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häufungen brasilianischer Produkte schon durch ihre
Masse imponierend. Besonders galt dies für die
mächtigen Klumpen von - Fine Rubber- aus den
verschiedensten Herkunftsgebieten der Hevea, alle
aber in jener eigenartigen Form, wie sie durch
die landesübliche Herstellungsweise bedingt ist.“)
Natürlich führte die gesonderte Darbietung der-
selben Sorten in geographischen Untergruppen zu
vielfachen Wiederholungen. Die Reinheit der
durch Querschnitt geöffneten Klumpen wechselte
natürlich, wie das ja schon in den Handels-
bezeichnungen (' fina , interfina usw.) zum
Ausdruck kommt.
Besonders instruktiv wirkte ein angeblich zehn
Jahre alter Klumpen Fine Rubber, der kurz vor
der Ausstellung halbiert worden war, er zeigte
die vom Räucherprozeß herrührende charakte--
ristische Lamellenstruktur von dichtem Gefüge und
Lamellen von gelblichweißer Farbe mit
schwarzbraunen Grenzlinien. Von Fäulnisgeruch
und Schimmelbildung im Innern — wodurch
namentlich die „ Cameta-Negroheads hervor-
stechen — war keine Spur zu bemerken. Weniger
günstig als der Fine Rubber präsentierte sich
natürlich das zweitklassige Produlkt von Castilloa
Ulei, der = Caucho-. Die ' Caucho-Balls#
stellen große abgeplattete Ballen dar aus breiten,
dunklen Streifen zusammengesetzt, die sich vielfach
mit der Hand leicht voneinander trennen lassen.
Ihr Marktwert ist etwa der gleiche wie derjenige
der " Scrappyr Negroheads"# von Hevea.
Tiefer rangieren die „ Caucho Slabs:, um-
fangreiche, schwarze und weiche Fladen.
Zwischen allen Kautschukmassen der brasilianischen
Gruppe hatte man recht geschickt eine Hütte der
Kautschuksammler Brasiliens („Seringueiros") mit
allem Zubehör, wie von Sandmann kürzlich
beschrieben, aufgestellt.
In neuerer Zeit ist wiederholt die Frage er-
örtert worden, ob sich die Kautschukpro-
duktion Brasiliens bei den hohen Ge-
stehungskosten und Ausfuhrzöllen und bei
der zu erwartenden scharfen Konkurrenz
des Plantagenkautschuks noch lange werde
halten können. Diese Frage ist in sehr ab-
weichendem Sinne beantwortet worden.““") Wie
die Verhältnisse liegen, läßt sich meines Erachtens
kaum eine einheitliche generelle Lösung für die
gesamte Produktion brasilianischen Gummis er-
* Ich verweise bezüglich der Kautschukproduktion
Brasiliens auf den Bericht von D. Sandmann im
„Tropenpflanzger“ 1908 Nr. 9. Weitere Mitteilungen
desselben Verfassers werden demnächst im „Deutschen
Kolonialblatt“ erscheinen.
*“) Vgl. Sandmann a. a. O. S. 432; Soskin,
Beiheft zum „Tropenpflanzer“ 1908 S. 326; Berk-
hout, „Tropenpflanzer“ 1909 Nr. 2.
warten. Die besten Sorten von Para-Gummi
werden trotz hoher Gewinnungskosten voraus-
sichtlich immer ihren Platz behaupten. Für die
geringeren Sorten, auch für „ Caucho-, er-
scheint mir das jedoch fraglich; die Anlieferungen
hochwertigen Para-Kautschuks in anderen Pro-
duktionsgebieten werden schon in kürzester Zeit
erheblich an Umfang zunehmen und damit allen
minderwertigen Produkten den Stand erschweren.
Rangiert uun auch der brasilianische Castilloa-
Kautschuk noch nicht unter den minderwertigen
Sorten im wahrsten Sinne des Wortes, so wird
er doch unter den eigenartigen Verhältnissen
seines Ursprungslandes Schwierigkeiten haben, sich
zu behaupten.
Anderseits besteht aber noch die Möglichkeit,
daß die brasilianische Regierung, um einem so.
wichtigen Produktionszweig des Landes die Lebens-
ader zu erhalten, den hohen Ausfuhrzoll herab-
setzt und damit auch den geringeren Sorten den
Wettbewerb auf dem Weltmarkt erleichtert.
Von besonderem Interesse für die Besucher
der Ausstellung waren ferner die Darbietungen,
welche sich auf den jüngsten Zweig der Kautschuk-
Großproduktion bezogen, nämlich auf die Aus-
beutung der Guayule-Bestände in Merxiko.
Sowohl zahlreiche Exemplare der Guayule-Pflanze
(Parthenium argentatum) wie auch ansehnliche
Stücke von Rohkautschuk und endlich verschiedene,
daraus gefertigte Produkte (letztere von der Firma
Ed. Maurer in New ork) waren vertreten.
Vorzügliche Abbildungen von der Hacienda
„ San Tiburcio“ und anderen Unternehmungen
erläuterten die Gewinnung des Rohmaterials und
dessen Verarbeitung. Der Guayule-Kautschuk soll
sich vorzüglich für die Herstellung von Gummi-
schuhen und Gummisohlen eignen. «
Einige der ausgestellten Proben von Roh—
kautschuk riefen insofern Verwunderung hervor,
als sie ihrem Außeren nach nichts weniger als
günstigen Eindruck von der Qualität dieses
Materials erweckten. Wer nur diese schmierigen,
teils grün, teils schwarz gefärbten Massen zu sehen
bekommen hätte, wäre kaum geneigt gewesen,
dem Guayule überhaupt eine nennenswerte Be-
deutung für die Kautschukindustrie beizumessen.
Vermutlich handelte es sich bei dem betreffenden
Stücke um Material, das nach der „Gärungs-
methode“ gewonnen worden war.“)
Wie mir von gut unterrichteter Seite gesagt
wurde, gibt man sich in Mexiko heute betreffs der Zu-
kunft der Guayule-Gewinnung keineswegs rosigen
Hoffnungen hin. Ob sich die Pflanze plantagenmäßig
*) ܼber die Gewinnungsmethoden siehe Atrevido
in der „Gummi-geitung“ Bd. 23 (1908) S. 93 und
500 f. Die früheren Mitteilungen von Dr. Endlich
im „Tropenpflanzer“ sind bekannt.