verhöltnissen?


Ihre  Knie  zitterten,  sie  mußte  sich  setzen,
wenige  Minuten  nur.

Weinen  hälte  sie  mögen  ohne  Aufhören!

Was  nüßte  idr  die  Erlenntuls,  daß  sie
schön  und  temperamentvoll,  mit  reichen  Talenten
  von  der  Natur  ausgestattet,  ein  Anrecht
auf  eine  bevorzugte  Zebensführung  hatte?

ie  war  ja  gebunden,  doppelt,  dreisach
gesesselt,  der  Mann,  die  Kinber,  die  Häuelichteit,
  nirgends  konnte  sie  entbehrt  werden.

Aber  dieses  Bewußtsein,  das  sie  oft  1
4%  und.  froh  gemacht,  drückte  sle  jetzt  fast  zu
oden.

 

 

 

SESie  erhob  sich  gleichfalls.  „Da  Hans  verhindert
  mn  lein  icheint,  lo  wollen  wir  nun  aber

Sie  nannte  ihr  Leben  ein  verfehltes,  wie

7

 

 

zogen  wurde  und  deshalb  auch  seine  unverbrauchte

  Kraft  in  die  Wagschale  des  Kampfes

zu  werfen  vermag.  Die  günflige  Lage  auf  den
Fronten  im  Westen  und  Osten  und  die  letzten
Erfolge  an  der  bulgarischen  Front  lassen  uns
hoffen,  daß  auch  dieser  Kräftezumachs  der
Entente,  dessen  Bedentung  nicht  unterschätzt  werden
  soll,  durch  erneute  Anstrengungen  ausgeglichen
  werden  kann  und  daß  die  allgemeine
Kriegslage  dadurch  nicht  entscheidend  beeinflußt
  werden  wird.  .„

Rumäniens  Haltung  ist  bar  der  sittlichen
Grundlage.  Im  Balkankrieg  1913  hat  es  am
Schluß  in  den  Krieg  eingegriffen,  als  die  anderen
  Balkanstaaten,  die  die  Leiden  und  Mühlalen
  des  Krieges  erduldet  hatten,  am  Ende
angelangt  waren;  ohme  Schwertstreich  hat  Rumänien
  damals  für  sich  die  Früchte  der  Arbeit
auderer  eingebeimst.  Dies  Spiel  wollen  die  Rumänen
  wiederholen.  Es  wurde  als  Grundsat
der  rumänischen  Politik  dargestellt,  daß  Rumänien
  im  Schlußabschnitt  des  Weltkrieges  seine
Neutralität  aufgeben  werde,  um  bei  den  Friedemnsverhandlungen
  dabei  zu  sein  und  sei,e
Ansprüche  für  ein  Groß-Rumänien  geltend  zu
machen.  Auf  welche  Seite  sich  dann  Rumänien
schlagen  werde,  war  Sache  der  Beobachtung  der
Chancen.  Der  Vierverband  mit  Rußland  war
ihm  so  lieb  und  wert  wie  der  Vierbund  mit
Oesterreich-Ungarn.  Diese  Politik  der  offen  eingestandenen
  nackten  Selbstsuckt  hat  nunmehr
mumänien  auf  Rußlands  Seite  geführt.  Daß
es  die  Kriegslage  schlecht  eingeschätzt  hat,  wird
ihm  der  Ausgang  des  Abenteuers  blutig  in
seine  Geschichte  schreiben.  Die  Rumänen  wollen
Siebenbürgen  in  die  Hand  kbelommen,  um  es
beim  Friedensschluß  sesthalten  und  die  siebenbürgischen
  Kumänen  in  Rumänen  einverleiben

—.

#izu  können.  Daher  die  Kriegserklärung  gegen

Oesterreich  Ungarn,  für  die  Rumänien  leine
andere  Begründung  hat,  als  Ländergier.  Es  ist
der  versuchte  Ueberfall  des  benachbarten  habsburgischen
  Reiches.  Die  Beschaffenheit  des  rumänischen
  Hceres  ist  strittig.  Die  mobilitierte“-Truppen
  sollen  600  000  Mann  betragen.  Während
  von  rumänischer  Seile  die  Armee  und  insbesondere
  die  Artillerie  Rumäniens  hoch  gepriesen
  wird,  wird  außerhalb  des  rumänischen
Bannkreises  starler  Zweisel  laut.  Der  Eintritt
Rumäniens  in  den  Krieg  wird  darüber  baid
Klarheit  schaffen.  Vom  Schwarzen  Meer,  von
der  Donau,  den  Tranesylvanischen  Alpen  und
den  Karparthen  begrenzt,  hat  Rumänen  cine
überaus  schwierige  strategische  Lage,  welche  die
Grundlage  von  #ösungen  bietel,  die  den  großrumänischen
  Träumen  entgegenstehen.

Gron  lUieg  es  gegen  Hans  in  ihr  aus

r  war  schuld,  daß  iie  unbemiltelt,  an
jedem  Qenuß  sich  scheu  vorbeidrucken  mucte.
Ja,  er  war  schulo!

