Full text: Deutsches Kolonialblatt. XX. Jahrgang, 1909. (20)

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von gquadratischer oder rechteckiger Form. Das 
in London ausgelegte Material zeigte recht deut- 
lich, von welchem Einfluß die Art der Vor- 
behandlung des Kautschuks auf die äußere Be- 
schaffenheit, besonders auf die Färbung dieser 
Handelsware ist. Neben auffallend hellen Para- 
Sheets von verschiedenen Plantagen Ceylons und 
der Straits fanden sich braune (aus Dolahena, 
Distrikt Galle, Ceylon) und ganz schwarze („Com- 
mercial Para-Sheet“ aus Nakiadeniya, Distrikt 
Galle). 
Im Botanischen Garten von Singapore hatte 
man Versuche mit dem bekannten Verfahren des 
Räucherns ausgeführt; stark geräucherter, wenig 
und gar nicht geräucherter Kautschuk gleicher 
Herkunft waren nebeneinander ausgestellt worden, 
und dabei zeigte sich, daß mit der Intensität 
des Räucherns die Färbung an Dunkelheit zu- 
genommen hatte. 
Ich glaube kaum, daß man in unserer Zeit 
des Fortschritts der Technik im Plantagenbetriebe 
noch einmal ernstlich auf das Räucherverfahren 
zurückgreifen wird. Wenn sich auch nicht leugnen 
läßt, daß dieses Verfahren, namentlich wegen 
seiner Billigkeit und wegen der hochgradigen 
Imprägnierung des Kautschuks mit den im Rauch 
vorhandenen Kresolen, handgreifliche Vorzüge be- 
sitzt, so liegen doch auch die Nachteile zutage. 
Um die Kautschukmilch gleichmäßig dem Rauch 
auszusetzen und eine einheitliche Koagulations- 
wirkung zu erzielen, erfordert das Verfahren 
so zeitraubende Manipulationen,') daß man in 
einem großen Pflanzungsbetriebe wohl bald auf 
die Anwendung verzichten dürfte. Die konser- 
vierenden, weil desinfizierenden Eigenschaften des 
Rauches aber lassen sich zweifellos durch Zugabe 
reiner chemischer Stoffe ersetzen, womit neben 
dem Vorteil großer Zeitersparnis auch der einer 
einheitlichen Dosierung und gleichmäßigen Wirkung 
verbunden ist und wobei der zu heutiger Zeit 
anscheinend mehr und mehr verpönte Schönheits- 
fehler der Dunkelfärbung des Produkts vermieden 
werden kann. 
Besondere Aufmerksamkeit, namentlich bei den 
anwesenden Pflanzern aus Ostafrika, erregten die 
aus Manihot-Kautschuk hergestellten Sheets 
der Pflanzung Pallekelly (Distrikt Kandy, 
Ceylon). An diesen schönen honigfarbenen, reinen 
Platten war der Beweis geliefert worden, daß 
sich dort, wo genügende Mengen frischer 
Milch zur Verfügung stehen, aus dem 
Cearáä-Kautschuk ein ebenso reines und 
*“) Auch die vor kurzem von lr. O. Winkler be- 
schriebene Modifikation des Räncherverfahrens von 
Runge in Deli-Moeda erscheint mir recht umständlich 
und für Großbetriebe undurchführbar. (Näheres siehe 
„Gummis-zeitung“ 23, 1908, S. 342.) 
  
äußerlich ebenso ansprechendes Produkt 
herstellen läßt wie aus Para-Gummi. 
Leider kann diese moderne Errungenschaft der 
Ceylon-Pflanzer den Plantagen Deutsch-Ost- 
afrikas nicht zugute kommen, weil der Milch- 
ausfluß des Manihot-Baumes dort im allgemeinen 
viel zu spärlich ist. 
Aber vielleicht geben diese Darbietungen der 
Londoner Ausstellung Veranlassung, in westafri- 
kanischen Plantagen, wo der Manihot-Baum 
reichlicher milcht, ähnliches zu versuchen. 
Bei der Verwendung geriefelter Stahl- 
walzen zum Auspressen des Wassers erhält man 
rauhe Felle (von verschiedener Stärke), die als 
„Créêpes“ bezeichnet werden. Vor den Biskuits 
und Sheets gewähren sie den Vorteil, daß sie 
leichter und schneller herzustellen find und daß 
sie bei ihrer größeren und rauhen Oberfläche sehr 
schnell trocknen. In dieser Form soll der Kaut- 
schuk schon in zwei Tagen versandfähig sein. 
Immerhin gilt es nicht für zweckmäßig, die 
Crêpe-Felle als solche zu verschiffen, weil sie zu- 
viel Platz einnehmen und der Luft eine zu große 
Orydationsfläche darbieten. Bei den Fabrikanten 
in Deutschland sind die Felle deswegen nicht be- 
liebt, weil sich an ihnen die Qualität des Gummis 
schwerer bestimmen und der Grad der Verunreinigung 
schwerer nachweisen läßt als an kompakten Stücken. 
Die dünnsten Crêpes find etwa 1 mm stark, weisen 
zahlreiche feine Lücken auf und lassen sich leicht 
mit den Fingern zerreißen. Es werden auch 
stärkere Felle von 3 bis 4 mm Dicke und festem, 
lückenlosem Gefüge hergestellt, die sich aber bei 
großen Verschiffungen und hohen Frachtsätzen 
immer noch als zu wenig kompendiös erwiesen 
haben. 
Auffallend schöne, hellfarbige dünne Crepes 
Cfine pale Crêpei) hatten die Pflanzungen 
Nikakotua und Ballacadua (LDistrikt Matale, 
Ceylon) und die „Rofehaugh Tea and Rubber 
Company“ in Kalutara und Matale ausgestellt. 
Muster anderer Herkunft, auch dickere Felle, waren 
in allen Farbenabstufungen, zwischen hellgelb und 
dunkelbraun, zu sehen. Es mag besonders darauf 
hingewiesen werden, daß die zur Herstellung der 
Crêépe-Felle dienenden Walzen zugleich als Wasch- 
maschinen gebraucht werden können, wodurch 
sich die Anschaffungskosten für einen modernen 
Aufbereitungsapparat in den Plantagen erheb- 
lich vermindern. 
Ein wesentliches Moment für die Er- 
zielung einer schönen, hellen Färbung 
des Rohkautschuks liegt in der Ausschal- 
tung gewisser Farbenstrahlen des Sonnen- 
lichtes. Die Lichtempfindlichkeit des Kautschuks ist 
früher nicht genügend beachtet worden, wird heute 
aber auf Grund nachteiliger Erfahrungen umsomehr
	        
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