Full text : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

III.  Der  Konflilt.  383
das  Ende  Straffords  und  Karls  I.  von  England  vorhersagte,
das  freudig  aufnahm  und  als  ein  sehr  anständiges  Ende  bezeichnete,
  da  er  selbst  dann  im  Kampfe  für  die  Sache  seines
Königs  enden,  dieser  aber  seine  königlichen  Rechte  von  Gottes
Gnaden  mit  dem  eigenen  Blute  besiegeln  würde.  Er  war
gewiß,  daß  derselbe  gegebenenfalls  auch  nach  diesen  Worten
handeln  würde.  Auf  diese  sich  auch  im  Tod  zu  bewähren
zu  ihm.  Er  war  davon  durchdrungen,  diesem  beredten  Munde
konnte  kein  Wort  und  diesem  erfindungsreichen  Kopfe  kein
Gedanke  entspringen,  die  mit  der  Ehre  des  preußischen  Königtums
  unvereinbar  waren.  Die  Folgezeit  bestätigte  glänzend
diese  Ueberzeugung  und  stärkte  ihn  in  dem  Glauben  an  seinen
treuen  Berater.  Daher  haben  sich  beide,  mochten  ihre  Meinungen
  auch  einmal  auseinandergehen,  immer  wiedergefunden,
so  daß  ihr  unvergleichliches  Verhältnis  angesichts  großer  Krisen
wohl  vorübergehend  getrübt,  aber  nie  ernstlich  erschüttert  werden
konnte.  Erst  der  Tod  hat  es  gelöst,  denn  trotz  seiner  epochemachenden
  politischen  Bedeutung  war  es  ursprünglich  und  seinem
Wesen  nach  stets  ein  persönliches  und  wurzelte  als  solches  in
ideal  sittlichen  Momenten.  Wenn  Nanke  einmal  von  Richelien
bemerkt  hat,  seine  Bedeutung  für  die  Entwickelung  des  Königtums
  liege  darin,  daß  er  den  kirchlichen  Eifer  des  Kardinals
auf  die  Vertretung  desselben  übertragen  habe,  so  kann  man
von  Bismarck  sagen,  zum  Schöpfer  eines  vom  Glanz  der
Kaiserkrone  umstrahlten  neuen  preußischen  Königtums,  dessen
Verkörperung  die  Welt  in  seinem  Herrn  bewunderte,  sei  er
dadurch  geworden,  daß  er  den  auf  anderen  Gebieten  so  oft  so
herrlich  bewährten  Geist  soldatischen  Gehorsams  und  nie  versagender
  Vasallentreune,  an  der  es  ein  großer  Teil  seiner
Standesgenossen  trotz  aller  loyalen  Phrasen  voll  rücksichtsloser
  Selbstsucht  in  den  Jahren  1818—58  dem  unglücklichen
König  gegenüber  so  sehr  hatte  fehlen  lassen,  auf  die  Politik
übertrug  und  zu  deren  Grundlage  machte.  Nicht  als  konstitutioneller
  Minister  in  der  üblichen  Bedentung  des  Wortes

gelobt,  sondern  als  Diener  seine  Befehle  in  letzter  Instanz  zu