Volltext : Wilhelm Heinzes Quellen-Lesebuch zur vaterländischen Geschichte für Lehrerbildungsanstalten und höhere Schulen. Zweiter Teil. Deutsche, vornehmlich brandenburgisch-preußische Geschichte bis 1815. (2)

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Krämpfen  gestorben,  obwohl  es  als  ausgeschlossen  anzusehen  ist,  daß  die  Impfung  an  dem
Tode  des  Kindes  Schuld  war,  ist  dieser  Fall  im  Sinne  einer  Impfschädigung  in  der
impfgegnerischen  Presse  !)  besprochen.  Je  ein  Todesfall  an  Brechdurchfall  ist  außerdem  im
Med.-Bez.  Glauchau  und  Auerbach,  und  zwar  5  Wochen  bezw.  5  Tage  nach  der
Impfung  bei  Erstimpflingen  vorgekommen.  In  Württemberg  sind  in  den  ersten  7  Tagen
nach  der  Impfung  5  Kinder  an  Brechdurchfall  gestorben.  Im  Großherzogtum  Baden
starben  zwei  Kinder  zwischen  der  Impfung  und  der  Nachschau  an  Brechdurchfall,  und  zwar
in  Singen  (Amt  Konstanz)  und  im  Landbezirk  Heidelberg.  Im  Amtsbezirk  Buchen  starb
ein  Kind  vier  Wochen  nach  der  Impfung  an  Darmkatarrh.  In  Pohlitz  (Reuß  ä.  L.)  erlag
  ein  Erstimpfling  9  Tage  nach  erfolgloser  Impfung  demselben  Leiden.

Todesfälle  an  Lungenentzündung  ereigneten  sich  im  Reg.-Bez.  Potsdam  7,  in
Neumünster  (Reg.-Bez.  Schleswig)  8,  und  in  Nenndorf  (Reg.-Bez.  Aurich)  54  Tage  nach
der  Impfung.  Im  Amtsbezirke  Neumarkt  a.  R.  (Oberbayern)  starb  je  ein  Erstimpfling
an  Lungenentzündung  und  Bronchialkatarrh;  bei  der  Erkrankung  des  letzteren  war  ein  Arzt
nicht  zu  Rate  gezogen  worden.  In  Vilshofen  (Niederbayern)  fielen  3  Erstimpflinge  in  der
Zeit  zwischen  der  Impfung  und  der  Nachschau  der  Lungen-  und  Hirnhautentzündung  zum
Opfer.  Im  Amtsbezirke  Bamberg-Stadt  wurde  ein  einjähriges  Kind,  das  ein  leichtes
Ekzem  an  der  linken  Seite  der  Stirnhaut  zeigte,  und  sonst  gesund  war,  ohne  Bedenken
geimpft;  es  erkrankte  Tags  darauf  an  Brechdurchfall,  zeigte  bei  der  Nachschau  wohl  entwickelte,
  regelrechte  Pusteln,  erkrankte  einige  Tage  später  an  Lungenentzündung  und  ging
daran  zu  grunde.  2  Kinder  in  den  Amtsbezirken  Schwabach  (Mittelfranken)  und  Kitzingen
(Unterfranken)  erlagen  gleichfalls  der  Lungenentzündung.  Aus  dem  Med.-Bez.  Borna  und
dem  Med.-Bez.  Glauchau  wurde  über  je  einen  Todesfall  an  Lungenentzündung  und  an
Luftröhrenkatarrh  mit  Krämpfen  berichtet;  der  letztere  erfolgte  9  Tage  nach  der  Impfung.
In  Württemberg  sind  in  den  ersten  7  Tagen  nach  der  Impfung  4  Kinder  an  Lungenentzündung
  gestorben.  In  Marbach  (Neckarkreis)  trat  bei  einem  Kind,  das  bereits  5  Monate
vor  der  Impfung  eine  Lungenentzündung  durchgemacht  hatte,  jedoch  bei  der  Impfung
gesund  erschien,  5  Tage  nach  derselben  von  neuem  eine  Lungenentzündung  auf,  die  am
12.  Tage  zu  einem  tödlichen  Ausgang  führte.

In  einer  im  Bezirk  Aalen  (Jagstkreis)  herausgegebenen  Tageszeitung  erschien  eine  Mitteilung
folgenden  Inhalts:  „Von  einem  herben  Geschick  wurde  ein  Bürger  von  Grimmlingen  betroffen.  Wie
voriges  Jahr,  so  geschah  es  auch  dieses  Jahr,  daß  ihm  10  Tage  nach  der  Impfung  ein  vorher  blühendes
und  immer  gesundes  Kind  wegstarb.“  Der  Oberamtsarzt  begab  sich  darauf  zu  den  Eltern  des  Kindes,  die
über  den  Zeitungsbericht  sehr  erstaunt  waren.  Sie  gaben  an,  daß  ihr  Kind  am  Abend  der  Nachschau,  bei
der  es  noch  gesund  gewesen  war,  unwohl  geworden  sei,  und  daß  der  zugezogene  Arzt  eine  Lungenentzündung
  festgestellt  habe,  der  es  nach  5  Tagen  erlegen  sei.  Im  Vorjahre  sei  überhaupt  keines  ihrer  Kinder
geimpft  worden,  vor  zwei  Jahren  sei  ihnen  ein  Kind  an  dem  Tage  gestorben,  an  welchem  es  zur  Impfung
vorgeladen  gewesen  sei  (also  ungeimpft).  Dementsprechend  wurde  in  der  betreffenden  Zeitung  eine  Richtigstellung
  veröffentlicht.  ·

In  Hall  (Jagstkreis)  war  ein  Kind  nicht  zur  Nachschau  erschienen  und  wurde  daher
zu  Hause  besucht.  Es  hatte  bei  4  gut  entwickelten  Impfpusteln  eine  schwere  Lungenent—
zündung,  welcher  es  am  11.  Tage  erlag.  In  Eggenstein  (Landbezirk  Karlsruhe)  starb  ein
Kind  zwischen  der  Impfung  und  der  Nachschau,  ferner  im  Amtsbezirk  Buchen  2  Kinder
und  in  Hamburg  1  Kind  4  Wochen  nach  regelmäßigem  Impfverlauf  an  Lungenentzündung.

In  dem  Zeitraum  zwischen  der  Impfung  und  der  Nachschau  oder  auch  wenige  Tage
nach  der  letzteren  sind  ferner  mehrere  Kinder  an  Krämpfen  gestorben,  und  zwar  je  eines
im  Reg.-Bez.  Potsdam,  in  Weischnitz  (Reg.-Bez.  Breslau),  in  Neustadt  (Reg.-Bez.  Oppeln),

1)  Vgl.  „Der  Impfgegner“  1900,  S.  52.