Object: Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

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der religiösen Wirren im Reich führen 
mußten. Wesentlich war, daß das luthe- 
rische Bekenntnis in Deutschland neben 
dem katholischen als gleichberechtigt aner- 
kannt wurde. 
August, 1) A. Paul xriedrich, 
Groherzeg von Oldenburg, geb. 
13. Juli 1783, ältester Sohn des Herzogs 
Peter und der Prinzessin Elisabeth von 
Württemberg, ging nach der Besetzung Ol- 
denburgs durch die Franzosen (1810) mit 
seinem Vater nach Rußland und nahm 
thätigen Anteil am Befreiungskrieg. Nach 
seines Vaters Tod (21. Mai 1829) trat 
er, der schon als Erbgroßherzog sich mit 
großem Eifer den Regierungsgeschäften 
unterssgen hatte, die Regierung an und 
nahm 28. Mai den großherzoglichen Titel 
an. Dem Land eine Verfassung zu geben 
zeigte er sich wenig geneigt und sa sich 
o durch die Ereignisse von 1848 dazu 
gezwungen. Er starb 27. Febr. 1853. Er 
war dreimal vermählt, zunächst mit der 
Prinzessin Adelheid von Anhalt, dann mit 
deren Schwester Ida, der Mutter seines 
Nachfolgers Peter, zuletzt mit der Prin- 
zessin Cäcilie, jüngsten Tochter des ehe- 
maligen Königs von Schweden, Gu- 
stavs IV. Adolf. Vglgl. Mosle, Paul 
Fierich A., Großherzog von Oldenburg 
2) A. Wilhelm, Prinz von 
Preußen, geb. 9. Aug. 1722 zu Berlin, 
zweiter Sohn König Friedrich Wilhelms J. 
und der Prinzessin Sophie Dorothea von 
Hannover, trat früh in die Armee und 
nahm an beiden Schlesischen Kriegen teil. 
Da seines Bruders Friedrich II. Ehe kin- 
derlos war, erhielt A. 1744 als voraus- 
Scchtcher Nachfolger den Titel -Prinz von 
reußene. Im Siebenzährigen Krieg be- 
teiligte er sich an den Schlachten bei Lo- 
bositz, Prag und Kollin, leitete aber den 
Rückzug seines Korps nach der Lausitz mit 
solchem Ungeschick, daß ihm der König sein 
Vertrauen Etzag. Gekränkt, zog er sich 
nach seinem Schloß in Oranienburg zu- 
rück, wo er schon 12. Juli 1758 starb. Er 
war seit 1742 mit der Prinzessin Luise 
Amalie von Braunschweig vermählt, de- 
ren Sohn der spätere König Friedrich Wil- 
helm II. (s. Friedrich 20) ist. 
August — 
Augusta. 
3) A. Friedrich Eberhard, Prinz 
von Württemberg preuß. General= 
oberst, geb. 24. Jan. 813, zweiter Sohn 
des Prinzen Paul von Württemberg und 
der Prinzessin Charlotte von Sachsen- 
Altenburg, trat 1831 in die preußische 
Armee u. erhielt 1858 das Kommando des 
Gardekorps. Im Feldzug von 1866 siegte 
er bei Trautenau und nahm auch an der 
Schlacht bei Königgrätz hervorragenden 
Anteil. 1870 führte er sein Korps in den 
Schlachten bei Gravelotte und Sedan und 
wirkte bei der Belagerung von Paris an 
der Nordosifront mit. Nach dem Feldzug 
wurde er zum Generalobersten ernannt. 
Augusta, Marie Luise Katha- 
rina, deutsche Kaiserin und Königin von 
Preußen, geb. 30. Sept. 1811 zu Wei- 
mar, Tochter des Großherzogs Karl Fried- 
rich von Sachsen-Weimar und der Groß- 
fürstin Maria Paulowna, erhielt an dem 
kunstsinnigen Hof ihres Vaters eine aus- 
gezeichnete Erziehung. Am 11. Juni 1829 
vermählte sie sich mit dem Prinzen Wil- 
helm, dem jweiten Sohn des Königs Fried- 
rich Wilhelm III. von Preußen. Ihr Fa- 
milienleben war ein sehr glückliches. Die 
Exziehung der beiden Kinder, des gegen- 
wärtigen Kronprinzen Friedrich Wilhelm 
und der Prinzessin Luise, jetzigen Groß- 
herzogin von Baden, wurde von der Mut- 
ter selbst geleitet, die dem Unterricht oft 
persönlich beiwohnte. Nachden Ereignissen 
von 1848 nahm die Prinzessin mit ihrem 
Gemahl, der seit 1840 den Titel eines 
Prinzen von Preußen führte, ihre Resi- 
denz zu Koblenz, wo sie es verstand, durch 
Leutseligkeit gegen die Bevölkerung, durch 
die Förderung künstlerischer und wissen- 
schaftlicher Bestrebungen und vor allem 
durch ihren Wohlthätigkeitssinn sich die 
Gunst des Volks zu gewinnen. Auch spä- 
ter in Berlin, während der Regentschaft 
ihres Gemahls, als Königin und Kaiserin, 
ist sie diesen Bestrebungen treu geblieben. 
Unermühlich ist sie in der Förderung wohl- 
thätiger Anstalten und hat während der 
Kriege von 1866 und 1870—71 an der 
Spitze der zahlreichen Vereinc, die für die 
Truppen im Feld und die Pflege der Ver- 
wundeten sorgten, eine segensreiche Thä- 
tigkeit entfaltet. Die Kaiserin ist eine