Volltext : Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften. Erste Abteilung VIII. Band. Geld und Banken. I. Teil Das Geld. (1_8)

2.  Kapitel.  Die  Entwicklung  der  Geldsvsteme.  $  ;.  71

8  7.  Die  Papierwährung.

Das  Verhältnis  des  Geldes  zu  dem  Geldstoffe  hat  im  Laufe  der
bisher  geschilderten  Entwicklung  folgende  Wandlungen.  erfahren:

‘Geld  und  Geldstofl  traten  sich  erst  von  der  Erfindung  der  Münze
an  als  etwas  Verschiedenes  gegenüber.  Das  gemünzte  Metall  begann,
ausschließlich  als  das  Geld  zu  erscheinen,  das  robe  Metall  hörte  auf,
mehr  zu  sein  als  ein  bloßer  Geldstoff.  Die  Verschiedenheit  war  ursprünglich
  nur  eine  rein  äußerliche;  denn  anfangs  war  die  Münzform
nur  als  eine  autoritative  Beglaubigung  einer  bestimmten  Edelmetallquantität
  gedacht.  Aber  bald  wurde  das  gemünzte  Geld  wirtschaftlich
und  rechtlich  eine  selbständige,  von  dem  Geldmetall  unterschiedene
Kategorie.  Der  Wert  des  gemünzten  (Geldes  wurde  eine  selbständige
wirtschaftliche  Größe,  und  das  Geld  bestand  bei  allen  Veränderungen
seines  gesetzlichen  und  tatsächlichen  Metallgehaltes  und  bei  alien  sich
daraus  ergebenden  Veränderungen  seines  Wertverhältnisses  zu  der
Gewichtseinheit  des  Rohmetalls  als  eine  rechtlich  identische  Größe
fort.  Aber  auch  in  diesem  Zustande  war  der  effektive  (wenn  auch
schwankende)  Metallgehalt  im  großen  Ganzen  und  auf  die  Dauer  immer
noch  bestimmend  für  den  Wert  der  einzelnen  Münzsorten.

Die  Befreiung  einer  großen  Kategorie  von  Münzen  von  der  Gebundenheit
  an  den  Wert  ihres  Stoffes  trat  im  weiteren  Verlaufe  der
Entwicklung  als  eine  prinzipielle  Notwendigkeit  hervor,  als  es  sich
um  die  Zusammenfassung  der  aus  verschiedenen  Metallen  bestehenden
Geldsorten  zu  einem  einheitlichen  Geldsysteme  handelte.  Da  eine  Festlegung
  de:  Wertverhältnisses  zwischen  den  beiden  wichtigsten  Geldmetallen
  richt  gelang,  war  ein  einheitlicher  Geldwert  bei  verschiedenen
Greldsortes  nur  zu  erlangen  dadurch,  daß  man  den  Wert  der  Münzen
des  einen  Metalls  von  dem  Werte  ihres  Stoffes  unabhängig  machte  und
‚ihn  —  stait  zu  dem  eigenen  Stoffe  —  in  Beziehung  setzte  zu  den
Münzen  des  andern  Metalls..  Die  Lösung  des  Problems  st  in  der  im
vorigen  Kapitel  geschilderten  Weise  gelungen  in  der  modernen  Goldwährung.
  Die  zu  einem  Goldwährungssysteme  gehörigen  Silbermünzen
leiten  ihren  Wert  nicht  ab  von  ihrem  Silbergehalte,  sondern  von  den
die  Grundlage  des  Geldsystems  bildenden  Goldmünzen  und  kommen
damit  indirekt  in  eine  Wertbeziehung  zu  einem  bestimmten  Quantum
(Gold;  der  Wert  der  Silbermünzen  steht  bei  der  Goldwährung  nicht  mehr
in  Beziehung  zu  dem  Stoffe,  aus  den  sie  bestehen,  sondern  zu  einem
anderen  Stoffe,  zu  dem  sie  keinerlei  äußerliches  Verhältnis  haben.  Bei
den  Silbermünzen  innerhalb  einer  Goldwährung  ist  also  die  vollständige
Trennung  von  „Stoffwert“  und  „Geldwert“  der  Münzen  vnllzogen.

und  die  anderen  Länder  seien  nur  aus  dem  Bedürfnisse  einer  Währungsgleichheit
nit  England  gefolgt  (a.  a.  OÖ.  S.  2661.  nicht  aufrecht  erhalten.