Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXII. Jahrgang, 1911. (22)

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zerstörende  furchtbare  Erdbeben  und  das  hierdurch  verursachte
namenlose  Elend  nicht  ab,  an  die  Durchführung  seiner  Plane
zu  gehen.  Er  hob  die  Ketzerverbrennungen  auf,  beschnitt  die
Macht  der  Inquisition,  wies  jede  Strafe  überhaupt  an  die
weltlichen  Gerichte  und  beschränkte  das  Recht  der  Klöster,
Novizen  aufzunehmen.  Gingen  diese  Maßregeln  gegen  die
Kirche,  so  traf  Pombal  hinwieder  auch  den  Adel  mit  der
Aufhebung  jener  Schenkungen,  durch  welche  die  Krone
Ländereien  in  ihren  überseeischen  Besitzungen  an  einzelne
vornehme  Familien  vergabt  hatte.  Unzufriedenheit  mit  den
Anordnungen  des  mächtigen  Ministers  wurde  mit  Kerker,
ja  mit  dem  Tode  bestraft,  und  es  herrschte  eine  wahre
Schreckenszeit,  während  zugleich  das  blühende  Jesuitenreich
in  Paraguay  mit  Feuer  und  Schwert  unterworfen  wurde.
Aus  Anlaß  des  Erdbebens  ließ  Pombal  die  Kornmagazine
der  Regierung  öffnen,  die  Ausfuhr  von  Getreide  verbieten
und  die  Einfuhr  vom  Zolle  befreien,  sowie  die  eingestürzten
Wasserleitungen  wieder  herstellen;  die  in  Folge  des  Elends
entstandenen  Räuberbanden  aber  unterdrückte  er  durch  massenhafte
  Hinrichtungen.  Als  nun  die  Geistlichen  heftig  gegen
Pombal  predigten  und  ihn  als  Urheber  des  Erdbebens  hinstellten,
  auch  Einfluß  auf  den  König  erlangen  wollten,  verbannte
  der  Minister  das  einflußreichste  Mitglied  der  Jesuiten
in  Portugal,  den  Pater  Malagrida  und  darauf  alle  übrigen
Jesuiten  vom  Hofe  und  ließ  sie  1757  mit  Gewalt  fortbringen.
Des  bigotten  Königs  Unterschrift  zu  dieser  Maßregel  erlangte
er  durch  die  Vorgabe,  derselbe  sei  durch  die  Jesuiten  bedroht,
  und  nur  er,  Pombal,  könne  ihn  gegen  sie  schützen.
Den  übrigen  Höfen  gegenüber  aber  rechtfertigte  er  das  Geschehene
  durch  eine  eigene  an  sie  versandte  Schrift.  Vom
Papste  verlangte  er  eine  Reform  des  Ordens,  und  dieser
ordnete  sie  1758  auch  wirklich  an.  Der  mit  ihrem  Vollzuge
beauftragte  Kardinal  Saldanha  verbot  den  Jesuiten  allen
Handel,  sowie  das  Predigen  und  Beichtehören.  Ein  Atten-