Sie  fsüllte  den  Kaffee  in  die  gewärmte
Kanne.  Sie  konme  doch  unmogliao)  Ludmma
und  die  Kinder  vom  Kassceluch  ausschließen.
Und  doch  würe  auch  sie  Jeßzt  lieber  allein  unt
Vitiner  geblieben.  Seine  Worte,  die  ein
schleichendes  Giit  enthielten,  hotten  bereit53
Unheil  angerichtet.

Es  tam  ihr  übrigens  bald  ein  rellender
Gedante.  Sie  ging  zu  Ludmula  hinein,  bei
welcher  die  Kinder  iriedlich  (pielend  am  Tisch
laßen,  und  sagte:

„Jerr  Billner  ist  so  überarbeitet  und  nervös,
  wie  ich  es  nicht  vermutet,  beste  Ludunlia,
ichwage  es  nicht,  die  Kinder  an  den  Kaftfretisch
  zu  holen.  Sie  würden  mir  einen  rechten
Dienst  erweisen,  wenn  Sie  die  Wildfangs  hier
behtelten  und  mit  ihnen  zusammen  sich  hier  an
Kaffee  und  Kuchen  delelnierten.  Im  Gageschrantchen
  steht  eine  Tüte  mit  feinem  Geback.
Lassen  Sie  es  sich  gut  schmecken,  geben  Sie  den
Kindern  nur  wenig!“

Ludmilla  zeigte  sich  bereit,  Dorac  Bilte  zu
erfüllen,  ohne  sie  übelzunehmen.  Sie  dachte
nicht  daran,  das  Alleinsein  der  belden  zu  verhindern.
  Im  Gegenteil,  sie  förderte  es.

Dora  ging  beruhigt  zursick  in  die  Küche
und  suchte  sich  zu  sammeln.  Ats  ihr  das  elnigermaßen
  gelungen,  trug  sie  auf  einem  hübschen
Tablett  den  Kassee  in  die  Stube.

Bittner  schritt  noch  immer  unruhooll  auf
und  ab.  Jotzt  sland  er  still  und  sah  zu,  wie
Doras  pübschgesormten,  dochungepflegtest  Hände
die  Tassen  füllten,  Zuckerschals  und  Sabnendieher
  zurechtichohen  Es  mar  ein  anmutloes

 

 

Mittwoch,  30.  Außuffk  1014
—  —

Rumänsens  Schrittein
plumper  Ueberrumpelungsversuch.

Wiien,  28.  August.  Aus  der  Art  und  dem
Zeitpunkt  der  rumänischen  Kriegserkläueng
spricht  die  deutliche,  wenn  auch  vergebliche  Ab.
sicht,  Oeslerreich-Ungarn  zu  Überrumpeln.  Gestern
  abend  um  319  Uhr  erschien  der  rumänlsche
Gesandte  Prinz  Mavrocordato  im  Ministerium
des  Aeußern  und  übergab  dem  diensthabenden
Beamten  im  Kabinett  Burians  die  Note  mit
der  Kriegserklärung.  Diese  Note  ist  vom  27.
August  9  Uhr  abends  datiert  und  mit  der  eigen
händigen  Unterschrift  des  rumänischen  Ministers
des  Aeußern  Porumbaru  versehen.  Die  Nole
ist  also  der  rumänischen  Gesandtschaft  in  Wien
nicht  telegraphisch,  sondern  brieflich  übersandt
worden.  Dies  lonnie  selbstverständlich  nicht  erfi
gestern  geschehen,  sondern  die  Note  ist  jedenfalls
schon  einige  Tage  in  den  Händen  Mavrocor
datos  gewesen.  Dieser  gab  um  3/19  Uhr  das
Schriftstück  ab,  durch  das  sich  Rumänien  eine
Viertelstunde  später  als  im  Kriegszustand  mit
uns  erklärte.

Die  Absicht  der  plumpen  Ueberrumpelung
wird  auch  durch  folgendes  erwiesen:  Gestern
3  Ukr  nachmittegs  sand  wie  bekannt  ein  rumä.
nischer  Kronrat  unter  dem  Vorsitz  des  Könige
stalt,  der  angeblich  die  Entscheidung  traf.  Aber
noch  in  der  Nacht  vom  Samstag  auf  Sonntag
gab  Bratianu  dem  öslerreich.  Gesandten  in  Bu.
tarest  Grasen  Czernin  folgende  Erklärung  ab:
„Ich  kann,  ich  will  und  ich  werde  die  Neutrali.
tät  aufrechterhalten,  der  Kronrat  wird  dies  beweisen.“
  Bratiam  hat  dieses  Verhalten  offen.
bar  für  einen  Zug  äußerster  Schlauheit  und  Ge.
schicklichkeit  gehalten.  Das  Bukarester  Publilum
glaubte  noch  am  Sonntag  vormiltag,  dah  der
Kronrat  sur  die  Neutralität  entscheiden  werde.
Die  Wahl  des  Sonntags  zur  Ueberreichung  der
Note  erfolgte  unter  der  irrigen  Annahme,  daß
der  Minister  an  einem  Sonntag  nicht  anzutreffen
sein  würde,  daß  die  Note  in  der  Nacht  liegen
bleiben  würde  und  Rumänien  dadurch  einen
Vorsorung  von  einigen  Stunden  für  seine  mili.
tärischen  Operationen  erreichen  könnte.

Ueber  die  Gründe  der  Kriegserklärung
vorläufig  nur  bekannt,  daß  sich  Rumänten
neuerdings  über  die  Unterdrückung  der  Ruma
nen  in  Ungarn  bellagte.  Wie  lächerlich  und
salsch  dieser  Vorwand  ist,  beweist  die  Tatsache.
daß  die  Rumänen  in  Beßarabien  vollständig  ent.
rechtet  sind,  und  die  Verlegenheit  der  nationa
len  Erlöserphrase  tritt  wie  bei  Italien  klar  iu
tage.  Immerhin  sticht  das  Vorgehen  Rumcniene
  erheblich  schlechter  ab,  als  sogar  das
Italiens.  Italien  hat  vorher  wenigstens  der
Bündnisvertrag  gekündigt.  Die  rumänische  Re
gierung  jedoch  ist  ohne  Kündigung  des  Bünd
nisvertrages  in  den  Krieg  eingetreten,  obwohl
es  seit  mehr  als  drei  Jahrzenten  mit  uns  ein
Bündnis  hatte,  das  zuletzt  im  Jahre  1912  wah.
rend  der  Ballanwirren  erneuert  wurde.  Gegen
über  cer  Behauptung  Rumäniens,  daß  durch
den  Abfall  Italiens  vom  Dreibund  auch  die
Verpflichtungen  Rumäniens  gegen  die  Mittelmächte
  erloschen  seien,  kann  festgestellt  werden,
daß  der  Bündnisvertrag  Rumäniens  nicht  auf
dem  Dreibunde,  sondern  auf  dem  österreichisch.
ungarischen-deutschen  Bündnis  beruht,  daß  da.
ber  der  Austritt  Italiens  aus  dem  Dreibund
an  den  Verpflichtungen  Rumäniens  weder  for
mell  noch  sachlich  etwaos  ändern  konnte.  Die
Kriegserllärung  Italiens  an  Deutschland  stebt
mit  der  rumänischen  zweifellos  in  Zusammenng.



hang

Wie  die  „Neue  Freie  Presse“  von  diploma
tischer  Seile  erfährt,  wurde  der  öllerreichisch
ungarische  Gesandte  in  Bukarest  Graf  Czerniam
  2.  Aug.  vormittags  vom  König  Ferdinand
empfangen,  der  dem  Gesandten  erllärte,  er

Blld,  aber  r#  argell:  i#n  vbocr.

Seine  Phantasie  hüllte  oie  schlanke  reizende
Gestalt  der  jzungen  Frau  in  ein  kostlich  weichen,
langfließendes  Seidengewand,  die  in  derocn
Lederschuhen  sleckenden  tleinen  Füße  gehorten
seiner  Meinung  nach  in  goldgestickte  Seiden
schuhe,  die  Finger  hänen  mit  Juwelen  geschmuck
sein  müssen.

Er  jetzte  sich  wieder  zu  ihr.  Er  trank  den
Kaffee,  welchen  Doras  liebe  Hüände  ihm  mundgerecht
  bereutet.  Er  sah  sie  nut  Blicken  an,
vor  denen  sie  die  Wimpern  senlte.  Sie  war
wie  verzoubert.

Johannes  kam  nicht.

*  ora  noch  Biltner  wünschten  ihn
herbei.  Ihre  Gedanken  begegneten  sich  in  dem
einen:  Hans  bleidt  absichtlich  fern,  es  ist  ihm
peinlich,  als  untergeordneter  Beamter  dem
Jugendfreunde,  der  eine  so  großartige  Position
errungen,  zu  begegnen.  ·

Nun  erst  uberkam  sie  ruhiges  Behagen.
Sie  lauten  auf.

Als  Ludmilla  eine  Stunde  später  lauschend
an  der  Stubentür  stand,  tönte  ihr  unbefan:
genes  Lachen  entgegen.  Drinnen  wurden
Kindheltserinnerungen  aufgesrischt.  „Das  wissen
Sie  noch?“  klang  deutlich  beraus.

Enttäuscht  4  Ludmilla  sich  zurück.  Doch
bald  wleder  lachte  sie  zuversichtlich  in  sich  hinein.
  Sie  hatte  doch  wohl  warten  gelernt.  Was,
w  enn?  Dora  war,  abgesehen  ron
lhren  sehr  WWi[c&  Schwächen  und  Fehlern,

  d  d
lerunen  #  M  els  dn  #
muten  durltt.

 

–––  —  .